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Wo goht dr Präg wohl om?

Werbung von anno dazumal ...
Werbung von anno dazumal ... ©Gerhard Burtscher
Als mich der Max Salzgeber gestern beim Spar in Tschagguns fragte, wo denn „dr Heli omgoht“, wusste ich erst nicht, wen er meint. „Jo dr Präg, dr Optiker vo Schru“, setzte er nach und schüttelte den Kopf wegen meiner Begriffsstutzigkeit.

Mit weit aufgerissenen Augen beschrieb er mir, wie er vor zwei Wochen mit einer kaputten Uhr vor dem Laden stand „und niamad offa to hot.“

Ich konnte ihm erklären, dass mittlerweile wieder alles im Lot sei. Dass der Helmut Präg jetzt in den verdienten Ruhestand gegangen ist und dass ein jüngerer Mann sein Geschäft übernommen hätte. Als ich ihm dann auch noch verraten konnte, dass die Astrid und die Kerstin dabei geblieben sind und freundlich und kompetent wie immer auf ihn warten, haben seine Augen wieder geleuchtet. „Des ischt des Wichtigscht”, meinte er „und dr Neu wörd sicher o eppas könna, sos könnt der jo so an Lada ger net füahra.“ Ich erzählte ihm, wie positiv sich der Heli und die jungen Frauen noch vor Kurzem über den neuen Inhaber geäußert hätten und konnte ihn damit endgültig beruhigen. Auf jeden Fall wollte er„so schnäll wia mögli“ die Lage vor Ort prüfen.

Gemeinsam erinnerten wir uns an die Werbekampagne von vor fast zehn Jahren, als er, der Max und der Brüni auf dem Plakat an der Stallwand am Ortseingang von Schruns prangten, wie sie stolz wie zwei Gockel mit ihren neuen Sonnenbrillen vom Präg posierten. Sie waren für Wochen die Stars der Region und die Damenwelt hielt sich nur deshalb im Zaum, weil die Beiden mit anständigen Frauen verheiratet waren.

Auch für mich als Kinderfreund vom Heli ging mit seinem Weggang eine Ära zu Ende. Ich hatte Zeit meines Lebens mit keinem anderen Optiker zu tun und bin sogar in meiner Münchener Zeit zu ihm gegangen. Für meinen Vater, der sich noch kurz vor seinem hundertsten Geburtstag eine neue Brille eingebildet hatte, war der Heli der einzige Optiker, der für ihn vorstellbar war. Unvergessen Helis geduldige, gebetsmühlenähnliche Frage „Passts dr bessr asooo odr asooo?”, wenn man mit seiner monströsen, bleischweren Sehtestbrille vor den Schrifttafeln saß und keine Ahnung hatte, ob sooo oder sooo besser war.

Wie auch immer. Jetzt heißt das Geschäft MO Optik, und wenn man in die Auslagen sieht, spürt man bereits den neuen Wind. Die Schaufensterdeko ist ansprechend und luftig und das Lokal einladend wie eh und je. Also haben der Max und ich beschlossen, dem Alten einen genussvollen Ruhestand zu wünschen und dem Neuen ein gutes Gelingen seiner Pläne. „Wären unsere Renteneinkünfte etwas komfortabler“, haben wir noch gesagt, „hätten wir die Beiden noch einmal bei Bier und Blasmusik hochleben lassen“. So aber können wir nur hoffen, dass der Bürgermeister von Schruns irgendwann selber auf die Idee kommt. Noch wäre es nicht zu spät dazu.

 

 

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