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Bludenz: Wie es ist, in der Südtiroler Siedlung zu leben

Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Wie es sich in der Bludenzer Südtiroler Siedlung wohnt und was Bewohner sich von der Modernisierung wünschen würden.
Pläne für die Südtiroler Siedlung

Die Südtiroler Siedlung in Bludenz wird modernisiert. Bei der Planung steht Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt. In einem mehrstufigen Prozess werden gemeinsam mit Bewohnern und Interessierten konkrete Ideen entwickelt. Doch wie lebt es sich in der Südtiroler Siedlung und was würden sich die Bewohner wünschen? VOL.AT war vor Ort.

"Was will man noch mehr"

Sascha Simoni wohnt mit kurzen Unterbrechungen seit insgesamt 50 Jahren in der Südtiroler Siedlung. Er hat sich seine Wohnung selbst gemütlich hergerichtet. "Ich habe ein schönes Bad gebaut. Ich habe einen schönen Garten hinten. Was will man noch mehr im Leben", meint der 53-jährige. Auch die Leute in der Siedlung seien sehr sozial eingestellt, die Lage sei ruhig. Er ist mittlerweile in Invaliditätspension. Seine Wohnung heizt er gerne selber mit dem Schwedenofen. Die zehn Kilo an Heizmaterial trägt er die Treppe hoch, mehr würde er nicht mehr schaffen. "Die Mieten sind auch dementsprechend ertragbar", meint er. Was er sich von der Modernisierung erhoffe? "Noch länger dort bleiben, wo ich bin", meint Simoni. Ausziehen käme für ihn gesundheitlich nicht infrage. "Das haben auch drei Ärzte bestätigt", verdeutlicht er.

Sascha Simoni in seiner Wohnung. Bild: VOL.AT/Mayer

"Wohnung in Ordnung"

Franko Andreatta ist Wirt des "Café Meran" und wohnt selbst seit rund zehn Jahren in der Siedlung. "Da wo ich wohne, in der Gegend, sind gute Leute, ruhige Leute", meint er. Die Bewohner hätten sich über die Jahre verändert: "Südtiroler gibt es keine mehr, das hat sich alles komplett vermischt", erklärt der Gastwirt. Auch, wenn es schon das ein oder andere gegeben habe, was nicht gepasst habe, lebe man im Großen und Ganzen schön. "Ich habe auch Glück gehabt", so Andreatta. "Bei mir ist die Wohnung in Ordnung." Zu den Fenstern ziehe es allerdings etwas herein, auch die Außenwände seien nicht ideal. "Aber wenn man so einen Preis hat, den man zahlen muss, kann man auch nicht alles verlangen", meint er. Er heize mit Holz, dass er teils von der Stadt bekomme und teils selber beschaffe.

Franko Andreatta vor "seinem" Café Meran. Bild: VOL.AT/Mayer

"Ich möchte nicht weg"

"Ich wohne jetzt schon 48 Jahre da", erzählt Annemarie Aigner (82). "So ist es schön, ich möchte nicht weg." Das Dumme an ihrer Wohnung sei die Heizung. "Ich heize mit dem Kachelofen", meint die Seniorin. Das Bad musste sie bereits vor einigen Jahren selber umbauen, als sie und ihre Tochter ihren Ehemann pflegten. Die Barrierefreiheit sei generell das Problem bei den alten Wohnungen, meint auch ihre Tochter Alexandra Bandl (53). Innen wie außen gebe es Probleme mit Rollstühlen. Bandl ist ein echtes "Siedlungskind": sie wuchs in der Südtiroler Siedlung auf und lebt auch wieder dort.

Annemarie Aigner mit ihrer Tochter Alexandra Bandl. Bild: VOL.AT/Mayer

Isolationen und Co. veraltet

Doch nicht alles ist rosig: "Es gibt Wohnungen, die extremen Schimmel haben", verdeutlicht sie. Isolationen, Fenster, Heizung und zum Teil auch die Installationen seien veraltet. Trotzdem sind sich Mutter und Tochter einig, dass es schade um die Siedlung wäre. Man lebe am wahrscheinlich schönsten und sonnigster Fleck in Bludenz. Mehr für Kinder wäre laut Bandl gut - auch für die Sicherheit im Straßenverkehr. "Wenn man das alles berücksichtigt ist das sicher toll", meint die 53-jährige. Wegziehen wär für sie und ihre Mutter keine Option. Bandl lebte über 12 Jahre in der Stadt. Was ihr dort gefehlt habe, sei das soziale Miteinander in der Siedlung.

(VOL.AT)

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