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So geht das LKH Rankweil mit der Covid-Pandemie um

©KHBG, VOL.AT/Mayer
Wie ist die aktuelle Lage in Vorarlbergs Krankenhäusern und wie geht man am LKH Rankweil mit Covid-19 um?
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NEU

In Vorarlbergs Spitälern ist es spürbar ruhiger geworden. Der seit dem Höchststand im November sinkende Trend bei Neuinfektionen und Hospitalisierungen hat sich im neuen Jahr weiter fortgesetzt. Der befürchtete Anstieg der Infektionszahlen infolge der Weihnachtsfeiertage blieb aus. Derzeit werden noch 47 Covid-Erkrankte stationär versorgt – elf davon intensivmedizinisch. Die Entwicklung der Infektionslage erlaubte weitere Schritte in Richtung Normalbetrieb: Noch im Laufe der Woche werden alle Krankenhäuser im Land den Vollbetrieb der OP-Säle aufnehmen. Wie lange das Besuchsverbot noch bestehen wird ist weiterhin unklar.

Entschleunigung und Depression

Als Zentrum für Psychiatrie und Neurologie nimmt das LKH Rankweil eine Sonderrolle ein. Viele Menschen werden hier aufgrund einer psychischen Erkrankung betreut. Diese werden auf dem Weg zurück in den Alltag unterstützt. Als das Virus vor knapp einem Jahr nach Österreich kam, wusste man in Rankweil nicht, was auf das LKH zukommen würde. Zuerst einmal nahm die Zahl der neuen Patienten überraschend ab. "Alles war neu, unbekannt", erinnert sich Primar Dr. Jan Di Pauli, Chefarzt in Rankweil. "Menschen am Rande des Burnouts erlebten fast eine gewisse Entschleunigung." Das und der Umstand, dass niedergelassene Ärzte möglichst lange selbst behandelten, habe zu deutlich weniger Neuaufnahmen geführt. "Mit Fortschreiten der Pandemie haben wir allerdings festgestellt, dass sowohl Depressionen, als auch Alkohol- und Suchterkrankungen zunehmen." Aktuell gibt es wieder mehr Zulauf. Häufig hängt der Auslöser unmittelbar mit Corona zusammen – sei es in Folge sozialer Isolation, des Verlustes des Arbeitsplatzes oder der hohen körperlichen und psychischen Belastung gewisser Berufsgruppen.

Veränderung über Nacht

Die Corona-Krise hat die Rahmenbedingungen in Rankweil förmlich über Nacht verändert. So mussten Therapien und Angehörigengespräche eingeschränkt beziehungsweise telefonisch durchgeführt werden. So fielen wichtige sozialpsychologische Werkzeuge weg – etwa auch Wochenendausgänge, die bisher bei der Beurteilung halfen, wie gut Betroffene sich außerhalb des Krankenhauses zurechtfinden. Zudem erschwerte das Maskentragen die Arbeit mit den Klienten. "Das Gesicht nur zur Hälfte zu sehen, macht es für uns Psychiater ganz schwierig, die Psyche eines Menschen einschätzen zu können", erklärt Dr. Di Pauli. Umgekehrt würden auch viele Patienten, speziell verwirrte Menschen, massiv darunter leiden.

Die Spitäler informierten am Donnerstag über die aktuelle Lage. Bild: VOL.AT/Mayer

Intensive Pflege

Auch die Besucherregelungen haben in Rankweil andere Auswirkungen. Unter den Patienten sind vergleichsweise viele Langlieger, so etwa Schlaganfallpatienten auf Reha. "Plötzlich gar keinen Besuch mehr zu bekommen, wie im ersten Lockdown, oder nur noch einmal wöchentlich von einer Person, stellt eine emotionale Belastung dar", erklärt Pflegedirektorin Elke Kovatsch. Für ihre Mitarbeiter, die so nah am Mensch seien, sei es nicht einfach mitzuerleben, wie sehr die Patienten und ihre Angehörigen unter all diesen Einschränkungen leiden, und ihnen dabei keinerlei Perspektiven aufzeigen zu können. Noch dazu habe sich der Aktionsradius drastisch verkleinert. Früher sei das Üben von Alltagssituationen, vom Verhalten in der Gruppe bis um Busfahren, fixer Bestandteil des Alltags gewesen, so Kovatsch. Unternehmungen außer Haus sind nicht mehr möglich, daher entsteht bei vielen Patienten das Gefühl, auf der Station eingesperrt zu sein.

Das pflegerische Qualitätsniveau trotz vieler Einschränkungen, erschwerter Bedingungen und reduzierter Ressourcen bestmöglich zu halten, verlangt von den Pflegekräften viel Kreativität und Professionalität ab. Dies bedeute viel zusätzlichen Aufwand und es gebe beim Personal immer wieder Ausfälle aufgrund von Covid-Infektionen oder Absonderung. Um auf akuten Personalmangel in Spitälern und Pflegeheimen im Land rasch reagieren zu können, installierte die Pflegedirektorin im Frühjahr gemeinsam mit den pflegerischen Ausbildungsstätten einen Schülerpool: So kann tagesaktuell au eine Aufstellung aller verfügbaren Auszubildenden zurückgegriffen werden. Kovatsch dankt allen Ausbildungsstätten für ihr Mitwirken und vor allem ihren zukünftigen Kollegen für ihre Bereitschaft, binnen kürzester Zeit ihren Arbeitsort zu wechseln und mitzuhelfen.

Backup fürs Notspital

Laut aktuellem Versorgungsplan werden im Sonderkrankenhaus Rankweil ausschließlich Patienten aus dem eigenen Fachbereich behandelt. Das gilt auch dann, wenn diese zusätzlich an Covid-19 erkrankt sind. In den beiden höchsten Eskalationsstufen ist das LKH dagegen das Backup für das Notversorgungszentrum. Das LKH übernimmt so zum Beispiel Covid-Patienten, die zum Beispiel aufgrund einer Demenzerkrankung erhöhten Pflegebedarf haben, dem im Notspital nicht nachgekommen werden kann. Im Herbst, als die Situation im Land sich zugespitzt hatte, wurden zu diesem Zweck zwei Stationen im Haus umgebaut. In Betrieb genommen wurden sie bisher noch nicht.

Es gelte, die Informationsflut zu managen, so Freilinger. Bild: VOL.AT/Mayer

Informationsflut managen

Die Spitäler würden in der Pandemie noch mehr als die Bevölkerung fast lawinenartig mit Informationen zu neuen Entwicklungen konfrontiert, so Verwaltungsdirektor Dr. Franz Freilinger. Als Krankenhaus müsse man den öffentlichen Versorgungsauftrag sicher stellen. Diese Informationsflut zu verarbeiten, verlange perfektes Management. Schließlich müssen alle Mitarbeiter bis ins kleinste Glied auf Stand gebracht werden, um die verordneten Maßnahmen umsetzen zu können. Mal müsse eine Station geschlossen oder verlegt werden. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und rigorosen Regelungen, die für die Belegschaft gelten, seien zum Schutz der Patienten sowie des Personals selbst alternativlos.

Mitarbeiter leisteten Unglaubliches

Seit einem knappen Jahr dreht sich im Arbeitsalltag in den Krankenhäusern alles um Covid-19. Die Pandemie hat über Jahre gewachsene Strukturen und Abläufe überfallsartig über den Haufen geworfen. Die Mitarbeiter hätten dabei Unglaubliches geleistet. Nach wie vor wird Spitälern ein Höchstmaß an Flexibilität abverlangt. Mit Fortschreiten der Pandemie zeigen sich nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch beim Gesundheitspersonal Ermüdungserscheinungen. Die Belastungen und Entbehrungen der vergangenen Monate machen sich bemerkbar. Die Menschen zum Durchhalten zu bewegen, ist eine große Herausforderung. Gerade jetzt sei es wichtig, nicht locker zu lassen und alles in der Macht stehende zu tun, um das Virus einzudämmen. Es bestehe eine Ungewissheit, welche Dynamik die Virusmutationen und eine weiter abnehmende Disziplin in der Bevölkerung ins Infektionsgeschehen bringen werden.

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(Red.)

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