Blutspende und Covid-Impfung: Faktencheck mit dem Roten Kreuz

Rund um das Thema Blutspenden und Covid-Impfun kursieren einige Mythen.
Rund um das Thema Blutspenden und Covid-Impfun kursieren einige Mythen. ©Symbolbilder: VOL.AT/Sams, Rotes Kreuz
Derzeit kursieren einige Mythen zum Thema Coronaimpfung und Blutspende in diversen Social Media-Kanälen. Das Rote Kreuz klärt auf.
Antikörper: Studie zu Blutspenden
Sondersendung zum Thema Impfen

Zum Thema Blutspende und Covid-Impfung kursieren derzeit in einschlägigen Telegram- und Facebook-Gruppen einige Mythen und Behauptungen. So wird etwa behauptet, dass, da rechtlich kein Anspruch auf Blut von Ungeimpften bestehe, jeder, der Blutkonserven brauche, automatisch intravenös die Impfung bekomme. Das Rote Kreuz Vorarlberg als Träger des Blutspendedienstes beantwortet in einem Faktencheck die wichtigsten Fragen zum Thema.

Werden vor einer Blutspende die Menschen auf Corona getestet?

Nach derzeitigem Wissensstand gibt es keine Hinweise darauf, dass Covid-19 über Bluttransfusionen verbreitet werden könnte. Eine Testung des Blutes ist deshalb nicht sinnvoll. Die Sicherheit von Blutkonserven ist durch den Erreger SARS-CoV-2 nicht beeinträchtigt, Blutkonserven sind weiterhin ein extrem sicheres Arzneimittel.

Wie lange muss nach einer Coronaschutzimpfung vor einer Blutspende pausiert werden?

Die Wartefrist ist bei allen derzeit in Österreich zugelassenen Covid-19-Impfstoffen gleich lang und beträgt 48 Stunden – vorausgesetzt, es sind keine Impfreaktionen aufgetreten. Schmerzen im Bereich der Impfstelle sind davon ausgenommen.

Das Rote Kreuz ist Träger des Blutspendedienstes. Symbolbild: APA/dpa

Falls Impfreaktionen wie Fieber auftreten, wie lange dann und warum?

Die Wartefristen bei Reaktionen nach der Coronaschutzimpfung sind unabhängig vom verabreichten Impfstoff. Wenn Fieber innerhalb von 24 Stunden nach der Impfung aufgetreten ist, maximal 48 Stunden gedauert hat und somit eindeutig impfassoziiert ist, sollte man eine Woche fieberfrei sein bevor man Blut spendet. Die Wartefrist dient zur Regeneration für den Spender.

Dauert das Fieber länger an, ist es fraglich, ob dies als Impfreaktion zu bewerten ist oder vielleicht zeitgleich ein Infekt aufgetreten ist, dann wird die Wartezeit auf 2 Wochen verlängert. Besteht der Verdacht auf einen Infekt, so ist dies immer mit einer Rückstellung von der Spende zur Vermeidung von Übertragung von Krankheitserregern verbunden.

Karenzfristen bei Reaktionen nach Coronaschutzimpfung:

  • Schmerzen im Bereich der Impfstelle können sein → Karenzfrist nach Impfung 48 Stunde
  • Rötung/Schwellung → Karenzfrist bis vorüber, mehr als 48 Stunden
  • Fieber < 38° → Karenzfrist 14 Tage
  • Fieber > 38° → Karenzfrist 28 Tage
Verändert sich das Blut durch die Covid-Impfung? Symbolbild: VOL.AT/Sams

Wie verändert sich das Blut nach einer Impfung?

Durch die Impfung wird den Zellen im Muskelgewebe in Form einer mRNA (messenger-RNA bzw. Boten-RNA) nur die Information für die Herstellung einzelner Antigene übertragen. Ähnlich der Infektion mit einem Virus, beginnt die Zelle nach dem Bauplan der mRNA mit der Produktion von Proteinen, die als Antigene dem Immunsystem präsentiert werden und eine Immunantwort in Form einer Antikörperbildung auslösen. Die gebildeten Antikörper sowie auch im Zuge der Immunantwort generierte T-Zellen befinden sich in der  Blutbahn.

Nebenwirkungen nach der Impfung können auch erst Monate später auftreten. Kann man deshalb mit 100-prozentiger Gewissheit sagen, dass Corona-geimpfte Menschen wirklich Blut spenden sollen?

Bei Impfstoffen generell ist für deren Zulassung gefordert, dass der positive Nutzen das bestehende Risiko der zu erwartenden Nebenwirkungen bei weitem überwiegt. Das positive Nutzen-Risikoverhältnis der Coronaschutzimpfstoffe ist durch den Regularien entsprechende Kriterien und weitere Überwachung durch entsprechende Daten belegt.

Der wissenschaftliche Konsens ist jedoch, dass sich langanhaltende Nebenwirkungen von Impfungen höchstwahrscheinlich bereits Wochen nach der Impfung zeigen würden. In sehr seltenen Fällen auftretende schwerwiegende Nebenwirkungen, wie etwa Thrombosen, gehen mit entsprechenden Beschwerden für den Betroffenen einher, diese Personen kommen nicht zur Blutspende.

Blutkonserven sind ein wichtiges Notfallmedikament. Symbolbild: APA

Gibt es bereits Fälle, in denen Corona-Geimpfte überhaupt nicht mehr Blut spenden können?

Daten dazu liegen nicht vor, da zur Blutspende nur gesunde Personen kommen. Viel eher muss aber davon ausgegangen werden, dass Personen, die früher Blut gespendet haben, aber nach einer Covid-Infektion an schweren Einschränkungen durch Long Covid leiden, als Blutspender zumindest temporär ausfallen.

Kann man mit Sicherheit ausschließen, dass der Empfänger einer Blutspende von einem Corona-Geimpften keine Nachteile hat?

Blut ist ein wertvolles, weil rares Medikament – es wird nicht ohne guten Grund gegeben, sondern weil durch die Unterlassung der Gabe mit schwerwiegenden körperlichen Schäden bis hin zum Tod zu rechnen ist. Das Risiko der Ablehnung von Blut für den Patienten ist mit absoluter Sicherheit größer als jedes bekannte Risiko durch dessen Gabe.

Impfstoffe werden seit mehr als 225 Jahre angewendet und weiterentwickelt. Auch Blutkonserven werden als wichtiges Notfallmedikament bereits seit Jahrhunderten angewendet. So wird von der ersten Mensch-zu-Mensch-Blutübertragung 1492 berichtet.

Es gibt daher einen enormen Erfahrungsschatz und medizinisches Wissen über den Einfluss, den Impfungen haben könnten. Daher kann davon ausgegangen werden, dass unter Einhaltung der Rückstellfristen generell kein nachteiliger Effekt durch das gespendete Blut Geimpfter auftritt.

Eine Aufnahme aus einem Vorarlberger Impfzentrum. Symbolbild: VOL.AT/Paulitsch

Was passiert, wenn eine ungeimpfte von einer geimpften Person eine Spende erhält?

Es ist davon auszugehen, dass dies das Leben der empfangenden Person rettet, verlängert oder schwere Krankheitsverläufe und Leiden lindert, wie es bei jeder Gabe von Blutprodukten der Fall sein sollte.

In einer Blutkonserve – dies ist ein Konzentrat von roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff im Körper von der Lunge zu den Organen bringen, - befindet sich eine geringe Menge an Blutplasma, jener Blutflüssigkeit, in der sich ein geringer Teil der Antikörper von Geimpften befinden. Diese Menge an Antikörpern in einer Blutkonserve würden aber vor einer Corona-Infektion nicht schützen können.

Für schwerkranke Covid-19-Patient:innen stehen daher zur Therapie auch reine Blutplasmaspenden von Genesenen, die einen hohen Antikörperanteil aufweisen, zur Verfügung.

Gab es schon irgendwelche Komplikationen?

Jede unerwünschte Reaktion im Rahmen der Gabe von Blutprodukten oder auch nur vermutete Qualitätsmangel im Rahmen der Gewinnung und Herstellung muss gesetzlich gemeldet werden (Hämovigilanzverordnung). Uns liegen keine diesbezüglichen Berichte vor.

Was hat es für Auswirkungen, wenn eine Corona-geimpfte Person eine Blutspende von einer anderen geimpften Person erhält, die einen anderen Impfstoff gewählt hat?

In dieser Situation sind keinerlei Auswirkungen zu erwarten, sowie die auch nicht zu erwarten ist, sollte ein Blutspender genesen und geimpft sein.

Eine Person bei der Blutspende. Symbolbild: AP Photo

Ist auf den Blutreserven vermerkt, ob das Blut von geimpften oder ungeimpften Personen kommt?

Dies ist weder gesetzlich gefordert noch von medizinischer Bedeutung. Für alle Medikamente werden entsprechende Rückstellfristen definiert. Sind diese eingehalten, kann eine Blutspende erfolgen. Nach Impfungen gibt es vorgegebene Wartefristen, bis eine Blutspende wieder möglich ist. Diese beträgt nach einer Impfung mit einem Totimpfstoff zwei Tage, nach der Impfung mit einem Lebendimpfstoff vier Wochen. Ein Vermerk wer VOR dieser Wartefrist eine Impfung erhalten hat erfolgt nicht, VOR Ablauf der Wartefrist ist eine Blutspende nicht möglich.

Haben etwa Chirurgen die Möglichkeit, solch eine Information einzuholen?

Die Entscheidung zur Zulassung erfolgt durch das im Blutspendedienst verantwortliche und geschulte Personal. Die Auswahl erfolgt nach strengen Kriterien, die in der Blutspenderverordnung festgelegt und nachlesbar sind. Die Beurteilung der Qualität der Blutprodukte ist eine transfusionsmedizinische Fragestellung. Die Personendaten per se sowie auch weitere Informationen zu den Spender:innen unterliegen dem Datenschutz.

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(VOL.AT)

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