Risse in AKW entdeckt: Belgien warnt auch die Schweiz

Von Andreas Haller
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Betreiber des AKW Mühleberg versucht zu beruhigen. Betreiber des AKW Mühleberg versucht zu beruhigen. - © VOL.AT/Hartinger
In einem belgischen Atomkraftwerk sind Fertigungsfehler aufgetaucht. Der Reaktordruckbehälter des AKW Mühleberg stammt vom gleichen Hersteller wie das in Belgien überprüfte AKW.

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Weltweit soll es 22 solcher Reaktoren geben, davon elf in Europa. Belgien hat alle betroffenen Länder auf mögliche ähnliche Schäden hingewiesen. Weil die Herstellerfirma auch in die Schweiz geliefert hat, kommt es nun im AKW Mühleberg zu Überprüfungen. Beim Hersteller handelt es sich um die niederländische Firma Rotterdamsche Droogdok Maatschappij.

AKW Antwerpen abgeschaltet

Der Reaktor 3 des belgischen Atomkraftwerks Doel bei Antwerpen bleibt bis Ende September abgeschaltet. Die Abschaltung wurde um einen Monat verlängert, um Untersuchungen zu "potenziellen Rissen" im Reaktorbehälter zu ermöglichen, so der Kraftwerksbetreiber Electrabel. Ursprünglich sollte der Reaktor nur bis Ende August vom Netz bleiben.

Tausende kleine Risse im Reaktorbehälter?

Der 1982 in Betrieb genommene Reaktor war Anfang Juni für Wartungsarbeiten heruntergefahren worden. Bei den Kontrollen wurden "Auffälligkeiten" am Reaktorbehälter festgestellt. Der Chef der belgischen Atomaufsichtsbehörde, Willy de Roovere, bezweifelt laut einem Ö1-Bericht sogar, ob der Reaktor jemals wieder in Betrieb gehen kann: "Es gibt eine Menge kleiner Risse an der Unterseite des Reaktorbehälters. Man muss genau untersuchen, wie sich diese Risse weiterentwickeln." Die belgische Atomaufsichtsbehörde AFCN hatte in der vergangenen Woche erklärt, sie bezweifle, ob der Reaktor jemals wieder ans Netz gehe, da eine Reparatur des Reaktorbehälters "nahezu unmöglich" sei.

Der gleiche Reaktorbehälter ist auch beim belgischen Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich im Einsatz. Der dortige Reaktor 2 soll nach Angaben von GDF Suez, dem Mutterkonzern von Electrabel, nicht vor dem 2. Oktober wieder hochgefahren werden. Die mittlerweile nicht mehr aktive niederländische Herstellerfirma RDM stattete mehrere Atomkraftwerke in Europa, auch in Deutschland, mit Reaktorhüllen aus. Das deutsche Bundesumweltministerium in Berlin hatte dazu mitgeteilt, in noch in Betrieb befindlichen deutschen AKW seien keine Reaktorbehälter desselben Typs verbaut worden.

Mühleberg-Betreiber schließt Probleme aus

Der bernische Energiekonzern BKW ist überzeugt, dass der Reaktordruckbehälter in seinem Kernkraftwerk Mühleberg keine von Wasserstoff hervorgerufene Risse aufweist. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hatte dazu von der BKW Informationen gefordert. Dem ENSI war zuvor von der belgischen Atomaufsichtsbehörde gemeldet worden, in einem belgischen AKW mit einem Druckbehälter des gleichen Herstellers wie jenem in Mühleberg seien Unregelmäßigkeiten aufgetaucht.

Die BKW hat dem ENSI eine Zusammenstellung ihrer Abklärungen eingereicht. Darin schreibt der Berner Energiekonzern, aufgrund des lückenlosen Nachweises in der Dokumentation "und nach heutigen Kenntnisstand" gebe es im Mühleberger Reaktordruckbehälter keine Risse.

Die BKW stützt diese Aussage vor allem darauf, dass gemäß ihrer Dokumentation die Schweissnähte dann geprüft wurden, als bereits hätten Risse feststellbar sein müssen, wenn das Material wirklich zu viel Wasserstoff enthalten hätte.

Der Druckbehälter von Mühleberg sei lediglich vom gleichen Unternehmen wie in Belgien geschmiedet worden, sagte der Leiter des KKW Mühleberg, Martin Saxer. Der Materiallieferant sei hingegen ein anderer gewesen. Zudem sei der Reaktortyp unterschiedlich und auch die Wandstärke und der Werkstoff unterschieden sich.

Mit Zugankern stabilisiert

Seit langem ist hingegen bekannt, dass das AKW Mühleberg Risse im Kernmantel aufweist. Diese werden mit Zugankern stabilisiert. (AHA)

(VOL.AT; APA)

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