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Achkraftwerk spaltet Gemüter

(VN) Bregenz - Umweltlandesrat Erich Schwärzler reagierte gestern vorsichtig abwartend auf die Pläne von Illwerke Vkw, im unteren Flusslauf der Bregenzerach ein Kraftwerk zu errichten. „Wir haben im Rahmen der „Energiezukunft Vorarlberg den Wunsch geäußert, das Potenzial der erneuerbaren Energie zu erheben. Eine Möglichkeit gibt es an der Bregenzerach.“
Kraftwerkspläne an der Achmündung
"Wollen die Stimmung zu Wasserkraft nicht gefährden"
Grafik: Achkraftwerk

Für Schwärzler ist es wichtig, dass Illwerke Vkw zuerst prüfen, „ob eine Verbauung technisch überhaupt machbar ist und welche Varianten infrage kommen“. Auch die Frage der Grundwassersicherheit spiele eine ganz entscheidende Rolle. Selbstverständlich wäre ein Kraftwerk Gegenstand einer Einzelfallprüfung. „Im konkreten Fall bräuchte es auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung.“

Das dauert seine Zeit

Bis so ein Projekt spruchreif sei, dauere es „bis zu zwei Jahre. Dann können wir über einen möglichen Antrag reden.“ Wenn ökologisch verträglich, bevorzuge er die Nutzung der Wasserkraft. „Wenn wir Nein sagen zur Atomenergie, müssen wir das.“ Zur Abdeckung des Eigenbedarfs oder zum Stromverkauf ins Ausland? „Primär als Abdeckung des Eigenbedarfs.“ Bei Flusskraftwerken sei das ganz klar. „Sonst muss man neu darüber reden.“ Umweltaktivistin und Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner sieht dagegen das klare Bestreben, „unter dem Motto Energieautonomie so ziemlich alles durchzudrücken in Vorarlberg“. Die Achmündung sei europäisches Schutzgebiet. Dort ein Kraftwerk zu errichten, sieht sie als „sehr schwierig“ an: „Für mich ist das unvorstellbar.“ Naturschutzanwältin Katharina Lins hat das Kraftwerksprojekt von Illwerke Vkw gestern überrascht. Sie habe mit Vertretern des heimischen Energieversorgers mal „beiläufig gschwätzt“. Offiziell ist sie noch nicht informiert worden. Nach einem Blick auf die Grafik in der Mittwochausgabe der VN merkt sie an: „Ich halte nichts davon, dass man dieses Kraftwerk ins Achmündungsgebiet setzt.“ Auch, dass Illwerke Vkw „da eine Leitung reingraben“, scheint ihr bedenklich. Den Nutzen für den Hochwasserschutz kann sie nicht erkennen.

Warum nicht direkt zum See?

Lins wirft eine andere Denkvariante in die Diskussion: „Warum fahren sie nicht von deutlich weiter hinten mit einer unterirdischen Stauleitung direkt nach Bregenz und zwischen Lochau und Bregenz in den See?“ Der Druckstollen könnte unterirdisch nahe der neuen Schanze in den Bodensee münden. „Wir hätten dann zwar im Unterlauf eine kleinere Bregenzerach mit weniger Wasser.“ Dafür wäre das ökologische Problem der täglich so krass unterschiedlichen Wasserstände gebannt. Ein Kraftwerk im Mündungsbereich der Ach und damit im Natura 2000-Gebiet scheint ihr jedenfalls kaum durchführbar. „Von Weidach bis zum Bodensee gewinnen die Betreiber ohnedies nicht mehr viel Höhe, dafür sind die Arbeiten sehr aufwendig.“ Energietisch könne das kaum von Interesse sein.

„Machen“, sagt Rauch

„Machen“, sagt dagegen Grünen-Chef Johannes Rauch klar und deutlich. Mit einem solchen Projekt am Unterlauf der Bregenzerache würden ihm zufolge zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: „Die Hochwassersicherheit würde verbessert – und erneuerbare Energien forciert.“ Bedingung sei freilich, dass das Kraftwerk ökologisch verträglich errichtet werde, sämtliche Prüfungen müssten stattfinden, auch der ökologisch verträglichste Standort gesucht werden. Für Rauch ist das Projekt auch notwendig, um ein Gleichgewicht zu schaffen: „Weil im Oberlauf der Bregenzerache Maßnahmen gesetzt wurden, die einen schnellen und höheren Durchfluss bedeuten, muss im Unterlauf eine Retentionsfläche geschaffen werden.“ Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart kann in den bekannt gewordenen Kraftwerksplänen nicht mehr erkennen als „Striche in der Landkarte“. Gemeinsam mit seinem Harder Amtskollegen Harald Köhlmeier wird Linhart noch vor Jahresende die Vertreter von Illwerke Vkw einladen, konkretere Pläne vorzustellen. „Es wäre jetzt einfach unseriös und verfrüht, sich zu einzelnen Varianten zu äußern. Noch ist nichts geprüft.“ Allerdings werde er aufgrund von Naturschutz und Grundwasser „ein sehr waches Auge“ auf das Achmündungsgebiet haben.

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