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Wirtschafts-Frauen für flexiblere Arbeitsformen

FiW: Flexible Arbeitszeiten sind Modell der Zukunft.
FiW: Flexible Arbeitszeiten sind Modell der Zukunft. ©Bilderbox/Symbolbild
Feldkirch. Ein Nein zur Verkürzung der Arbeitszeit kommt von Frau in der Wirtschaft (FiW) - stattdessen plädiert man für flexiblere Arbeitsformen, die gerade bei Frauen auf breite Zustimmung stoßen würden.

Frau in der Wirtschaft spricht sich gegen die aktuell öfters ins Spiel gebrachte Arbeitszeitverkürzung aus: Eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich ist schädlich für den Wirtschaftsstandort und geht völlig an der Realität vorbei”, betont Evelyn Dorn, Vorsitzende von FiW Vorarlberg. Vielmehr plädiere man für mehr Flexibilität, was die Arbeitszeiten angeht. Wie die betriebliche Praxis immer wieder zeige, sei der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten gerade bei Frauen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Thema Nummer eins haben, groß.

Vorgelegt wird ein Fünf-Punkte-Programm, in dem beispielsweise vorgeschlagen wird, es solle möglich sein, auch die neunte und zehnte Arbeitsstunde nicht als Überstunde, sondern als Normalarbeitszeit zu verrechnen. Zudem solle es in bestimmten Fällen auch erlaubt sein, länger als diese zehn Stunden zu arbeiten. Oft würden Unternehmen und Arbeitnehmerinnen bereits gute Lösungen miteinander finden, dennoch hake es immer wieder an gesetzlichen Rahmenbedingungen.

“Die Arbeitswelt erfordert praxisnahe, effiziente und hilfreiche Regelungen. Daher gilt es, mehr individuelle Spielräume zu schaffen und diese im Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmerinnen umzusetzen“, betont Evelyn Dorn abschließend.

“Frauen für dumm verkauft”

Neu sind diese Forderungen allerdings nicht. Bereits im Oktober 2013 hatten die WKO-Frauen eine Aufweichung der gesetzlichen Bestimmung gefordert. Schon damals gab es Widerstand von ÖGB und Arbeiterkammer. Die Umsetzung der Forderungen bedeute ihrer Ansicht nach vor allem eines: weniger Geld für noch mehr Arbeit, es wäre eine “Win-Situation nur für Arbeitgeber”.

Der Präsident der Vorarlberger Arbeiterkammer, Hubert Hämmerle, ortete damals eine “ordentliche Portion Zynismus” in dem Vorschlag, die berufstätigen Frauen sollten wohl für dumm verkauft werden. (“WKÖ-Frauen fordern flexiblere Arbeitszeiten – massive Kritik, 22. Oktober 2013)

Die fünf Forderungen der FiW im Überblick

1. Durchrechnung der Arbeitszeit
Derzeit kann eine Durchrechnung der Arbeitszeit, z.B. lange/kurze Wochen, nur auf der Grundlage eines KV-Modells durchgeführt werden. Der gesetzliche Spielraum wird in den KV jedoch nicht oder nur teilweise genutzt. FiW fordert eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes, wonach die Durchrechnung auch mittels Einzelvereinbarung festgelegt werden könnte. Damit könnten Arbeitnehmer einfach zwischen unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten wechseln.

2. Änderung der Zuschlagspflichten bei Zehn-Stunden-Tagen
Derzeit sind bei einem Zehn-Stunden-Tag die neunte und zehnte Stunde als zuschlagspflichtige Überstunden abzurechnen (Ausnahmen bei Gleitzeit und 4-Tage-Woche). Obwohl per Gesetz möglich, sind auf KV-Ebene kaum Fortschritte zu bemerken. FiW fordert, die tägliche Normalarbeitszeitgrenze auf zehn Stunden zu erhöhen – unter grundsätzlicher Beibehaltung der wöchentlichen Normalarbeitszeit von vierzig Stunden pro Woche. Somit wären die neunte und zehnte Stunde keine Überstunden und damit zuschlagsfrei.

3. Mehr Flexibilität bei Höchstarbeitszeiten
Die tägliche Höchstarbeitszeit beträgt derzeit zehn Stunden. Nur unter sehr restriktiven Bedingungen darf länger gearbeitet werden. Zumindest für bestimmte Fälle und Arbeitsplätze geringer Belastung sind die Spielräume, mehr als zehn Stunden zu arbeiten, zu erweitern.

4. Homeoffice – Bestimmung zu Ruhezeiten anpassen
Derzeit gilt ein grundsätzliches Beschäftigungsverbot an Samstagen (ab 13 Uhr) und an Sonntagen (0-24 Uhr), wobei eine durchgehende Ruhezeit von 36 Stunden eingehalten werden muss. Unter der Woche gilt eine Ruhezeit von elf Stunden (in KV auf acht Stunden reduzierbar). Das geltende Recht schränkt die flexible Zeiteinteilung bei Teleworking stark ein. FiW fordert die Verringerung der gesetzlichen Ruhezeiten bei Teleworking. Dies sollte auch ohne KV-Regelung mit Einzel- bzw. Betriebsvereinbarung möglich sein. Die Gesamtarbeitszeit bleibt davon unberührt.

5. Homeoffice – Ausnahme von Überstundenzuschlägen am Abend
Zahlreiche Kollektivverträge sehen ab einer gewissen Uhrzeit, meist ab 20 Uhr, Nacht- oder erhöhte Überstundenzuschläge vor. Bei Teleworking kann die Arbeitszeit flexibel eingeteilt werden, d.h. die Arbeitnehmer beginnen beispielsweise erst abends zu arbeiten. Hier soll es Ausnahmen für Telearbeit geben.

 

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