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„Wie viele Kinder müssen noch den Hitzetod sterben?“

WANN & WO durfte Elias zum Grab seines Sohnes begleiten.
WANN & WO durfte Elias zum Grab seines Sohnes begleiten. ©W&W/Begle
Wann & Wo sprach mit Elias (19) aus Nenzing, der unverschuldet vor einem Jahr seinen 19 Monate alten Sohn Manuel verlor.
Hitzetod: Mutter vor Gericht

Von Martin Begle/Wann & Wo

Im August 2017 starb der kleine Manuel in einem geparkten Auto den Hitzetod. In wenigen Tagen beginnt der Prozess, in dem seine Mutter und ihr Partner, die damals die Aufsicht für das Kleinkind hatten, vor Gericht stehen. „Als ich den WANN & WO-Artikel mit dem Selbsttest im Auto gesehen habe, bin ich zuerst erschrocken“, erzählt Manuels Vater Elias, der sich trotzdem an die Junge Zeitung wandte, um seine Geschichte, bzw. die seines verstorbenen Sohnes zu erzählen. „Ich finde es gut, wenn das jemand so plakativ macht. Offenbar braucht es das, damit die Leute aufwachen. Die Warnungen, dass man Kinder an heißen Tagen nicht im Auto lassen soll, hört und liest man jedes Jahr aufs Neue. Trotzdem passiert es immer wieder. Wenn dieses Schicksal dadurch, dass ich Manuels Geschichte erzähle, nur einem Kind erspart bleibt, hat der Artikel seinen Zweck bereits erfüllt“, stellt Elias klar.

„Konnte es nicht glauben“

Die traurige Nachricht, dass sein 19 Monate alter Sohn in der Hitze in einem geparkten Auto sein Leben verlor, überbrachte das Kriseninterventionsteam. Elias erinnert sich: „Meine Mama wurde vom KIT von der Arbeit abgeholt, weil ich nicht erreichbar war. Sie weinte, als sie mit ihm nach Hause kam. Da ich schon am Tag zuvor ein komisches Gefühl hatte, fragte ich sofort, was mit Manuel passiert sei. Was sie mir dann erzählten, konnte ich im ersten Moment überhaupt nicht glauben. Mein Kind wurde mir vom einen Tag auf den anderen genommen. So habe ich meinen Sohn das letzte Mal in einem offenen Sarg liegend gesehen.“

Viel Unterstützung

Dieser Tag im August 2017 werde ihn ein Leben lang begleiten, ist sich Elias sicher: „An diesem Tag ist ein Teil von mir gestorben. Ich denke jeden Tag an Manuel. Besonders sein Geburtstag, der 29. Dezember, ist sehr hart für mich. In so einer Situation sieht man, wer wirklich zu einem hält. Ich bekam viele Beileidsbekundungen, auch von Leuten, die mich nicht gekannt haben“, erzählt Elias. „Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie ich das überstanden habe. Mein Taekwondo-Verein in Bludesch hat mich sehr unterstützt, wie auch mein Chef und natürlich mein privates Umfeld. Dafür bin ich sehr dankbar, denn alleine hätte ich dafür nicht die Kraft gehabt.“ Noch heute sei er nicht in der Lage, sich in ein heißes Auto zu setzen, das in der Sonne gestanden hat. An Manuels Grab, dessen Umrandung der Tischlereitechniker in Ausbildung selbst gemacht hat, besucht er ihn täglich und möchte ihm zeigen, dass ihn sein Papa nie vergessen wird. „Ich habe die Hälfte eines Herzens, auf dem sein Name steht. Er trägt im Sarg die andere Hälfte mit ,Papa‘, als Zeichen, dass diese Verbindung immer bleibt.“

„Hätte alles für ihn getan“

Da er schon mit 16 Vater wurde, wehrt sich Elias entschieden gegen das Klischee, das viele von jungen Eltern haben. „Ich liebe meinen Sohn über alles und wollte beweisen, dass auch ein junger Papa so eine Verantwortung tragen kann. Da ich selbst nie einen Vater hatte, wollte ich das unbedingt richtig machen und immer für ihn da sein. Ich kenne viele junge Vorbild-Eltern und auch ich hätte alles für Manuel getan. Für ihn habe ich meine ganze Lebensplanung geändert. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an ihn. Wie er laufen gelernt hat. Dass ihm seine Oma gezeigt hat, wie man einen Purzelbaum macht. Wie er ,Papa‘ zu mir sagte. Oft träume ich von ihm. Sein Körper mag weg sein, aber für mich ist Manuel immer noch da.“

„Wann lernen es die Leute?“

Obwohl Meldungen, wie jene über den Tod des 19 Monate alten Manuel, mit erschreckender Regelmäßigkeit in den Medien sind, passiert es immer wieder, dass Eltern ihre Kinder an heißen Tagen alleine im Auto lassen. „Wie viele Kinder müssen noch sinnlos den Hitzetod sterben, dass die Leute das endlich ernst nehmen?“, fragt Elias, der aus diesem Grund von Manuels Schicksal erzählt. „Klar sind solche Meldungen hart, aber scheinbar muss es noch plakativer und brutaler werden, denn die Leute lernen es nicht anders.
Jeder, der das auf die leichte Schulter nimmt und sich vielleicht denkt, die paar Minuten machen ja nichts, sollte sich schämen! Es kann immer etwas passieren, durch das noch weitere Minuten hinzukommen und wie man im W&W-Test gesehen hat, steigt die Temperatur in einem Auto extrem schnell an. Warum unterschätzen nach wie vor so viele diese Gefahr?“, bringt Elias sein Unverständnis zum Ausdruck.

„Für alle, die das lesen“

„Ein Kind alleine im Auto zu lassen, finde ich absolut unverantwortlich. Angegurtet im Kindersitz, ist es so einer Situation hilflos ausgeliefert. Der kleine Körper reagiert auf die Hitze und die gestaute Luft noch viel extremer, als der eines Erwachsenen. Hinzu kommt, dass so ein Kindersitz meistens mit einer Decke gepolstert, also überhaupt nicht gut durchgelüftet ist. Plastikteile im Auto heizen sich so stark auf, dass man sich daran verbrennen kann. Wenige Minuten können da zwischen Leben und Tod entscheiden.“ Elias wäre, wie er sagt, der Erste, der in so einem Fall sofort eine Scheibe einschlagen würde. „Manuel auf diese Weise zu verlieren, hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Für alle, die das lesen, kann ich den Appell nicht oft genug wiederholen: Bitte lasst eure Kinder nicht alleine im Auto – egal, wie kurz oder wie harmlos euch die Situation erschienen mag!“

Mehrere Stunden allein im Auto

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Der tragische Vorfall, durch den der 19 Monate alte Manuel am 15. August 2017 sein noch so junges Leben verlor, bewegte ganz Vorarlberg. Es war einer der heißesten Tage im August und das Kleinkind war mehrere Stunden alleine in einem geparkten Auto. Als die Kindsmutter (17) und ihr Partner (20) das bemerkten, kam jede Hilfe zu spät. Manuel war der tödlichen Hitze zum Opfer gefallen.

40° Celsius beim Selbsttest

Faksimile: W&W
Faksimile: W&W ©Faksimile: W&W

WANN & WO machte kürzlich den Selbsttest, in dem sich ein Redakteur unter kontrollierten Bedingungen der Hitze im Auto aussetzte. Innerhalb kurzer Zeit stieg die Temperatur auf über 40° Celsius an.

(WANN&WO)

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