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ZAMG schlägt Alarm: Unsere Gletscher schmelzen immer schneller

Österreichs größter Gletscher, die Pasterze, zerfällt
Österreichs größter Gletscher, die Pasterze, zerfällt ©ZAMG
Die Pasterze am Großglockner verlor innerhalb eines Jahres im Mittel zwei Meter an Eisdicke, die kleinen Gletscher am Sonnblick ebenfalls zwei Meter. Die Pasterzenzunge dürfte in den nächsten 40 Jahren völllig verschwinden.


2017 war ein schlechtes Jahr für Österreichs Gletscher. Die von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) regelmäßig vermessenen Gletscher in den Hohen Tauern gingen mit zehn Prozent weniger Schnee aus dem Winter, und schmolzen im heißen Sommer extrem stark.

Bis zu zwei Meter weniger Eisdicke auch am Sonnblick

„Dass die Gletscher schmelzen erleben wir mittlerweile schon jedes Jahr, aber heuer waren die Massenverluste besonders hoch. Denn der Winterschnee war schnell verschwunden, und dann war das Eis über einen sehr langen Zeitraum ungeschützt der Sonnenstrahlung und der Wärme ausgesetzt”, sagt ZAMG-Gletscherexperte Bernhard Hynek. „Bei den Gletschern der Sonnblickgruppe hat das Goldbergkees heuer im Mittel 2,1 Meter Eisdicke verloren, das Kleinfleißkees 1,9 Meter. Die Werte an den Eispegeln liegen dabei im Mittel genauso hoch wie in den Rekordjahren 2003 und 2012. Die Prognose des Weltklimarats IPCC, dass bis zum Jahr 2100 rund 80 Prozent der Gletscherfläche in den Alpen verschwunden sein wird, kann man an den drei Gletschern in den Hohen Tauern derzeit gut nachvollziehen.”

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Pasterze zieht sich extrem schnell zurück

Die markante Gletscherzunge der Pasterze zerfiel auch heuer immer mehr, wie an den zahlreichen Gletscherspalten und -brüchen deutlich zu erkennen ist. „Der untere Bereich der Pasterze reicht bis rund 2100 Meter Seehöhe. Hier ist es mittlerweile so warm, dass der Gletscher im schuttfreien Bereich jedes Jahr rund zehn Meter an Eisdicke verliert. Egal, ob der Sommer auf den Bergen eher kühl oder warm ist”, so Hynek. „Wenn Besucher der Großglockner-Alpenstraße nach zehn Jahren wiederkommen, ist der schuttfreie Gletscherteil bereits 100 Meter weiter unten und über einen Kilometer weiter hinten im Tal.”

Warme Bäche verstärken Schmelze

Zusätzlich zur oberflächlichen Eisschmelze schmelzen die Gletscher auch von der Unterseite her. Dazu Gletscherexperte Hynek: „Wenn Regenwasser oder Schmelzwasser über von der Sonne angestrahlte Felsen rinnt, erwärmt es sich sehr stark. Fließt es anschließend wieder in den Gletscher ein oder unter dem Eis durch, schmilzt es den Gletscher von innenbeziehungsweise von der Basis her. Einige Einbruchzonen an der Pasterze und am Goldbergkees zeigen diesen Effekt deutlich. Kombiniert mit der oberflächlichen Schmelze entstehen so Absinkbeträge der Eisoberfläche von bis zu 20 Metern pro Jahr in diesen kleinräumigen Bereichen.”

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Exakte Messmethoden bis in den Zentimeterbereich

Die flächenhafte Messung der Absinkbeträge an der Pasterzenzunge wird ständig genauer. Für die Messungen 2017 verwendete die ZAMG in Zusammenarbeit mit dem arktischen Universitätszentrum UNIS und der Firma Snow Scan GmbH erstmalig einen 3D-Laserscanner der österreichischen Firma Riegl Laser Measurement Systems, der speziell für Schnee und Eis optimiert wurde. Damit sind Details bis in den Zentimeterbereich messbar. Durch Vergleichsmessungen von 2015 und 2012 können so die Absinkbeträge an der Pasterzenzunge für die letzten zwei bis fünf Jahre sehr genau berechnet werden.

Pasterzenzunge verschwindet in rund 40 Jahren völlig

Die Auswertungen zeigen, dass die Pasterze in den letzten fünf Jahren im Mittel 25 Meter an Eisdicke verloren hat. Das entspricht einer mittleren Eisdickenabnahme von fünf Metern pro Jahr. Im vorderen Bereich waren es teilweise über 60 Meter, im hinteren Bereich um die 20 Meter und im schuttbedeckten Bereich je nach Dicke der Schuttschicht 5 bis 20 Meter. Als Folge der hohen Einsinkbeträge hat sich auch der schuttfreie Gletscherteil seit 2012 um eine Länge von 600 Metern zurückgezogen.
Den mittleren Einsinkbeträgen von fünf Meter pro Jahr steht eine mittlere Eisdicke von ca. 100 Metern gegenüber, mit maximalen Eisdicken von derzeit noch 230 Metern. „Die Kombination von Eisdicken- , Ablationsmessungen und Computersimulationen erlaubt mittlerweile eine sehr gute Prognose über die Entwicklung der Pasterze” ,sagt ZAMG-Experte Bernhard Hynek. „Da die maximale Eisdicke derzeit bei nur noch rund 230 Meter liegt, kann man davon ausgehen, dass die Pasterzenzunge schon in 40 Jahren weitgehend verschwunden sein wird.”

(ZAMG/Red.)

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