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Zeit im Bild, Notation, Film, Objekt

©Hronek
Bludenz. Die Tage zeitgemäßer Musik in Bludenz waren Hörreisen ins Innere bis ans Äußerste. Das Konzept von Kurator Alexander Moosbrugger das „Schriftbild" Neuer Musik näher zu beleuchten und Parallelführungen zu Film und Video aufzuzeigen, stößt auch beim Publikum auf Widerhall. Zum Abschluss des Festivals mit dem Kammerensemble „Neue Musik Berlin" füllte sich der Publikumsraum in der Remise zur Hälfte. Das wachsende Besucherinteresse an diesem vor zwei Jahren in Turbulenzen geratenen Festivals lässt auch für die Zukunft hoffen. Jedenfalls steht das Konzept auch schon für 2009.

Jean-Luc Hervès Stück „En découverte” für zwei Violinen und Live-Elektronik steht am Anfang des Abschlusskonzertes. Neue Klangwelten tun sich auf. Einzig der „Brummer” in der Elektronik stört. Salvatore Sciarrino verdichtet dann mit seinen drei Miniaturen für Kontrabass-Solo, Jazzschlagzeug, Flöte, Bassklarinette, Gitarre und Violine die Hörmomente, zeigt die unterschiedlichsten Tonfacetten auf und spricht von einem „Weißabgleich des Hörens”.
Wenn die Kamera Dinge auf vertraute Weise repräsentieren soll, dann muss ihr gezeigt werden, was „weiß” ist. Das „Weiß birgt Geheimnisse, die sich dem gewöhnlichen Blick (Ohr) meist verschließen.
Im Kinderbuch „The Snowy Day” blättert Thomas Meadowcrott mit seinen Einblendungen zu seinem gleichnamigen Stück für Kammerensemble und Videoeinblendungen. Dabei ist die Dauer der Bilder nicht mehr an die Geschwindigkeit gebunden, mit der ein Kind das Buch anschauen würde. Vielmehr bewegen sich die Bilder im Kontext zur begleitenden musikalischen Struktur.
Zwischen „real” und „irreal” pendelt sich die Bild-Tonperformance „not Queen” von Eliav Brand ein. Ein Hinterfragen von Sinnesbeeinflussung durch gleichzeitiges Hören und Sehen von Zeit-, Raum- und Tonverschiebungen.
William Engelens „Fensterpartitur für Ensemble” ist für die Besucher auch noch beim Verlassen auf der Eingangsglasfassade der Remise visuell nachvollziehbar. Die graphische Partitur zerbricht die regelmäßige Gliederung der Fenster und durchkreuzt taktlos Riegel, Tafeln und grammatikalische Akzentuierung. Ein spannender Abend, ein erlebnisreiches Festival geht zu Ende.

Hronek

Raiffeisenplatz, 6700 Bludenz, Austria

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