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Anschlag in Wien: Österreichs Polizei war vor Terrorist Kujtim F. gewarnt

"Die slowakische Polizei erhielt im Sommer die Information, dass verdächtige Personen aus Österreich versuchten, in der Slowakei Munition zu kaufen."
"Die slowakische Polizei erhielt im Sommer die Information, dass verdächtige Personen aus Österreich versuchten, in der Slowakei Munition zu kaufen." ©APA
Die Slowakei hatte Österreich gewarnt: Wien-Attentäter Kujtim F. war der dortigen Polizei bei einem versuchten Munitionskauf aufgefallen. Diese Information wurde Österreichs Polizei unverzüglich weitergegeben.
Zwei Schweizer in Winterthur verhaftet

Wie die slowakische Polizei am Mittwoch in einem Facebook-Posting bestätigte, soll der 20-Jährige im Sommer versucht haben, dort Munition zu kaufen. Der Versuch sei gescheitert. Unmittelbar danach wurden aber laut der slowakischen Polizei die österreichischen Kollegen informiert. Das erklärte eine Polizeisprecherin am Mittwoch dem TV-Nachrichtensender TA3. Weitere Angaben wolle man nicht machen, um die Ermittlungen in Österreich nicht zu gefährden.

"Die slowakische Polizei erhielt im Sommer die Information, dass verdächtige Personen aus Österreich versuchten, in der Slowakei Munition zu kaufen. Es gelang ihnen aber nicht, den Kauf zu realisieren." Die Information sei unverzüglich der Polizei in Österreich übermittelt worden.

Zur Erläuterung hieß es:

In den vergangenen Jahren wurden wiederholt Waffen mit slowakischen Registriernummern bei Terroranschlägen und anderen Straftaten in Europa verwendet. Auch die deutsche Polizei fand bei Razzien im vergangenen Jahr illegale Waffen slowakischen Ursprungs. Schon im Sommer 2015 verschärfte die Slowakei ihre Gesetzgebung, um den Kauf illegaler Waffen zu verhindern.

Waffenexperten erklärten der dpa jedoch, dass einerseits noch in der Slowakei gekaufte Waffen aus der Zeit davor im internationalen Schwarzhandel zirkulierten. Andererseits würden weiterhin ausländische Straftäter durch das frühere Image der Slowakei als leichter Quelle für illegale Waffen dazu verleitet, es hier wieder zu versuchen. Slowakische Medien vermuteten, dass dies auch auf den Wiener Attentäter zutreffen könnte. Am Ende sei er wohl an den nunmehr strengen Kontrollregeln gescheitert.

"Kurier": Hinweis im Oktober

Der "Kurier" berichtete am Mittwoch online, dass das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LTV) den Hinweis im Oktober erhielt. Der 20-Jährige soll bei seiner Fahrt in die Slowakei außerdem von einem weiteren Mann begleitet worden sein. Laut "Süddeutscher Zeitung" wurde für die Reise offenbar ein Auto verwendet, das auf die Mutter eines der Polizei bekannten Islamisten angemeldet ist.

Aufarbeitung nach Terroranschlag in Wien geht weiter

Die Aufarbeitung nach dem Terroranschlag in Wien Montagabend mit vier Toten und über zwanzig Verletzten ist am Mittwoch weiter fortgesetzt worden. Neben den umfangreichen Ermittlungen der Behörden traf sich die Regierung am Vormittag neuerlich zu einer Online-Sitzung des Ministerrats, der Wiener Stadtsenat zu einer Sondersitzung. Am Nachmittag plant das Innenministerium eine Pressekonferenz zum Ermittlungsstand, zudem tagt der Nationale Sicherheitsrat.

Zwei Schweizer in Winterthur verhaftet

Indes wurden weitere Details zu den Ermittlungen bekannt. Unter anderem führen Spuren des 20-jährigen Attentäters in die Schweiz, wo am Dienstag in Winterthur zwei Personen festgenommen worden waren, die in engem Kontakt mit dem Attentäter gestanden sein sollen.

Was man bisher weiß

Der Attentäter war im September 2018 in der Türkei mit einem zweiten Mann aufgegriffen, in Haft genommen und nach mehreren Monaten nach Österreich zur Übernahme der Strafverfolgung zurückgewiesen worden. In Wien wurde im Jänner 2019 über ihn die Untersuchungshaft verhängt. Am 25. April 2019 wurde der 20-Jährige in einem Terror-Prozess als IS-Sympathisant zu 22 Monaten Haft verurteilt wurde, weil er nach Syrien reisen wollte, um sich der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) anzuschließen. Am 5. Dezember 2019 erfolgte seine vorzeitige Entlassung. Hätte der 20-Jährige seine volle Strafe abgesessen, wäre er zum Anschlagszeitpunkt noch im Gefängnis gesessen. Als bisher Unbescholtener und junger Erwachsener wäre er aber ohnedies nach dem Jugendgerichtsgesetz - er war um Tatzeitpunkt noch keine 21 Jahre alt - zu behandeln gewesen und daher wohl spätestens nach Verbüßung von 2/3 der Strafe gegen Auflagen bedingt entlassen worden.

Weitere Ergebnisse am Nachmittag

Weiter beschäftigt waren die Ermittler auch mit der Auswertung des umfangreichen Videomaterials und der Prüfung eines Dienstagabend veröffentlichten Bekennerschreibens der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Ergebnisse dazu könnten dann am Nachmittag folgen, denn da plant das Innenministerium, über den Ermittlungsstand zu informieren.

Gedenken in Wien an Terroropfer: "Weichen keinen Millimeter"

Bereits am Vormittag hatte der Wiener Stadtsenat in einer Sondersitzung im Rathaus den Opfern des Terroranschlags gedacht. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) drückte dabei den Angehörigen der Getöteten sowie der Verletzen sein Mitgefühl aus. An der Gedenkveranstaltung nahmen neben dem Bürgermeister die amtsführenden und nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte, die Klubobleute, die Präsidenten des Landtags und die Vorsitzenden des Gemeinderats teil.

Großer Polizeieinsatz am Mittwoch in Wien

Für Aufregung hatte Mittwochvormittag ein größerer Polizeieinsatz im Bereich der Messe Wien in der Leopoldstadt gesorgt. Kurze Zeit später konnte dann Entwarnung gegeben werden. Warum der Einsatz ausgelöst worden war, gab die Polizei zunächst nicht bekannt.

Schüler gehen wieder in die Schule

Den Normalbetrieb hatten am Mittwoch die Wiener Schulen wieder aufgenommen, nachdem tags zuvor die Schulpflicht ausgesetzt worden war. Weiter galt - bis inklusive Donnerstag - die dreitägige "Staatstrauer".

Alle Informationen zum Anschlag in Wien

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