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25. Philosophicum Lech offiziell eröffnet

Jubiläumsausgabe des mehrtägigen Symposiums steht unter dem Titel "Der Hass - Anatomie eines elementaren Gefühls" -
Jubiläumsausgabe des mehrtägigen Symposiums steht unter dem Titel "Der Hass - Anatomie eines elementaren Gefühls" - ©Florian Lechner
Anatomie eines elementaren Gefühls
Philosophicum diskutiert über Hass

"Ein Hochamt des intellektuellen Austauschs - und gerade deshalb jetzt unersetzlich", so Eröffnungsrednerin Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne). Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) würdigte Liessmann mit dem Montfortorden in Gold.

Das Philosophicum Lech ist am Donnerstagabend offiziell in seine 25. Auflage gestartet. Zum Jubiläum befasst sich das Symposium unter Leitung von Konrad Paul Liessmann mit dem Hass. "Ein Hochamt des intellektuellen Austauschs - und gerade deshalb jetzt unersetzlich", so Eröffnungsrednerin Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne). Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) würdigte Liessmann mit dem Montfortorden in Gold.

"Seit 25 Jahren treffen in Lech am Arlberg die großen Fragen der Philosophie auf die Entwicklungen, Krisen und Konflikte unserer Zeit. Diese Erfolgsgeschichte ist untrennbar mit dem Namen Konrad Paul Liessmann verbunden", begründete Wallner die Auszeichnung für den Philosophen und wissenschaftlichen Leiter Liessmann. Mit dem Montfortorden wird seit 1985 die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zum Land Vorarlberg gewürdigt, die von besonderer Bedeutung ist.

Für Staatssekretärin Mayer ist das Philosophicum ein "Zufluchtsort". "Jede und jeder von uns braucht gerade in diesen Zeiten Orte und Zeiten der Zuflucht, des Eskapismus. Kunst und Kultur können uns solche Orte und Zeiten bieten - und hier in Lech ganz im Speziellen die Gesprächskultur", sagte Mayer in ihrer Rede. Bezug nehmend auf das heurige Thema betonte sie: "Der Hass zerstört uns selbst." Man spreche immer über Hasse, der offen zur Schau getragen werde, nicht über den zwischenmenschlichen Hass, der im Verborgenen schlummere. Es lohne sich, darauf den Blick zu richten, "weil wir hier an uns selbst lernen können, wie man mit diesem Gefühl umgehen kann". Vorbild in der Gemeinschaft könne dabei die Liebe sein, die einen mit dem engsten persönlichen Umfeld verbinde. Das gelte an erster Stelle für die Politik, aber auch für Medien und Wissenschaft. "Wir müssen vorleben, dass es auch anders geht", betonte sie. Es gebe weiter die Chance, den Zusammenhalt in der Gesellschaft wiederzuentdecken. Man müsse zurück finden zu einem konstruktiven Klima der Kooperation.

Klares Konzept binnen weniger Tage

Ludwig Muxel, Obmann des Philosophicum-Vereins, erinnerte an die Anfänge der Veranstaltung: 1994 hatte ihm der Autor Michael Köhlmeier von seiner Idee eines geisteswissenschaftlichen Symposiums für Lech erzählt, das habe ihn als damaligen Bürgermeister fasziniert. Erste Überlegungen verliefen aber im Sand, bis sich der damalige Kultur-Landesrat Guntram Lins (ÖVP) eingeschaltet habe, der ihm einen "aufstrebenden Philosophen und Philosophieprofessor" aus Wien empfahl. Liessmann habe binnen weniger Tage ein klares Konzept auf hohem Niveau vorgelegt, so Muxel. "Beim Philosophicum nimmt man sich für knapp eine Woche Zeit, sich über die Welt, in der wir leben, ein bisschen klarer zu werden", so Muxel, der sich zudem bei den Sponsoren und Unterstützern bedankte. Der Lecher Bürgermeister Gerhard Lucian erklärte, das Philosophicum sei von der Bevölkerung zunächst als "etwas Kurioses" wahrgenommen worden: "Plötzlich traf man auf ein völlig neues Publikum. Oft dunkel gekleidet und scheinbar unentwegt im Gespräch", so Lucian. Der Skepsis sei aber rasch der Freude über ein gelungenes Format gewichen. Die Besucherzahl stieg von rund hundert auf inzwischen 700.

Hass sei heute allgegenwärtig, in seiner Ablehnung seien sich alle einig. "Der Hass ist der einzige Affekt, der generell und nicht nur situativ als unzulässig erachtet wird", so Liessmann in seinem Eröffnungsvortrag. "Mit dem Hass sind wir immer schon fertig. Denn es ist immer der Hass der anderen, der uns irritiert, erschüttert, verzweifeln lässt. Der eigene Hass ist davon stets ausgenommen", erklärte er. Dabei werde selten gefragt, "was Hass eigentlich für ein Gefühl ist, aus welchen Quellen es sich speist, was das Aggressive, Verletzende und Verstörende am Hass ausmacht", so der Philosoph. Zu oft werde vergessen, dass Hass die Kehrseite der Liebe sei. Eine rasche Verurteilung verkenne, dass es sich beim Hass um ein elementares Gefühl handle, das in seiner Destruktivität auch produktive Energien freizusetzen wisse.

Zahlreiche Referenten und Referentinnen

Als Referenten und Referentinnen geladen sind bis 25. September zum Thema "Der Hass - Anatomie eines elementaren Gefühls" der Psychiater Reinhard Haller, die deutschen Philosophen Christoph Demmerling, Hilge Landweer, Barbara Zehnpfennig und Ingrid Vendrell Ferran, der aus Kabul stammende Philosoph und Islamwissenschafter Ahmad Milad Karimi, der Jugendkulturforscher Bernhard Heinzlmaier, die Journalistin Svenja Flaßpöhler, der in Wien lehrende Rechtsphilosoph Alexander Somek sowie der Medienwissenschafter Bernhard Pörksen.

Am Freitag steht die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Essay-Preises "Tractatus" an die deutsche Autorin, Kritikerin und Übersetzerin Marie Luise Knott am Programm, die den Preis exemplarisch für ihr Werk "370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive. Hannah Arendt und Ralph Ellison" erhält. Zum Jubiläum erscheint der Band "Der Geist im Gebirge". Herausgeber Konrad Paul Liessmann wählte dafür Beiträge der Jahresthemen - vom ersten Philosophicum Lech 1997 bis heute - aus.

(APA)

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