Sandy P.Peng kämpft mit Animal United für Straßenhunde in Rumänien

Von Matthias Rauch (VOL.AT)
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Die Tierrechtsaktivisten prangern die Haltungsmethoden der ASPA an. Die Tierrechtsaktivisten prangern die Haltungsmethoden der ASPA an. - © Animals United
Bukarest – Das Vorarlberger Tattoomodel und Tierrechtsaktivistin Sandy P.Peng setzt sich für Straßenhunde in Rumänien ein. Die letzten Tage war sie selbst im Einsatz in Bukarest. Mit VOL.AT sprach sie über das gesehene Elend.

65.000 Straßenhunde sollen allein in Bukarest leben. Seit Jahren geht die Regierung gegen die Straßenhunde vor – unter starker Kritik von Tierschützern. Neben ineffizienten Methoden unterstellt man den Hundefängern finanzielle Interesse an einer Aufrechterhaltung der Situation, um möglichst viel an den Streunern zu verdienen. Das Vorarlberger Tattoomodel und engagierte Tierrechtsaktivistin Sandy P.Peng machte sich selbst ein Bild in Bukarest.

VOL.AT: Sandy P.Peng, du warst in den letzten Tagen mit Animals United in Bukarest. Warum?

Sandy P.Peng: Der Grund, warum ich in Bukarest war ist, dass ich mir unter anderem selbst ein Bild über die aktuelle Situation Vorort machen wollte. Zudem wird das “Projekt Romania” von Animals United organisiert, einer deutschen Tierrechtsorganisation, mit der ich in den letzten Jahren schon viele gemeinsame Projekte durchführen konnte, unter anderem auch die Anti-Pelz-Kampagne mit der Musiklegende Peter Maffay.

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Ende Juni wurde das Tötungsgesetz außer Kraft gesetzt. Dennoch agiert die rumänische Tierschutzbehörde ASPA weiterhin und fängt Hunde. Ihre Hundefänger werden seither von Tierschützern verfolgt, um ihre illegalen Handlungen zu dokumentieren. Es ist juristisch legal, dass die Hundefänger von Tierschützern begleitet werden dürfen – eine erkämpfte Maßnahme, die Transparenz schaffen soll. Die ASPA tut jedoch alles in ihrer Macht stehende, um die Tierschützer davon abzuhalten. Um ihre Einfangaktionen zu verdecken, werden diese bei Einbruch der Dunkelheit und unter Geleit der lokalen Polizei gestartet. In Konvois von mehreren Autos werden mit hoher Geschwindigkeit rote Ampeln überfahren, um die Tierschützer abzuhängen. Die Spezialeinsatzkräfte in den SUV der lokalen Polizei sind vermummt und maskiert, drohen mit Pfefferspray und versuchen immer wieder, die Autos der Tierschützer zu blockieren, damit die Hundefänger ungestört vorfahren und zuschlagen können. Einschüchterungen, Drohungen und Handgreiflichkeiten vor Ort durch Mitarbeiter der ASPA und unter den Augen der Polizei gehören zur Tagesordnung.

Laut Facebook hattet ihr Konfrontationen mit Hundefängern. Wie muss ich mir das vorstellen, war es auch gefährlich?

Ja. Donnerstag früh um 4 Uhr haben wir uns vor dem Treffpunkt der Hundefänger auf die Lauer gelegt. Um 6 Uhr sind 25-30 Männer in acht Wägen davongebraust, ohne Polizeigeleit. Wir haben uns mit zwei Wägen an die Fersen des Konvois geheftet und sind ihnen in den Sektor 4 gefolgt, wo sie gemeinsam zuschlugen. Mit lautem Hupen und Schreien haben wir versucht, alle Straßenhunde zu verscheuchen. Dabei wurde von den Hundefängern mehrfach versucht, uns in eine Falle zu locken und uns mit ihren Wägen einzukreisen. Sie fingen vor unseren Augen brutal zwei kleine Junghunde, die naiv mit dem Schwanz wackelten, bevor der Konvoi uns nach einer längeren Hetzjagd in einem Park mit Polizeieinsatz abhängen konnte.

Im Juli liefen ASPA-Mitarbeiter auf eines der Autos von Animals United zu, und etwa sechs von ihnen sprangen auf das fahrende Auto, schlugen mit ihren Füßen, Knien, Ellenbogen und Fäusten auf die Windschutzscheibe ein, bis sie brach. Vik (Koordinator von Animals United, Anm.) und sein Team gerieten in Panik, konnten aber nicht weg, da sie das Auto blockierten. Einer schaffte es sogar, einen der Aktivisten mehrfach durch das geöffnete Fenster ins Gesicht zu schlagen, als er das Geschehen mit seinem Mobiltelefon filmen wollte. Er musste später von einem Notarzt wegen Kopfverletzungen und Wunden an den Beinen verarztet werden.

Besonders schockiert die Tatsache, dass sich die Attacke in Anwesenheit der lokalen Polizei ereignete, die zu keinem Zeitpunkt eingriff. Die Aktivisten konnten sich letztendlich befreien und zu einer nahegelegene Tankstelle retten, wo ein Krankenwagen, Polizei und Presse zur Stelle eilten. Die deutsche Botschaft hingegen ließ vergeblich auf sich warten und bat nur via Telefon um Vorsicht. Nach etlichen Presseinterviews direkt vor Ort und anschließenden mehrstündigen Vernehmungen bei der Polizei wurden das Team im Morgengrauen mit Polizeigeleit in das Hotel gefahren.

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Die rumänischen Hundefänger versuchen ihre illegalen Einfangaktionen immer wieder mit den “gefährlichen Straßenhunderudeln” zu rechtfertigen. In Wirklichkeit geht es jedoch um viel Geld. Alleine für das Einfangen der Hunde gibt es umgerechnet rund 50 Euro – für rumänische Verhältnisse mit einem Durchschnittsgehalt von 400 Euro eine Menge Geld. Die Hunde werden trotz Verbot brutal getötet oder verhungern und verdursten.

Anscheinend ward ich auch in Hundesheltern, um die Tiere zu füttern. Was habt ihr dort gesehen?

Furchtbarer Gestank, kein Futter, die Böden nass und mit Kot und Urin bespritzt. Einige Hunde sind bis auf die Rippen abgemagert, haben Wunden, fast alle haben Parasiten, Hautkrankheiten und -entzündungen. Der Kot weist deutlich daraufhin, dass sie interne Parasiten haben, zu wenig zu trinken und kaum bis nichts zu essen bekommen. Es gibt Käfige, welche nicht mal eine Überdachung bieten.

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Wir haben unterschiedliche Shelter bei Tag und bei Nacht besucht um Undercover-Aufnahmen zu machen. Das war sehr schwer, da die Shelter sehr gut bewacht werden. Wir mussten überall unsere Handys und Pässe abgeben, teilweise gab es bei den Sheltern auch Metalldetektoren, damit keine Kameras reingeschmuggelt werden können.

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Wir sind nachts mehrmals auf das Dach von einem dieser Shelter geklettert um den Hunden Futter zu bringen. Fairerweise muss erwähnt werden dass nicht alle Tierheime in Rumänien kriminell sind, wie haben uns in erster Linie auf Tötungsstationen, welche von ASPA-Hundefänger beliefert, werden konzentriert.

Wie geht es nun weiter, was ist geplant und wie sind eure Lösungsvorschläge? 

Die Streunerproblematik ist vom Menschen geschaffen und sollte somit vom Menschen tiergerecht wieder in den Griff bekommen werden. Um weiteres Tierleid zu verhindern, dürfen Tötungsmaßnahmen nicht die Lösung sein. Die einzig humane und nachhaltige Lösung bieten stetige Kastrationsaktionen und eingerichtete Futterstellen. Nur so kann gewährleistet werden, dass nach und nach die Tiere gesünder und friedlicher auf der Straße leben und keine weiteren Nachkommen entstehen. Studien beweisen längst, dass nur Kastration auf lange Sicht die Population eindämmen kann, Tötungsaktionen haben hingegen keinen erkennbaren Rückgang gebracht. Aufklärung und Bildung der Tierhalter vor Ort muss ergänzend stattfinden.

Zahlreiche Tierschutzorganisationen, Initiativen und Privatpersonen aus ganz Europa versuchen seit Jahren, auch in Rumänien zu helfen. Sie beweisen immer wieder mit ihrem Engagement, wie mit eigenen Tierheimen und Kastrationsaktionen, dass ihre Ansätze effizient und zielführend sind. Sie leisten Pionierarbeit, stoßen dabei kontinuierlich auf massiven Widerstand und setzen sich dabei immer wieder auch Gefahren aus. Ihr Weg ist mühsam, aber der einzig sinnvolle.

 

(Interview wurde gekürzt, das Gespräch fand per Mail statt)

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