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Ein Leben im Palast von Hohenems: Zu Besuch bei der Familie Waldburg-Zeil

Hohenems - Gut 450 Jahre alt ist der Palast in Hohenems, bewohnt ist er bis heute von der Familie Waldburg-Zeil. Nach dem Generationenwechsel hin zu Franz-Clemens und Stephanie wollen diese den Palast weiter öffnen.
Im Palast von Hohenems

Eine Jahreszahl auf der Decke eines Zimmers im zweiten Stock verrät das Alter des Palastes: 1565. Damals entstand der Teil des Palastes, der der Straße zugewandt ist. Die beiden Seitenflügel entstanden im 17. Jahrhundert. Damals war die Reichsfestung Altems den Herren von Ems trotz Renovierung nicht mehr repräsentativ genug, ein Palast musste her.

Bedeutendster Renaissancebau Westösterreichs

Denn die Reichsritter von Ems hatten sich stark verbessert. Sie kämpften im 16. Jahrhundert gemeinsam mit den Waldburgs und den Mailänder Medicis in Norditalien. Durch eine Heirat mit den Medicis gewann man stark an Einfluss, es folgte die Erhebung in den Grafenstand. Graf Jakob Hannibal I. wurde General der päpstlichen Truppen des Medici-Papstes Pius IV. Sein Bruder Markus Sittikus Kardinal und Bischof von Konstanz. Er gab auch den neuen Herrschaftssitz der Familie in Auftrag. Beauftragt mit den Planungen wurde der italienische Baumeister Martino Longhi – und der Hohenemser Palast somit zum einzigen Renaissance-Bau italienischen Stils nördlich der Alpen.

Drei Generationen unter einem Dach

»Die Privatbibliothek im Palast Hohenems #theta360 #theta360de – Spherical Image – RICOH THETA«
Bis heute ist der Palast bewohnt von der Familie Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems (Mehr zur Geschichte der Herren von Ems in der
Geschichte Vorarlberg-Serie mit Alois Niederstätter
). Drei Generationen teilen sich den überwiegenden Teil des ersten Stocks des dreigeschossigen Palastbaus, und zwar alles andere als abgeschottet. Bereits vor gut 30 Jahren öffnete das Familienoberhaupt Franz-Josef, ein Urenkel des gleichnamigen Kaisers, das Schloss für die Öffentlichkeit.

Der Rittersaal im Palast als Veranstaltungsort

»Rittersaal Palast Hohenems #theta360 #theta360de – Spherical Image – RICOH THETA«

Seit 1998 ist im Westflügel unter dem Rittersaal die Palast Gastronomie angesiedelt. Seitdem dient der Rittersaal (oben) als Veranstaltungsort regelmäßig für öffentliche Veranstaltungen. Die Saaldecke ist noch im Originalzustand und damit 400 Jahre alt. Inzwischen hat dessen Sohn Franz-Clemens und seine Frau Stephanie die Leitung des Palasts übernommen – und bleiben der Linie treu.

Trauungen im blauen Salon

»Der blaue Salon für Trauungen im Palast Hohenems #theta360 #theta360de – Spherical Image – RICOH THETA«
Künftig können die Salons rund um den bereits länger der Öffentlichkeit zugänglichen Rittersaal für standesamtliche Trauungen verwendet werden. Den Anfang macht der blaue Salon, der rote Salon wird noch umgebaut. Auch sonst will die ehemals gräfliche Familie mehr Veranstaltungen in den Palast locken. Gleichzeitig wird der Palast weiterhin als Familienwohnsitz dienen.

Ein kostspieliger Wohnort

»Der Gang im ersten Stockwerk des Palastes in Hohenems #theta360 #theta360de – Spherical Image – RICOH THETA«

Die Hoffnung der Familie ist, dass sich der Palast über die Veranstaltungen künftig selbst erhalten kann. Denn der Unterhalt des Palastes ist kostspielig, die ehemalige Grafschaft zusammengeschrumpft. Franz-Clemens und seine Familie wollen daher den verbliebenen Familienbesitz stärker nutzen. Derzeit entsteht über den familieneigenen Forst eine Forstschule, man verkauft Bärlauch und legt einen Weinberg an. Hinzu kommt die Arbeit als Restaurator, spezialisiert auf den Erhalt des original verwendeten Holzes.

Das zweite Stockwerk voller Geschichte

»Der Gang im zweiten Stock des Palasts mit der Rennaissancedecke #theta360 #theta360de – Spherical Image – RICOH THETA«
Doch auch abseits der Veranstaltungen ist der Palast für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Familie bietet Führungen durch das Schloss an. Vor allem der unbewohnte zweite Stock bietet Einblicke in die Geschichte des Hauses und der Familie. So verfügte das Schloss von Anfang an über für damalige Verhältnisse moderne Sanitäranlagen, selbst für die Dienerschaft. Auch hinter den niedrigen Stufen der Treppen stehe ein Konzept. So war es möglich, das für die vielen Kamine notwendige Holz schonend per Lastesel bis zu den Zimmern zu bringen.

Einzigartige Schlitten und ein vergessenes Fresko

»Im Palast Hohenems #theta360 #theta360de – Spherical Image – RICOH THETA«

Die beiden Prunkschlitten im oberen Gang sind so alt wie das Schloss und weltweit einzigartig. Sie dienten in der Fasnat als Kutschen des Herrscherpaars: Der Steinbock für den Grafen, die Schnecke (als Glückssymbol) für die Gräfin. Ein weiterer Schatz wurde erst vor wenigen Jahren ebenfalls im zweiten Stock freigelegt. Ein Wandfresko zeigt die Schlacht von Pavia 1525 während des dreißigjährigen Kriegs. Hier nahm ein siegreiches kaiserliches Heer den französischen König gefangen und stellte den Beginn des internationalen Aufstiegs der beteiligten Herren von Ems dar. Nur die Bibliothek, in der die Nibelungensaga entdeckt wurde, ist der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

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