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Wieviel Zukunft hat Hämmerle?

Lustenau - Reichlich widersprüchlich stellen sich derzeit jene Einschätzungen dar, ob und in welchem Umfang ein Fortbestand von F. M. Hämmerle Textil wahrscheinlich ist.

Während Masseverwalter Dr. Wilhelm Klagian gestern auf „VN“-Anfrage dazu meinte, dass „es gut für eine Gesamtfortführung durch einen der drei Gesamtübernahme-Interessenten aussieht“, kann sich einer der versiertesten Branchenkenner im Land, Getzner Textil-Vorstandschef DI Georg Comploj, „dezidiert nicht vorstellen, wer in der augenblicklichen Situation Interesse an den Hämmerle-Kapazitäten haben könnte“.

Nur Rosinen rauspicken

Klagian sprach gestern ausdrücklich von einem „seriösen Fortführungs-Interesse“ seitens der drei Komplett-Interessenten. „Etwas anderes ist es bei jenen Namen, die offiziell nur gewisse Teile aus der Masse herauskaufen wollen. Einigen geht’s da offenbar um die besten Fachleute aus der Hämmerle-Crew, die sie gut in ihrer Firma brauchen könnten, anderen um Hämmerle-Knowhow, wieder anderen um Schnäppchen aus der Masse. Im Grunde sind es Konkurrenten, die nur warten, bis F. M. Hämmerle tot ist“, hat sich Klagian offenbar schon ein Bild von den Teilinteressierten gemacht. „Auf der Betriebsversammlung, die wir aus Urlaubsgründen von Montag auf Dienstag (19. August) verschoben haben, möchte ich der Belegschaft jedenfalls den neuen Komplettübernehmer namhaft machen können“, ist Klagian vom Zustandekommen dieser Variante offenbar weiter überzeugt.

Da klingt Georg Comploj, dessen Getzner Textil AG übrigens „nicht unter den Bietern ist“ (Comploj), schon weit reservierter. „Ich kann, in Kenntnis der weltweiten Überkapazitäten in dem von Hämmerle abgedeckten Sektor und auch des dramatischen Rückganges der globalen Textilumsätze, mir nur vorstellen, dass sich der eine oder andere Player zwar offiziell als Gesamtinteressent deklariert, er letzten Endes so aber nur Informationsbeschaffung betreibt. Denn natürlich gibt es, von den Kundenlisten einmal abgesehen, schon interessante einzelne Segmente und Details beim insolventen Traditionsunternehmen“, relativierte der Insider.

Interessante Segmente

Und welches könnten diese „Objekte der Begierde“ sein? Comploj: „Hämmerle verfügt noch über eine funktionierende Garnfärberei – so wie in Österreich eigentlich nur noch Heinisch und zwei, drei deutsche und Schweizer Textiler. Auch in der Pigment-Stückfärberei besitzt Hämmerle unbestrittenes Spezial-Knowhow, und auch das kleine Bettwäsche-Segment kann für einzelne Akteure seinen Reiz haben“, signalisierte der Getzner-Chef guten Wissensstand über die Dornbirner. Für den Namen bzw. die Marke F. M. Hämmerle muss dagegen niemand mehr seine Akquisitionskasse bemühen: Die gingen bekanntlich schon vor gut zwei Jahren im Joint-Venture mit der indischen Vardhman Polytex Ltd. auf (die „VN“ berichteten).

Fazit für Comploj: „Ich tue mir wirklich schwer zu erkennen, welche Werte hier noch eine Gesamtfortführung des Unternehmens rechtfertigen könnten. Wenn eine solche Konstellation Sinn ergäbe, hätte sie der ,schlaue Fuchs’ Hahnl längst selbst umgesetzt. Aber der hat ja selbst als Insolvenzursache angegeben, dass es hinten und vorne an Aufträgen mangelt.“

Das tut es übrigens der Textilbranche insgesamt. Galoppierende Verbraucherpreise und entsprechend geschrumpfte Realeinkommen führten europaweit dazu, dass heuer die Importe aus den Textil-Billigproduktionsländern in die EU erstmals deutlich rückläufig sind. „Es steht für Textilien einfach überall weniger Geld zur Verfügung“, brachte Comploj den Status quo auf den Punkt. Bezogen auf Getzner Textil, die sich dem Trend selbstverständlich auch nicht entziehen kann, heißt das laut Vorstandsvorsitzendem, dass „wir statt unserer budgetierten 6 Prozent Umsatzwachstum 2008 wohl nur das Niveau von 2007 erreichen dürften“. Für die 690 Getzner-Beschäftigten in Bludenz habe das jedoch „bis auf weiteres keine Auswirkung“.

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