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Zurück in ein fremdes Land

Götzis - Brigitte Penz ist außer sich. Mevlida von der Caritas stützt den Kopf in die Hand. So sieht er also aus, der Härtefall im Asylverfahren, über den Österreich seit Tagen diskutiert.

Einspruch abgelehnt

Hier, in Götzis, trägt er den Namen Eldarov. Nadija und Eldar Eldarov aus Dagestan. 34 und 28 Jahre alt. Eltern dreier Kinder. Seit 9. September 2002 in Österreich. Gestern in der Früh erhielten sie Post vom Verwaltungsgerichtshof. Darin stand: Ihr letzter Einspruch wurde abgewiesen. Nadija und Eldar erhalten kein Asyl in Österreich.

„Das bedeutet Ausweisung“, sagt Martin Fellacher, der die Flüchtlingshilfe der Caritas leitet. Theoretisch können heute schon Polizisten vor der Haustür stehen, an der Götzner Hauptstraße. Familien nimmt man in der Regel nicht in Schubhaft. Aber sobald die Tickets reserviert sind, müssen sie packen. Dann geht’s zurück, nach Dagestan.

Brigitte Penz will das nicht einsehen. „Ich habe Herrn Eldarov 2003 über die Nachbarschaftshilfe der Caritas kennengelernt.“ Er hat ihr von seiner Flucht erzählt. Von den “33 Sprachen“ dieses zerklüfteten Berglands im Nordkaukasus. „Ein ruhiger Mann“, sagt die Kunsttherapeutin vom Krankenhaus Maria Ebene, „dem die Liebe zu seiner Familie über alles geht“.

Alles für die Kinder

Und tatsächlich schaut er jetzt unentwegt seine Kinder an. Die vierjährige Jawgorat und ihre sechsjährige Schwester Dzennet. Morgen werden die Mädchen wieder in den Kindergarten gehen. Nur, wie lange noch? „Montessori“, sagt ihre Mutter Nadija stolz. Das kostet viel. Aber das „Sunnahüsle“ kam ihr sehr entgegen. Und für den Restbetrag geht sie putzen. Was das Zeug hält. Das sagt sie laut. Fast trotzig. „Das ist ein guter Kindergarten.“ In Dagestan gäbe es so was nicht. In Dagestan, sagt sie, „müssten wir im Keller sitzen“. In einem Land, das sich anschickt, allmählich zum islamischen Rechtssystem der Scharia überzugehen, haben moderne Muslime wie die Eldarovs nicht viel zu lachen.

Noch zeigt der achtjährige Budai stolz die schwarzen Punkte auf dem Handrücken. „Ich hab bei einem Wettrennen gewonnen in der Schule. Zusammen mit meinem Freund Salahaddin.“

Im Deutschkurs

Budai erzählt das in gutem Deutsch, während seine Mutter ihre Deutschmappe vom Sprachkurs etwas verschämt zur Seite räumt. „Die Tür, der Herd, das Messer . . .“ Ob sie den Kurs beenden darf ? Und wofür überhaupt? In Dagestan war sie Lehrerin. Ihr Mann hat Häuser gebaut und später Schützengräben ausgehoben. Aber seine Kollegen waren Wahabiten. Strenge Muslime. Nadija blättert im Wörterbuch: „Gedroht“, liest sie vor, „sie haben ihm gedroht.“

Familie Eldarov wartet seit fünf Jahren auf eine Entscheidung. Sie wurde einmal angehört im Asylverfahren. Das zweite Interview fand nie statt. „Wir wissen nicht warum“, sagt Martin Fellacher von der Caritas.

Aber jetzt sollen sie gehen. Eldar hätte sofort einen Job hier. Er ist „verlässlich, anständig und fleißig“, bestätigt Brigitte Penz und fügt an: „Für mich ist eine solche Vorgehensweise unvereinbar mit den ethischen Grundsätzen, die in diesem Land so groß geschrieben werden.“

Er ist verlässlich, anständig und fleißig. Ihm geht die Liebe zur Familie über alles.

Asylantrag wird behandelt

Wie am Dienstagvormittag bekannt wurde, wird die Familie Eldarov vorerst nicht abgeschoben. Die neu gegründete Asylkommission wird erstmals einschreiten, bestätigt deren Leiter Erich Schwärzler.

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