Pfarrer Waibel: "Rom handelt zu zentralistisch"

Von Sascha Schmidt
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Waibel legte sein Priesteramt nieder. Waibel legte sein Priesteramt nieder. - © VOL.AT/Schmidt
Dornbirn - Ronald Waibel sei an einem Punkt angelangt, an dem er eine Entscheidung treffen musste. Er entschied sich,  sein Amt als Priester zurückzulegen, erklärt der Pfarrer von Dornbirn-Haselstauden gegenüber VOL.AT.

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„Meine Beweggründe waren, dass ich in den letzten Jahren immer größere Probleme hatte mit der römischen Kirche, die in meiner Wahrnehmung zentralistisch reagiert und uns Priester, so empfinde ich es, nicht hört und auch nicht ernst nimmt“, erklärt Pfarrer Waibel. Er empfinde ein großes Misstrauen von Vatikan, vor allem gegenüber jenen Priestern, „die einen etwas fortschrittlicheren Kurs verfolgen und darauf hinweisen, dass unsere Kirche dringend notwendig auch Reformen bedarf, damit diese katholische Kirche auch Zukunftschancen hat“, so der scheidende Pfarrer, der die letzten drei Jahre in der Pfarrgemeinde Dornbirn-Haselstauden tätig war.
Ronald Waibel hat sein Priesteramt zurückgelegt, weil es für ihn die einzige Möglichkeit ist in dieser Kirche zu bleiben, was er unbedingt möchte, „aber nicht mehr als Repräsentant und Vertreter dieser römischen Kirche.“

Kirchenvolk werde nicht ernst genommen

Konkret sieht Waibel reformbedarf bei den Zulassungskriterien zum Weiheamt. Außerdem glaubt Waibel, dass die Meinung des Volkes der Kirche und das Amt des Bischofs zu wenig ernst genommen werde. „Dieses ewige warten, wann unsere Diözese einen Bischof bekommt, ist für mich nur schwer erträglich“, so Waibel gegenüber VOL.AT. Das Zölibat ist für Waibel zwar eine sinnvolle Einrichtung aber die Verpflichtung zum Zölibat, als Kriterium Priester zu werden, damit ist er nicht ganz einverstanden.

Interview mit Pfarrer Waibel

Der richtige Schritt

Der 54-jährige Ronald Waibel  sieht seinen aus Protest erfolgten Rücktritt als Priester als "richtigen Schritt".  Der Pfarrerinitiative, der er angehörte, wünsche er, "dass sie weiter alles Mögliche versucht, um die gesteckten Ziele zumindest ansatzweise zu erreichen", so Waibel.  "Ich habe mir das lange überlegt und bin überzeugt, dass das der richtige Schritt ist", sagte der 54-Jährige im APA-Gespräch.

Bei der Pfarrerinitiative sah man sich durch den Rücktritt Waibels in der Auffassung bestätigt, dass das Arbeitsfeld der Geistlichen zu groß sei, wie Priester Erich Baldauf am Montag am Rande des Herbstsymposiums der Diözese Feldkirch gegenüber ORF Radio Vorarlberg erklärte. Diözesanadministrator Benno Elbs, der Waibels Entscheidung "im Gesamten nicht nachvollziehen" kann, sah das hingegen anders. Er glaube nicht, dass ein Pfarrer eine größere Arbeitsbelastung habe als vor Jahren, so Elbs, der keine weiteren Priester-Rücktritte befürchtete.

Hochachtung und Bedauern

Waibel seinerseits sah mit dem über Pfingsten gefassten Entschluss zu seinem Abgang eine große Last von sich gefallen. Er habe von seiner Pfarrgemeinde dafür viel Hochachtung, aber auch Bedauern erfahren dürfen. Er blicke mit Stolz und Freude auf seine 27 Jahre als Priester zurück. Waibel wird nun eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen. Bei der Diözese Feldkirch bedankte sich Waibel für ihre "große Unterstützung und den menschlichen Umgang". Die Diözese wird dem 54-Jährigen in den nächsten sechs Monaten sein Gehalt weiterbezahlen, auch hinsichtlich seiner Pension sei "alles abgeklärt"

(Quelle: VOL.AT/APA)

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