Der rasante Zerfall eines "Wintermeisters"

Altach-Trainer Edi Stöhr und Maskottchen King Reini haben derzeit nicht viel zu lachen.
Altach-Trainer Edi Stöhr und Maskottchen King Reini haben derzeit nicht viel zu lachen. ©Stipovsek
VN-Redakteur Christian Adam über die Gründe des Absturzes von Wintermeister SCR Altach.
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Erste Liga: Die Tabelle

Altachs sportlich rasanter Absturz gipfelte am Freitag in Wolfsberg in einem handfesten Streit zwischen Thorsten Schick und Daniel Schöpf. Sinnbildlich für das zerrüttete Nervenkostüm einer Mannschaft, die mit dem Anspruch, den Titel in die Cashpoint-Arena zu bringen, in die Meisterschaft gestartet ist. Dabei ist es nicht einmal allein der – durchaus nachvollziehbare – Ausbruch der Emotionen, als vielmehr der sichtbare Zerfall des Wintermeisters, der den Verantwortlichen zu denken geben muss. Mit einem Trainerwechsel wollte der Verein dem Abwärtstrend gegensteuern, doch die Bilanz von „Feuerwehrmann“ Edi Stöhr liest sich ernüchternd. Vier Spiele, ein glücklicher Sieg gegen Schlusslicht Hartberg und drei Niederlagen – gegen die direkten Titel-Mitkonkurrenten. Schon daraus leitet sich die aus Altacher Sicht bittere Erkenntnis ab: Diese SCRA-Mannschaft hat sich den Titel wahrlich nicht verdient. Weil auch die Klubführung nach anfänglich stolz verkündeter Titeljagd Hand in Hand mit dem sportlichen Absturz auf Tauchstation ging, greift nun Ratlosigkeit um sich. Es scheint, als habe der derzeit in Vorarlberg vorherrschende Föhnsturm die „Bundesligaluft über der Cashpoint-Arena“ (Zitat Edi Stöhr) endgültig vertrieben. Dass mit dem Scheitern seiner Mission auch sein Job in Gefahr geraten wird, weiß der erfahrene Deutsche nur zu gut. Selbst der zumindest öffentlich verkündete Eineinhalb-Jahresvertrag wird ihm da keine Sicherheit geben.

Erste Fehler vor Saisonstart

Schon jetzt ist gewiss, dass es – in Bezug auf Punkte – für Altach die schlechteste Saison nach dem Wiederaufstieg in die zweithöchste Spielklasse werden wird. Damals holte man als Aufsteiger 41 Punkte. Es folgten die Meistersaison mit 68 Zählern, das Abstiegsjahr (66) und die Rekordsaison (74). Heuer werden im besten Falle 64 Zähler auf der Habensei- te stehen. Kein Wunder nach dem Horror-Früh- jahr, in dem man auf dem Spielfeld wie ein Abstiegskandidat auftritt und zumeist nur durch unkontrollierte Tritte gegen den Gegner auffällt. Den Beweis erbringt die Fairnesstabelle, in der man mit großem Abstand Letzter ist. Mit der Spielkultur ist den Rheindörflern auch das Selbstvertrauen völlig abhandengekommen. Die Fehler dafür aber nur im Frühjahr zu suchen, wäre zu einfach. Der Ursprung des derzeitigen Problems ist mit Sicherheit in der Sommerpause 2011 zu finden. Nach einer beeindruckenden Saison wurden elf (!) Spieler ausgewechselt und in puncto neue ließ man sich durch Namen blenden. Extrainer Adi Hütter nannte es die Suche nach „Siegertypen“. Dass es für eine in sich funktionierende Mannschaft aber mehr bedarf als nur elf Akteure auf das Spielfeld zu schicken, wurde schnell klar. Der Teamgeist hat gefehlt. Dabei kann den Spielern der Wille gar nicht abgesprochen werden, in puncto meisterlichem Zusammenhalt beschränkt es sich aber zumeist auf einzelne Gruppierungen. Zu wenig, wie sich herausstellte. So gesehen war es sogar ein Fehler, dass anfangs die Ergebnisse die wahren Problemzonen überdeckt haben. Nach drei Niederlagen in Folge – das gab es in Altach in der Erste Liga zuletzt im Herbst 2005 – darf jedoch nichts mehr beschönigt werden. Auf den Punkt gebracht heißt es: Offensiv zu wenig, in der Defensive zu viele dumme Fehler, und zwischenmenschlich tiefe Gräben. Hütter muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die teaminterne Situation nicht erkannt zu haben, sein Nachfolger Stöhr vermochte diesbezüglich nicht mehr bereinigend einzugreifen.

Das Fehlen einer klaren Linie

Auffallend auch das Fehlen einer klaren Linie. Es begann mit der Degradierung von Kapitän Alex Guem zum „Mitläufer“, um den 35-Jährigen wenig später in die Stammformation zurückzuholen. Wahrlich keine kluge Entscheidung, weiß man doch, welchen Stellenwert Guem bei den Fans hat und mit welcher Leidenschaft er sich für den Klub aufopfert. Auch der Umgang mit Petr Vorisek (33) und Hannes Eder (28) darf als nicht geglückt betrachtet werden. Erst spielten sie, dann waren sie weg vom Fenster und Letzterer zum Sündenbock gestempelt. Unabhängig von ihren Leistungen ist ein solcher Zickzackkurs nicht nachvollziehbar. Oder Mirnel Sadovic, dessen Option im Herbst gezogen wurde, obwohl der 27-Jährige bei seinen zehn Auftritten davor nie zu überzeugen wusste.

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