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"Der Bär hat uns angestarrt"

W&W traf sich mit Tobias (20) und Mathias (21) an der Karrenseilbahn-Talstation.
W&W traf sich mit Tobias (20) und Mathias (21) an der Karrenseilbahn-Talstation. ©W & W
Mathias (21) aus Dornbirn und Tobias (20) aus Koblach sollen am Karren einen Bär gesichtet haben. W&W traf sich mit den beiden und sprach mit Experten.
So reagiert man auf Bären richtig
Mögliche Bärensichtung am Karren

„Mathias und ich sind mit unseren Bikes auf den Karren gefahren. Auf dem Weg nach unten wollten wir den steilsten Hang umfahren und sind nach etwa hundert Metern in der Kurve links Richtung Wanderweg abgebogen“, erzählt Tobias aus Koblach. Der Wanderweg sei aber so steil und rutschig gewesen, dass die Sportler nach etwa dreißig Metern versucht haben, durch den Wald auf die Kiesstraße hinunter zu kommen. „Wir sind in den Wald hineingelaufen – das Mountainbike haben wir getragen – bis wir eine Mulde im Wald bemerkt haben. Kurz darauf haben wir ein lautes Knistern zwischen den Ästen gehört. Wir dachten es wäre ein Fuchs oder Reh, doch es musste ein größeres Tier gewesen sein“, so Mathias.

Laute Geräusche

Als die beiden ein paar Schritte weiter gingen, wurde das unheimliche Geräusch immer lauter: „Tobi hat den Hang hinunter geschaut, ich habe mich umgedreht und ein riesiges Tier vorbeilaufen gesehen – erst ein paar Sekunden später habe ich realisiert, dass keine zwanzig Meter weiter ein Bär im Wald stand!“ Ganz perplex hat Mathias den Bären angesehen und Tobias darauf aufmerksam gemacht. „Er hat sich umgedreht und einfach nichts gesagt. Er lief komplett weiß an, so etwas habe ich noch nie gesehen. Der Bär hat uns direkt in die Augen gestarrt!“

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„Panische Angst“

Der Bär verschwand dann ganz langsam hinter einem Baum – den Sportlern lief es eiskalt den Rücken hinunter. „Wir haben wirklich panische Angst bekommen und wollten einfach nur noch weit weg! Auf dem schnellsten Weg sind wir dann wieder Richtung Kiesstraße gelaufen“, schildert Tobias die Situation am Karren.

„Wollten die Menschen nur sensibilisieren“

„Wir dachten, wir wären verrückt. Das würde uns niemals jemand glauben“, erzählt Mathias. Er und Tobias sind kurz darauf zur Polizei – diese hat sie dann an Hubert Schatz verwiesen. Zusammen mit ihm und einem weiteren Förster ist Tobias am nächsten Tag nochmals zu dieser Stelle gefahren, um die Spuren zu begutachten. Mathias hat am Sonntag dann auch einen Facebook-Post veröffentlicht, um die Menschen zu sensibilisieren. „Für mich ist ganz wichtig, dass die Vorarlberger verstehen, warum ich das veröffentlicht habe. Wir wollten niemals eine Hetzjagd auf den Bären machen! Ich finde nur, dass man die Bevölkerung auf die Sichtung aufmerksam machen sollte. Wir haben das wilde Tier nicht weit vom Wanderweg gesehen, man sollte schon vorsichtig sein. Auch wenn ich persönlich nicht glaube, dass er gefährlich ist. Denn der Bär hat uns gesehen, wahrgenommen und ist einfach wieder weggelaufen.“

Drei Fragen an Klaus Zimmermann von der Inatura

In welchem Radius bewegt sich ein Bär?

„Ein ausgewachsener Bär legt große Strecken zurück. Die Tiere bewegen sich in einem Radius von 100 Quadratkilometern. Ein Bär zieht bei uns aber höchstens durch, eine dauerhafte Ansiedlung ist sehr unwahrscheinlich.“

Ist ein Bär am Karren möglich?

„Es ist nicht auszuschließen. Ich war im Gebiet – es gibt leider kaum Hinweise, den Abdruck zu deuten ist schwierig. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein solches Tier bei uns durchzieht, ohne dass er bemerkt wurde.“

Ist ein Bär gefährlich für Menschen?

„Nein, nicht wenn man sich gegenüber Wildtieren richtig verhält. Sie sind scheu und Einzelgänger – ein Bär sucht das Weite, wenn er Menschen begegnet. Man sollte aber auf sich aufmerksam machen, damit er nicht erschrickt.“

Im Video: Helmut Schatz, Wildökologe

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