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„Wollt ihr die totale Integration?“

Der deutsch-türkische Kabarettist und Cartoonist Muhsin Omurca sorgte für Aufregung und viele Lacher auf der TaS-Bühne.
Der deutsch-türkische Kabarettist und Cartoonist Muhsin Omurca sorgte für Aufregung und viele Lacher auf der TaS-Bühne. ©Emir T. Uysal
Muhsin Omurca über Kuscheltürken und Integration im Theater am Saumarkt.
Muhsin Omurca im TaS (2018)

Feldkirch Donald Trumps Föhnfrisur und eine verhüllte Freiheitsstatue: Um zu Beginn die Stimmung im Theater am Saumarkt zu lockern, fühlte Kabarettist Mushin Omurca mit selbst gezeichneten Comics der Weltpolitik auf den Zahn. Ungeniert, sarkastisch und mit Selbstironie ging es weiter: „Wenn Türken etwas erfinden, dann weiß es sofort das ganze Dorf. Die Deutschen hingegen rennen sofort ins Patentamt.“ So präsentierte Omurca Erfindungen seines Onkels, wie den mobilen Aschenbecher, den ersten Uhu-Butter-Beschmierstick und das islamische Kondom – natürlich vorne beschnitten. Auch das Burka-Auto wurde mittlerweile entwickelt. Doch gibt es hierfür einen Markt? „Ja, in Saudi-Arabien dürfen Frauen jetzt Auto fahren“, führt der Komiker aus.

Hochzeiten in der Oper?
Weiters zog der 58-Jährige die Liebe zu Hunden durch den Kakao. Generell drehe sich hier alles um die Tierwelt, auch in der Sprache. Als Neo-Deutscher hörte er vor 20 Jahren erstmals die Redewendung „Die Sau rauslassen“. „‚Wo ist die Sau?‘, habe ich Werner gefragt. ‚In ihm selbst‘, meinte Werner. „Und ich habe ihn als Muslim schon geküsst. Ist das jetzt Sünde?“ Daraufhin attackierte er die deutsche Sprache: „Artikel sind bedeutungslose Füllwörter. ‚Die‘ Hose zieh ich als Mann an, ‚der‘ Rock ist für die Frau, ‚die‘ Türkei ist als Männergesellschaft weiblich und warum heißt es ‚das‘ Mädchen?“ Als Vater des Migrantenkabaretts in Deutschland und noch nicht anerkannter „Integrationsexperte“ wird Omurca zu Integrations-Seminaren eingeladen. Dort kam die Frage auf, wie man mehr Türken in die Oper bringt. „Hey! Man soll keine schlafenden Türken wecken. Wallah! (Ich schwöre bei Gott.)“ Sobald die Türken die pompösen Gemäuer für sich entdecken, werden sie diese als Hochzeitsäle „missbrauchen“. „Wollt ihr die totale Integration?“, stellte Omurca in den Raum.

Integration à la Ikea
Sein Vater ist seit einem Jahr deutscher Staatsbürger, Omurcas Bruder Ali bereits seit 13 Jahren. Allein seine Mutter blieb stur Türkin. „Ich mag meine Mama trotzdem. Türken sind ja auch nur Menschen.“ Um die Integration zu fördern, schlägt der Kabarettist ein Ikea im Baukastenprinzip vor: „Einfache Anleitungen mit Bildern!“ Mit etwas Farbe in der Kleidung wurden aus Burkaträgerinnen Nonnen. Aber um die Angst vor Ausländern gänzlich zu beseitigen, müsse man im Kindesalter anfangen. „Eltern geben ihrem Nachwuchs ja Kuscheltiere, um ihnen die Furcht vor Löwen oder Monstern zu nehmen. Warum keine Plüschtürken?“ Diese könne man noch mit einem Tamagotchi-System ausstatten. Ali-gotchi oder Emine-gotchi wären doch nette Alternativen. ETU

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