Wettskandal weitet sich aus

Der Wettskandal in Italien weitet sich immer weiter aus. Von Staatsanwälten, Fahndern und Medien in die Enge getrieben, ist der mutmaßliche "Fußball-Pate" Luciano Moggi im ersten Verhör weinend zusammengebrochen.

Der Einfluss von Moggi soll bis in die Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung und Polizei sowie zum ehemaligen Innenminister Pisanu und Wirtschaftsminister Siniscalco gereicht haben. Außerdem wurde neben Juve-Torwart Buffon mit Udine-Stürmer Iaquinta ein zweiter Teamspieler in den Skandal hineingezogen. Die Vorwürfe im Skandal weiteten sich unterdessen auf die jüngste Saison aus. “Elf Meisterschaftsspiele stehen unter Manipulationsverdacht”, schrieb die “Gazzetta dello Sport” am Dienstag.

Von Staatsanwälten und Medien in die Enge getrieben brach Moggi im ersten Verhör weinend zusammen. “Was ich getan habe, habe ich für Juventus Turin getan”, sagte der Ex-Juve-Manager der Staatsanwaltschaft Neapel. Gleichzeitig betonte Moggi jedoch: “Ich bin unschuldig!” In Italien gebe es keine “Fußball-Mafia” und auch kein “System Moggi”, sagte der 68-Jährige zu den Staatsanwälten. Deren Bild von einer systematisch zu Gunsten von Rekordmeister Juventus Turin manipulierten Liga wird allerdings immer klarer: “Wir Schiedsrichter sind die Untertanen der Juve-Macht”, gestand Schiedsrichter Paparesta.

Als mutmaßlichem Drahtzieher werden Moggi mittlerweile fünf Straftaten vorgeworfen: Gründung einer kriminellen Vereinigung, Sportbetrug, Veruntreuung, Nötigung und Freiheitsberaubung. Einen Ausweg scheint Moggi selbst nicht mehr zu sehen. Alle Ämter hat er aufgegeben und der Justiz anscheinend seine Mitarbeit bei der Aufklärung angeboten.

Der einst schier allmächtige “Big Luciano” gibt nur noch ein Bild des Elends ab und Juve zittert. Trotz des 29. Titelgewinns stürzte die Aktie des von Titelaberkennung und Zwangsabstieg bedrohten Rekordmeisters an der Mailänder Börse am Dienstag erneut um mehr als zehn Prozent ab.

Teamchef Marcelli Lippi versucht, seine “Azzurri” vor der WM in Deutschland aus dem Skandal herauszuhalten. “Ich bin von Moggi nie unter Druck gesetzt worden”, bestritt der Ex-Juve-Trainer Moggis Einflussnahme auf seine Nominierungen. Auch Torwart Buffon konnte bisher glaubhaft machen, dass er nie illegal gewettet habe. Die Staatsanwaltschaft Turin hat ihn dennoch weiter im Visier. Und nun ermittelt auch noch die Staatsanwaltschaft Udine gegen Nationalstürmer Iaquinta und 13 weitere Fußballer wegen unerlaubter Wetten. Die “Squadra” rutschte damit am Dienstag wieder tiefer in den Skandal, den nun Jus-Professor Guido Rossi als neuer kommissarischer Leiter des Italienischen Verbandes (FIGC) lückenlos aufklären soll. “Eine schwere Aufgabe”, meinte der 75-jährige Rossi zu seiner neuen Aufgabe.

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