Entscheidung über Lockdown-Ende kommender Woche

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Eine Entscheidung über das Ende des Lockdowns für Geimpfte und Genesene ab 12. Dezember will das Gesundheitsministerium erst kommende Woche fällen.
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Bis dahin will man die Entwicklung beobachten und intern beraten, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Ministerium.

Entwicklung beobachten

Derzeit sei das Infektionsgeschehen rückläufig. Wie stark diese Entwicklung ausgeprägt ist und ob es sich um eine nachhaltige Trendumkehr handelt, werde man aber erst in den kommenden Tagen sehen, lässt das Gesundheitsministerium wissen. Daher beobachte man die Entwicklung und werde die nächsten Schritte kommende Woche kommunizieren.

Der aktuell geltende Lockdown war tags zuvor im Hauptausschuss des Nationalrates bis zum 11. Dezember verlängert worden. Wie es danach weitergeht, hängt laut Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) von der weiteren epidemiologischen Situation ab. Jedenfalls verlängert wird der Lockdown für Ungeimpfte.

Wallner für bundeseinheitliches Lockdown-Eende

Obwohl der Westen dem Osten bei der Sieben-Tage-Inzidenz nachhinkt, geht man in Vorarlberg von einem gleichzeitigem Lockdown-Ende aus. "Wenn der Abwärtstrend österreichweit weiterhin gleich ist, macht es Sinn, auch gleich vorzugehen", hieß es am Mittwoch aus dem Büro von Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP).

Bedingungen für Lockdown-Ende

Wallner hatte am Dienstag drei Bedingungen genannt, die für Öffnungsschritte erfüllt sein müssten: Für ein Lockdown-Ende muss es einen deutlichen Rückgang bei der Sieben-Tage-Inzidenz geben, die Prognose für die Belegung der Intensivkapazitäten muss gut sein, "und die Impfquote muss rauf".

Nächste Woche werde es einen Bund-Länder-Gipfel geben, um das mögliche Lockdown-Ende zu besprechen. Bis dahin werde die Entwicklung der Lage natürlich genauestens beobachtet und bewertet.

Vorarlberg wies zuletzt eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1.261 auf. Tirol lag bei 1.124, Salzburg bei 1.323. Der Österreich-Durchschnitt betrug 894 Fälle je 100.000 Einwohner.

Experten vorsichtig optimistisch

Der zur Eindämmung der vierten Corona-Welle vor neun Tagen in Kraft getretene österreichweite Lockdown dürfte sich jedenfalls in den kommenden Tagen und Wochen positiv auf das Infektionsgeschehen und die mit Covid-19-Kranken überlasteten Spitäler auswirken. Davon geht das Covid-Prognosekonsortium in seiner aktuellen Vorschau aus. Damit dürften die Chancen steigen, dass der bis 11. Dezember befristete Lockdown - zumindest in Teilbereichen - für Geimpfte aufgehoben werden kann.

Aktuell müssen in Österreich 649 schwere Covid-Fälle intensivmedizinisch betreut werden: Diese Zahl wird - davon geht das Covid-Prognosekonsortium aus - am kommenden Mittwoch jedenfalls gesunken sein, im Idealfall auf knapp über 500. Im Mittel wird von 565 ICU-Fällen am 8. Dezember ausgegangen, am 15. Dezember ist mit einer weiteren Reduktion auf einen Wert zwischen 362 und 532 auszugehen.

Lockdown-Ende "nicht unrealistisch"

Für nicht unrealistisch angesichts des aktuellen Berichts des Covid-Prognosekonsortiums hält auch der Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Medizinischen Universität Wien ein Lockdown-Ende nach dem 11. Dezember. Nach dem Höhepunkt bei den Infektionszahlen sollte nun die Wirkung der Maßnahmen "voll ankommen". Es gebe aber weiter viele Unsicherheitsfaktoren wie Omikron, den Wintersport oder die 2G-Umsetzung zu berücksichtigen.

Lage in Spitälern weiter kritisch

Was die Normalbettenauslastung betrifft, dürfte der Höhepunkt bald erreicht werden, auf den Intensivstationen kommt der Effekt aber etwas später an. Gegen das angestrebte Ende des Lockdowns für alle sollte sich die Situation etwas entspannen, wenn auch "auf einem sehr hohen und teilweise systemkritischen Niveau", so Klimek am Mittwoch zur APA.

Klar sei, dass die Anstiege bei den Spitalsbelegungen schneller erfolgen als die Rückgänge. Die frei werdenden Intensivkapazitäten könnten nach dem Ende der Triage-Situation durch Covid-19 in einigen Krankenhäusern durchaus rasch wieder von anderen Patienten benötigt werden. Somit bleibt dort die Lage mitunter länger kritisch. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor vor allem im Westen des Landes sei der in den Startlöchern stehenden Wintertourismus mit seinem erhöhten Verletzungsrisiko.

Von Entspannung "weit entfernt"

"Wenn wir wieder mehr Öffnungsschritte wagen, nimmt auch diese Konkurrenzsituation wieder zu", sagte Klimek: "Wir sind weit davon entfernt, dass die Situation wieder entspannt ist." Am Ende des Lockdowns könnte sich eine Neuinfektionslage auf einem halbwegs stabilen Niveau bewegen, das längerfristig dazu führt, dass ungefähr zehn Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind. Dies sei "realistisch" - auch weil der Lockdown dann noch nachwirken werde.

Öffnungsschritte "politische Frage"

In der Folge komme es darauf an, wie gut weniger strenge Maßnahmen wirken, und die 2G-Regel tatsächlich umgesetzt wird. Klimek: "Es sind dann schon Öffnungsschritte möglich, welche man dann setzt, ist eine politische Frage."

Positiv sei, dass in den vergangenen Wochen die Impfkampagne doch Fahrt aufgenommen hat - auch was das Boosten betrifft. Zumindest einiges von dem, was im Sommer hier versäumt wurde, sei nun aufgeholt.

"Die andere große Unbekannte ist Omikron", sagte Klimek, der sich diesbezüglich noch keine wirklich fundiertere Einschätzung abzugeben traut. Ob die neue Variante sich wirklich in den Infektionszahlen stärker auswirkt, werde man vermutlich erst in mehreren Wochen sehen. "Momentan haben wir aber so und so alle Hände voll zu tun, Delta unter Kontrolle zu bekommen", betonte der Wissenschafter.

(APA)

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