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Ein Job mit viel Feingefühl

Fingerspitzengefühl ist beim Case Management gefragt.
Fingerspitzengefühl ist beim Case Management gefragt. ©Robert Kneschke - stock.adobe.com
Case Management hilft, passende Lö­sungen für das Leben zu Hause zu finden.
Monetäres Pflege-Einmaleins

Das Case Management steht für umfassende Informationen über Betreuung und Pflege im Land. 20 Einrichtungen bzw. deren Mitarbeiter helfen, individuell und gemeinsam mit Krankenpflegevereinen, MoHi, Vorarlberger Betreuungspool, Ärzten, Krankenhäusern und Behörden bedarfsorientiert ein Versorgungspaket zu planen und umzusetzen. Wie das funktioniert, darüber spricht Sonja Kellmann, Teamleiterin des Case Managements der Stadt Dornbirn, im VN-Interview.

Welches Aufgabengebiet umfasst Case Management?

Sonja Kellmann: Wir erbringen keine direkten Leistungen im Bereich Pflege und Betreuung. Wir sind vor allem beratend und begleitend tätig und erarbeiten Lösungen im Sinne unserer Klienten. Dabei achten wir darauf, was diese noch selbst erledigen können. Der Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist uns dabei wichtig. Wir fordern aber auch die Eigenverantwortung der Betroffenen bzw. der Angehörigen mit ein.

Wie läuft der Prozess ab?

Wir werden entweder vom Klienten selbst, von seinen Angehörigen, von der Bevölkerung oder von einem unserer Systempartner wie Hausarzt oder Krankenpflegeverein kontaktiert. In einem Beratungsgespräch, im Büro oder beim Klienten zu Hause, klären wir ab, was der Klient benötigt, welche Möglichkeiten und Ressourcen vorhanden sind. Nach der Bestandsaufnahme unterstützen wir bei der Planung und Organisation der Hilfsangebote. Nachdem die Hilfe organisiert ist, bleiben wir am Fall dran.

Ihr Aufgabengebiet verlangt ja sehr viel Fingerspitzengefühl?

Ja, die Aufgabe ist sehr sensibel und komplex. Unser Aufgabengebiet betrifft sehr persönliche Bereiche. Zum einen geht es um die eigene Gesundheit und damit auch verbunden um Tätigkeiten, die unser Klient nicht mehr ausführen kann. Und zum anderen geht es um die finanzielle Situation des Klienten. Natürlich bekommen wir auch Einblick in innerfamiliäre Strukturen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie?

Ganz wichtig ist die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten und die des Klienten. Ohne diese Bereitschaft können wir nichts ausrichten. Dann müssen wir die unterschiedlichen Ansichten und das Empfinden aller Beteiligten unter einen Hut bringen. Wir müssen mit viel Feingefühl an jeden Fall herangehen. Vor strukturellen Herausforderungen stehen wir ebenfalls. Derzeit stehen beispielsweise nicht ausreichend Pflegeheimplätze zur Verfügung. In finanzieller Hinsicht ergeben sich dann auch weitere Fragen, wenn ein Pflegegeldantrag z. B. länger in Bearbeitung ist, das Geld aber dringend benötigt wird.

Welche Eigenschaften müssen Sie für Ihre Arbeit mitbringen?

Die Sachlichkeit auf der rechtlichen als auch auf der pflegerischen Ebene. Man muss ruhig bleiben und diese Ruhe auch gegenüber dem Klienten ausstrahlen. Neben dem Fingerspitzengefühl benötigen wir viel Geduld und müssen Empathie sowie Verständnis mitbringen. Es findet sich immer eine Lösung. Und wichtig ist es auch, einen Ausgleich im Privatleben zu haben.

ZUR PERSON

DGKS SONJA KELLMANN diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin seit 2007, zertifizierte Case Managerin seit 2016
GEBOREN 9. Dezember 1986
WOHNORT Lustenau

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