Zäher Prozess um Millionenbetrug

Von Christiane Eckert
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Zäher Prozess um Millionenbetrug
Feldkirch - Am Landesgericht Feldkirch startete am Mittwoch der große Betrugsprozess mit den Eröffnungsplädoyers von Staatsanwalt Markus Fußenegger und Verteidiger Martin Mennel. Es geht um rund drei Millionen Euro, die im Rahmen von Darlehensverträgen erschwindelt worden sein sollen.

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Auf einer Homepage wurden laut Anklage Versprechungen mit Fantasiezahlen gemacht, die der Wirklichkeit in keinster Weise entsprachen. Die vermeintlich lukrativen Geschäfte waren nicht aus einer bestimmten Branche sondern auf verschiedenste Geschäftsbereiche verteilt. Einmal ging es um ein Hotelprojekt, dann wieder um Devisenhandel.

Fußenegger wiederholte die Vorwürfe der Anklage. Mennel räumte ein, dass sein Mandant zwar schlampig und nicht nach kaufmännischen Sätzen agiert habe, doch Betrug liege nicht vor, so der Verteidiger am Mittwoch im Gerichtssaal.

Idee des unzurechnungsfähigen Geschäftspartners

Außerdem seien sämtliche Investitions-Projekte die Idee des Geschäftspartners des Angeklagten gewesen. In seiner Einvernahme schiebt der angeklagte Ex-Geschäftsführer (52) einen wesentlichen Teil der Verantwortung seinem ehemaligen Geschäftspartner zu. Dieser kann strafrechtlich nicht verfolgt werden, weil der Mann laut einem Gutachten während des Tatzeitraumes für unzurechnungsfähig eingestuft wurde.

Aussage des Angeklagten

Der 32-jährige Angeklagte führt aus: "Er hat mich immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. Zum Beispiel hat er unsere Vermittler großzügig in Hotels eingeladen. Ich habe das erst mitbekommen, als die Hotelrechnung auf meinem Tisch landete."

In der stundenlangen Einvernahme schilderte der Angeklagte, dass er sehr wohl wusste, dass die im Internet ausgewiesenen Gewinne nicht der Wahrheit entsprachen. Der 52-Jährige bedauert, dass er seiner Kontroll- und Aufsichtspflicht nicht entsprechend nachkam.

Verträge mit Risiken

Verteidiger Mennel betont, dass die Anleger in den Darlehensverträge sehr wohl auf Risiken, wie Totalverlust, hingewiesen worden seien. Es sei ausdrücklich erwähnt gewesen, dass eine Rückzahlung nur nach Maßgabe der Liquidität erfolge. Von großzügigen Zinsen sei keine Rede gewesen, so Mennel.

Betrügen wollte der Ex-Geschäftsführer nie jemanden, beteuert er. Eine Aussage, die bei den im Fall anwesenden Geschädigten nur Kopfschütteln auslöste. Nach Staatsanwalt Fußenegger durfte Verteidiger Mennel seinen Mandanten ausführlich befragen.

Geschäftspartner sagte aus

Die Luft im großen Schwurgerichtssaal am Landesgericht Feldkirch war um knapp vor halb fünf Uhr nachmittags heiß und drückend. Die rund zwanzig Geschädigten verfolgten den Prozess. Sieben Anwälte sitzen für die Opfer vertretungsweise da.

Als Erstes wird wohl der wichtigste Zeuge einvernommen. Der psychisch kranke und deshalb für den Tatzeitraum schuldunfähige ehemalige Leiter des Außendienstes der zwei betroffenen Schweizer Firmen. Die vielen Projekte, die getürkte Homepage mit den fingierten Gewinnen. Laut Angeklagtem alles die Idee seines ehemaligen Geschäftspartners. Er war derjenige, der nach eigenen Aussagen Fremde für Projekte zu begeistern wusste und über den auch das Geld floss. „Ich dachte, ich sei unsterblich, hielt alles für toll und realisierbar“, beschreibt er seinen damaligen psychischen Zustand.

Er leidet heute noch unter einer manisch-depressiven Erkrankung. „Wenn ich die Medikamente weglasse, merke ich innerhalb von ein paar Stunden, wie sich dieses Gefühl, alles im Griff zu haben, wieder breit macht“, berichtet er im Zeugenstand.

Für Desaster verantwortlich

Er räumt ein, dass er maßgeblich für das Desaster verantwortlich war, weil er krankheitsbedingt alles durch die rosarote Brille sah. Für die Anleger wird es noch ein langes, zähes Beweisverfahren mit 16 Zeugen. Es muss viel gefragt und aufgeschlüsselt werden. Der Prozesstag am Mittwoch wird noch einige Stunden dauern, morgen geht es dann in derselben Tonart weiter. Richterin Christine Gstrein führt mit Geduld und souverän den Schöffenprozess. Am Donnerstag soll es ein Urteil geben.

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