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Wie die CoV-Pandemie das Suchtverhalten verändert

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Für die Suchtfachstellen der Caritas gibt es derzeit viel zu tun. Doch wie verändert die Corona-Pandemie das Suchtverhalten?
Caritas: Suchtfalle Corona
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Die Psyche in der Krise

Durch Corona und die damit verbundenen Einschränkungen wurden die Lebenswelten für uns alle kleiner, beziehungsweise habe sich das Leben mehr in die eigenen vier Wände verlagert, schildert Monika Chromy, Fachbereichsleiterin der Suchtarbeit der Caritas Vorarlberg. "Viele Familien mussten oft auf engstem Raum ständig zusammenleben. Dadurch sind auch Verhaltensweisen, wie beispielsweise ein hoher Alkohol- oder Cannabis-Konsum oder auch Essstörungen Angehörigen mehr aufgefallen als sonst." Die Folge: Problemlagen in Familien wurden so viel stärker bewusst und führten zu Reaktionen des Umfelds.

Verstärkter psychischer Druck

Auch das gestiegene Gefühl der gesellschaftlichen Verunsicherung und die persönlichen Sorgen durch fehlende Planungssicherheit verstärkten den psychischen Druck. "Ängste, Sorgen um die Existenz, der Wegfall wichtiger sozialer Kontakte und damit verbunden ein Gefühl der Einsamkeit lässt zunehmend Menschen Ersatz suchen", erklärt die klinische Psychologin Linda Dreher-Bilgeri, die Leiterin der Suchtfachstellen im Oberland. Aus Mangel an alternativen Bewältigungsstrategien sei der Weg zu Alkohol oder Medikamenten nicht weit. Diese problematischen Verhaltensmuster sind aber keine Lösung.

Menschen suchen zunehmend Ersatz in der Sucht. Bild: VOL.AT/Mayer

Sprunghafte Zunahme der Zahlen

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 war eine Stagnation der Neuanfragen zu verzeichnen. Das Arbeitspensum blieb jedoch gleich, denn bereits in Begleitung befindliche Klienten brauchten in der Krisensituation wesentlich mehr Zeit und Unterstützung. Die durchschnittliche Betreuungszeit stieg um ein Fünftel an. "Jetzt erleben wir eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage nach unseren Betreuungsangeboten - im ersten Quartal erhöhte sich die Zahl der Kontaktaufnahmen im Vergleich zum Vorjahr sehr deutlich um 65 Prozent", so Chromy.

Angehörige auch im Blick

Sowohl direkt Betroffene, als auch deren Angehörige finden bei der Caritas Suchtberatung kostenlose Hilfe und Unterstützung von Fachleuten. Auf Wunsch mit kurzfristiger Terminvergabe oder auch anonym. "Auch, wenn der suchtkranke Mensch vielleicht keinen Wunsch nach Veränderung verspürt, so können Angehörige dennoch etwas bewirken", so die beiden Suchtexpertinnen. Angehörige würden oft stärker als der Betroffene selbst leiden. So müssen sie beispielsweise - unabhängig von der Abhängigkeit des Partners - für sich und die Kinder sorgen. Der Versuch, die Sucht des Angehörigen zu verstecken, sei eine enorme Belastung. Es gelte, sich auf sich selbst zu konzentrieren und sich selbst Hilfe und Gesprächspartner zu suchen, macht Monika Chromy Mut, Hilfe von außen zu holen.

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(Red.)

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