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„Wo die Kinder sind, ist zu Hause“

Ayten und Nihat fühlen sich in Dornbirn zu Hause.
Ayten und Nihat fühlen sich in Dornbirn zu Hause. ©Karin Lässer
1968 kam der Vater von Nihat Erkaya als Gastarbeiter nach Vorarlberg. 1971 holte er seinen Sohn zu sich, der drei Tage später in der Stickerei Franz Mäser zu arbeiten anfing. 
Goldene Hochzeit

Eine große Herausforderung für den knapp 16-Jährigen, der in Dinar, einer türkischen Kleinstadt, mit sechs Geschwistern aufgewachsen war und nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule seinem Vater im Gastgewerbe half. Eine kleine Landwirtschaft versorgte die Familie mit Obst und Gemüse.

„Die erste Zeit in Dornbirn war sehr hart, ich hatte keine guten Schuhe oder einen warmen Mantel“, erinnert sich Nihat, „aber in die Familie Gasser wurde ich sehr freundlich aufgenommen. Ich bekam ein Zimmer, die Frau hat für mich gewaschen und auch gekocht, sie war eine gute Frau.“ Drei Jahre später wechselte Nihat zur Firma F.M. Rhomberg.

Hochzeit in Dinar

Ayten erlebte in Evciler eine schöne Kindheit mit ihrem Bruder und den zwei Schwestern. Wie viele Frauen in ihrem Dorf knüpfte sie nach der Schule in Heimarbeit Teppiche. Nihat kannte sie schon seit ihrer Kindheit, und die Hochzeit am 6. Oktober 1972 feierten die ganze Familie, Verwandte, Bekannte und Nachbarn vier Tage lang. „Es war ein schönes Fest“, erinnern sich die Jubilare, „im Garten waren Tische, Stühle und Bänke aufgestellt, und wer keinen freien Platz mehr fand, hat sich auf einem Teppich auf die Erde gesetzt.“

Nihat arbeitete weiter in Dornbirn und sah Ayten nur im Urlaub. Die Nachricht, dass er Baba wird, und die Geburt ihrer Tochter Fahriye 1974 erfüllten ihn mit großer Freude, und sein Wunsch, die Familie bei sich zu haben, wurde immer größer. 1976 schloss er glücklich Frau und Tochter in die Arme. Bald stellte sich weiterer Nachwuchs ein. Tochter Fikriye kam 1978 zur Welt, Tochter Funda 1981 und Sohn Murat 1986. In der oberen und unteren Langegasse wohnte die Familie viele Jahre, seit vier Jahren ist die Negrellistraße das Zuhause der Jubilare.

Erfülltes Leben

Bis zur Pension war das Leben des Paares mit Arbeit und den Bedürfnissen der Familie gefüllt. Nihat arbeitete nach acht Jahren bei der Firma Rhomberg 18 Jahre bei J.M. Fussenegger und wechselte dann bis zur Pensionierung zur Firma Otten in Hohenems. „Ich habe in diesen Jahren viel über Textilien gelernt und gut verdient“, berichtet Nihat. In der Näherei bei J.M. Fussenegger war Ayten von 1979 bis 1983 beschäftigt.

Fahrijye lebt inzwischen in Wien, Fikeriye in Stuttgart, Funda und Murat in Lustenau. „Unsere Kinder und acht Enkel haben die österreichische Staatsbürgerschaft, sind zweisprachig, haben gute Berufe und sind gute Schüler, das macht uns sehr stolz“, freuen sich Ayten und Nihat. Wie sie selber, fahren auch sie gerne jedes Jahr in die Türkei auf Urlaub.

Neue Heimat

Für Ayten und Nihat ist Vorarlberg zur zweiten Heimat geworden. „Früher hätte niemand daran gedacht, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Es ging nur ums Geldverdienen. Ich habe einen Deutschkurs gemacht und nicht daran gedacht, mehr zu lernen, das tut mir heute leid“, erklärt Nihat.

Beiden geht es gut und Nihat meint lachend, dass das so ist wie bei einem alten Auto, immer gibt es kleine Fehler, einmal ist es der Blutdruck, einmal zwickt es da, dann wieder dort. Gesundheit ist auch alles, was sich die Jubilare für die Zunft wünschen, und natürlich auch, dass es der Familie gut geht. „Wenn Kinder oder Enkel zu Besuch kommen, ist das für uns immer ein Festtag. Ayten kocht Bulgur, Hennele und bäckt Fladenbrot“, erklärt Nihat. „Es braucht keinen besonderen Anlass dafür, wie etwa den Hochzeitstag.“ Denn wichtig ist ihnen nur, dass sie zusammen sind, und das haben sie die letzten 50 Jahre bestens gemeistert. 

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