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Deutschland strebt EU-Skiurlaubsverbot bis 10. Jänner an

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Angesichts der Corona-Krise wollen Bund und Länder in Deutschland eine abgestimmte europäische Regelung erreichen, um Skitourismus bis Anfang Jänner zu unterbinden.
Wirbel um Ski-Verbots-Diskussion
Italien will Skifahr-Verbot bis Jänner

"Die Bundesregierung wird gebeten, auf europäischer Ebene darauf hinzuwirken, dass bis zum 10. Jänner Skitourismus nicht zugelassen wird", hieß es am Mittwoch nach einem Gipfel-Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) appellierte an die Bevölkerung, Skiurlaube in diesem Jahr zu unterlassen. Diese Art von Tourismus "konterkariere alle Bemühungen der Bevölkerung", das Virus zu bekämpfen, sagte Söder am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Markus Lanz - Das Jahr 2020".

Bisher keine europäische Einigung

Auf ein Verbot von Skigebieten habe man sich bisher auf europäischer Ebene nicht verständigen können. Möglich sei aber eine Reduzierung der Angebote, sagte Söder. Wenn sich die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Pandemie so weiterentwickele, wären es "6000 Tote bis Weihnachten", rechnete Söder vor. Deshalb bleibe er bei seiner Linie "von Umsicht und Vorsicht". Mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Pandemie sagte der CSU-Chef: "Ich hätte mir gewünscht, ich hätte mich geirrt."

Italien zeigt sich besorgt

Unterdessen haben auch die Auslandskommissionen des Nationalrats in Wien und der Abgeordnetenkammer in Rom im Rahmen einer Videokonferenz das umstrittene Thema des von Italien geforderten Verbots für Skiurlaub besprochen. Der Präsident der italienischen Auslandskommission, Piero Fassino, erklärte sich wegen der unterschiedlichen Position Italiens und Österreichs bezüglich der bevorstehenden Wintersaison besorgt, hieß es in einer Presseaussendung am Mittwoch.

Fassino äußerte die Hoffnung, dass es zu einer Harmonisierung der Regeln für die Wintersaison auf europäischer Ebene komme. Die Parlamentarier beider Länder hoben die Notwendigkeit hervor, einheitliche Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie auf EU-Ebene einzuführen.

Kurz gegen länderübergreifende spätere Öffnung

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz lehnte am Mittwoch eine länderübergreifend spätere Öffnung der Wintersportgebiete in der Coronakrise ab. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Kurz bei einer Pressekonferenz in Wien. "Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich." Österreich setzt darauf, mit Lockdown und Massentests die Corona-Zahlen im Dezember zu senken.

Österreich wehrt sich gegen Skiurlaubsverbot:

"Ich kann Ihnen nur sagen, wenn jemand alleine laufen geht im Moment, dann ist das ähnlich gefährlich, wie wenn jemand alleine eine Skitour geht", so Kurz. "Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen."

Dass es internationale Abstimmungen dazu gebe, sei "übertrieben", sagte Kurz. Einige Länder hätten lediglich einen Wunsch geäußert. "Ich hab sowohl mit dem Kommissionspräsidenten als auch dem Ratspräsidenten darüber gesprochen und ich hatte da den Eindruck, dass die Europäische Union jetzt nicht die Aufgabe sieht, hier Details für gewisse Länder vorzugeben."

Tourismusforscher Siller zum angedachten Skiurlaubsverbot:

Vorarlberg will Wintersaison nicht absagen

Die Vorarlberger Landesräte Christian Gantner (Tourismus) und Marco Tittler (Wirtschaft, beide ÖVP) sprechen sich klar gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete aus. "Eine Wintersaison wird es geben, wenn auch eine andere", erklärten sie am Mittwoch in einer Aussendung. Die Öffnung der Skigebiete hänge von den Infektionszahlen ab, so Gantner, es sei daher zu früh, sich für Schließungen auszusprechen. Eine Entscheidung könne zudem nur österreichweit fallen.

Die Schließungs-Forderungen aus Italien und Bayern seien jetzt "die völlig falsche Botschaft", so Gantner und Tittler: "Vorarlberg sagt den Winter sicher nicht ab." Der Vorarlberger Tourismus habe im Sommer gezeigt, dass "sichere Gastfreundschaft" möglich sei. Gantner verwies auf den "Winterkodex Vorarlberg. Sicher ein guter Winter", eine landesweit koordinierte und einheitliche Strategie, die Gästen und Beschäftigten größtmögliche Sicherheit bieten soll. Vorarlberg habe als erstes und bisher einziges Bundesland nach den Winterregeln des Bundes eine umfassende touristische Strategie für die Wintersaison 2020/2021 vorgelegt, die teilweise sogar über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehe. Vertrauen und Sicherheit seien "die neue Währung" dieses Winters.

Kein Vorarlberger Alleingang

Die Entscheidung über eine Schließung hänge von den Infektionszahlen ab und dürfe keinesfalls "leichtfertig aus dem Bauch heraus" getroffen werden, warnte der Tourismuslandesrat. Einen Alleingang Vorarlbergs werde es aber nicht geben: "So eine Entscheidung kann nur österreichweit fallen." Er sei für die kommende Wintersaison "nach wie vor optimistisch".

In den Tourismusregionen seien auch zahlreiche Betriebe indirekt auf eine Wintersaison angewiesen, erklärte Tittler. Deshalb sei die Reduktion der Infektionszahlen "eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen".

(APA/ag.)

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