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„Wie ein Taler mit zwei Seiten“

Auch die kleine Händlerinnen Chiara, Martina, Angelika, Carolina, Lucia und Maria hatten ihren Spaß.
Auch die kleine Händlerinnen Chiara, Martina, Angelika, Carolina, Lucia und Maria hatten ihren Spaß. ©Bianca Nekrepp
Keine Handelsware oder Second Hand gab es beim TALENTE-Markt in Hohenems.
TALENTE-Markt in Hohenems

Hohenems. „Geld ist, was eine Gemeinschaft als solches vereinbart.“ Diesen Leitsatz von Bernard Lietaer lebt der Verein „Talente – Netzwerk für faire Ökonomie“. Vorarlbergweit zählt der Verein 550 Mitglieder und Unterstützer. „Talente sind einerseits Fähigkeiten, andererseits ist es eine Verrechnungseinheit, eine alternative Währung, eine sogenannte Komplementärwährung“, erklärt Mitglied Gertraud Gächter.

400 Gäste in Hohenems

Beim TALENTE-Markt in der Landwirtschaftsschule Hohenems wurde den Besuchern diese Philosophie vorgelebt und nähergebracht. „Das ist ein reiner Kunsthandwerksmarkt“, führt Gächter weiter aus. „Hier dürfen die TALENTE-Mitglieder keine Handelsware oder Second-Hand-Artikel anbieten. Nur ‚seal gmachts‘ ist erlaubt.“

Insgesamt waren 50 Aussteller in der Schule auf zwei Geschosse verteilt. Der Markt ist eine Euro-freie Zone, Nichtmitglieder konnten „Talente“ an der Bonkassa erwerben. „Der Markt in Hohenems findet zwei Mal im Jahr statt“, freut sich Obmann Gernot Jochum-Müller. „400 Gäste sind dieses Mal gekommen, um das ein oder andere Weihnachtsgeschenk schon vorab zu besorgen.“ Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag vor Palmsonntag statt.

Wir zahlen mit „Talenten“

Das Talent als Fähigkeit und Talent im Sinne einer alternativen Währung, einer sogenannten Komplementärwährung – dem Verein ist es gelungen, beides zusammenzubringen. Als größtes Tauschsystem im mitteleuropäischen Raum ist Talente Vorarlberg heute Vorreiter und wichtiger Impulsgeber. Der Verein gibt seinen Mitgliedern Raum für ihre Talente und Fähigkeiten, um mehr von dem zu tun, was sie gut können und gerne tun. „Damit stiften sie Nutzen für sich und andere in Form von Dienstleistungen und Waren.“

Das „faire Geld“

Der Ausgleich erfolgt über das Zahlungsmittel TALENT. Das so geschaffene Geld, und folglich die Geldschöpfung entstehen durch demokratische Regeln und dezentral in einer Region. Für die Verbuchungen hat jedes Mitglied ein „TALENTE-Konto“, vergleichbar mit einem Bankkonto. TALENTE haben einen Unterschied: es fallen keine Zinsen an, weder für Guthaben, noch für Überziehungen. Es gibt keine Spekulation und kein Verschieben von Geld in Steueroasen. „Ein System, das Gemeinschaftsbildung anregt, statt Ausgrenzung wie bei der sonstigen Geldwirtschaft, bei der immer weniger Nutznießer am Tisch sitzen“, meint Jochum-Müller. „Wir leben die Praxis eines Modells, das keinen Wachstumszwang kennt und jedem Zugang zu dieser Form von Geld ermöglicht. Faires Geld also.“

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