Tragisches Busunglück in der Schweiz fordert 28 Tote

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Tragischer Unfall in der Schweiz fordert das Leben von 22 Kindern Tragischer Unfall in der Schweiz fordert das Leben von 22 Kindern - © EPA/LAURENT GILLIERON
Bei einem schweren Busunglück im Schweizer Kanton Wallis sind 28 Menschen ums Leben gekommen, darunter 22 Kinder.

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Wie die Behörden am Mittwoch mitteilten, prallte der Reisebus in einem Autobahntunnel aus noch ungeklärten Gründen frontal gegen eine Nothaltestelle. In dem Bus mit 52 Insassen befanden sich zwei Schulklassen aus Belgien, die sich nach den Skiferien auf der Heimreise befanden. Der belgische Außenminister sprach von einem "unverständlichen" Unfall - kein anderes Fahrzeug sei daran beteiligt gewesen.

Angehörige werden in die Schweiz gebracht

Tränen und Fassungslosigkeit auch in Belgien: Vor den Schulen der Kinder in Heverlee in der Nähe von Brüssel und in Lommel an der niederländischen Grenze versammelten sich am Morgen Mitschüler und Angehörige.

Die Angehörigen der Opfer sollen um 13.00 Uhr vom Militärflugplatz in Melsbroek abheben. Die zwei Militärflugzeuge können 82 Personen aufnehmen und werden die Familien nach Genf fliegen. Die Landung in Genf dürfte um circa 14.00 Uhr erfolgen. Wie die Reise von dort weitergeht, ist noch nicht bekannt. Zudem werde die psychologische Hilfe für die Familien von der Polizei zusammen mit anderen Diensten bereitgestellt. Psychologen sollen die Angehörigen auf ihrem Flug in die Schweiz begleiten. Belgien schickt darüberhinaus ein spezialisiertes Team für die Opfer-Identifizierung in die Schweiz.

Während einige Angehörige vor dem Abflug einen Anruf ihres verletzten Kindes erhalten hatten, fehlte von 17 Schülerinnen und Schüler der Schule "'t Stekske" in Lommel noch jegliche Information. Insgesamt befanden sich 22 Schüler und zwei Lehrkräfte der Schule in dem Bus. "Fünf Kinder haben inzwischen mit ihren Eltern Kontakt aufgenommen", sagte Kris Verdyuckt, Mitglied des Stadtrats von Lommel vor den Medien. Sicher ist, dass die beiden Lehrkräfte beim Unfall ums Leben gekommen sind. "Wir haben von den Verantwortlichen der Schule in Heverlee gehört, dass 16 ihrer Kinder verletzt wurden", erklärte Verduyckt. Noch sind nicht alle Opfer identifiziert. Nach Angaben Verdyuckts schickte die Schule Fotos der verunglückten Schüler in die Schweiz.

Auch der belgische Premier Elio Di Rupo wollte noch am Mittwoch in die Schweiz reisen, begleitet vom flämischen Ministerpräsidenten Kris Peeters. König Albert II. zeigte sich "tief betroffen" durch die Nachricht des Unfalls, teilte das Königshaus mit. Die Gedanken des Königs seien bei den Opfern und ihren Familien.

Der verunfallte belgische Bus gehört zur Busgesellschaft "Toptours". Die Gesellschaft habe einen "exzellenten" Ruf, sagte der belgische Staatssekretär für Verkehr, Melchior Wathelet. Die Busfahrer seien am Vortag im Val d'Anniviers eingetroffen, sagte Wathelet nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga. Sie hätten den Dienstag vor Ort verbracht, "es scheint, dass die Vorschriften über die Ruhe- und Fahrzeit eingehalten wurden", erklärte der Staatssekretär.

Busunglück forderte das Leben von 22 Kindern

Die meisten Opfer sind Kinder im Alter von zwölf Jahren, die im Val d'Anniviers in den Skiferien waren. Bei der Reisegruppe handelte es sich um zwei Schulklassen aus den flämischen Städten Lommel und Heverlee. Neusten Informationen zufolge stammen mindestens sieben Kinder aus den Niederlanden. Dabei ist nicht klar, ob sie sich unter den Verletzten oder den Todesopfern befinden. Insgesamt starben 22 Kinder und sechs Erwachsene - darunter auch die beiden Chauffeure. 24 weitere Kinder wurden beim Unfall verletzt. Sie wurden in vier Spitäler im Wallis gebracht; drei besonders schwer verletzte Kinder wurden in die Unispitäler von Lausanne und Bern geflogen.

Der verunfallte Bus sei zusammen mit zwei weiteren Bussen aus Belgien unterwegs gewesen, sagte Belgiens Außenminister Didier Reynders. Diese seien jedoch nicht in den Unfall verwickelt gewesen und hätten ihre Reise fortsetzen können. Die Schüler der Grundschule Hommel sind bis vor zwei Jahren immer mit dem Zug in die Skiferien gefahren. Das verlautete am Mittwoch seitens der Schulleitung der Stadt. Wieso die Reise seit zwei Jahren mit dem Bus erfolgte, war vorerst unbekannt.

Bus frontal in Nothaltenische geprallt

Der Reisebus war am Dienstagabend gegen 21.15 Uhr in dem Tunnel der A9 bei Siders auf die rechte Seite geraten. Dort hatte er Randsteine touchiert und war in der Folge frontal in eine Nothalte-Nische geprallt. Der Bus fuhr auf der Autobahn von Siders in Richtung Sitten. Die Rettungsaktion im Tunnel dauerte die ganze Nacht über an. Über 200 Rettungssanitäter, Feuerwehrleute, Ärzte und Polizisten standen im Einsatz.

Die Ursache des Unglücks war vorerst noch unklar. "Die Ermittlungen sind derzeit noch am Laufen", sagte ein Polizeisprecher. Übermüdung des Fahrers schloss er als Ursache aus: Der Bus war erst 20 Minuten unterwegs. Die Fahrer waren am Vortag in der Schweiz eingetroffen.

Der Aufprall war von extremer Wucht, vom Reisebus war anschließend nur noch ein zerfetztes Wrack übrig. An der Unfallstelle bot sich ein Bild des Schreckens. Der vordere Teil des Busses war praktisch zermalmt, das Dach aufgerissen, darunter ein Chaos aus Karosserieteilen, Metall und Kabeln. Auf der Fahrbahn lagen Kleider und Gepäckstücke der Kinder. Die Bergung der Businsassen und die Beseitigung des Wracks dauerte acht Stunden.

"Drama wird ganz Belgien erschüttern"

Eine Tragödie dieses Ausmaßes habe es im Wallis noch nie gegeben, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Christian Varone, am Mittwochmorgen vor den Medien. Betroffen zeigte sich auch der Botschafter Belgiens in der Schweiz. "Dieses Drama wird ganz Belgien erschüttern", sagte Jan Luykx. Ebenso sprach der EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso dem belgischen Premier Di Rupo sein Beileid aus. Vor Beginn der Sitzung am Mittwoch kündigte das EU-Parlament eine Schweigeminute an.

Der rund 2,5 Kilometer lange Tunnel bei Siders ist im November 1999 eingeweiht worden. Täglich passieren laut der Walliser Dienststelle für Straßenbau durchschnittlich 15.000 Fahrzeuge den Tunnel. Er ist in beide Richtungen mit je zwei Fahrspuren ausgestattet. In den Tunnelröhren herrscht kein Gegenverkehr.

(APA)

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