Wenn Musik Freundschaft spricht

Durch das Spiel von Christoph Hackenberg glänzte Haydns Seele aus den Augen der ihn verkörpernden Puppe.
Durch das Spiel von Christoph Hackenberg glänzte Haydns Seele aus den Augen der ihn verkörpernden Puppe. ©Verena Kogelnig
Das epos:quartett ließ den Dialog zwischen Haydn und Mozart widerhallen.
An meinen lieben Freund

Feldkirch Am vorigen Donnerstag und Freitag kehrte Joseph Haydn zurück ins Pförtnerhaus. Hatte er im vergangenen Herbst bereits einen großen Auftritt bei „Musik in der Pforte“ gehabt, plauderte er nun beim Konzert „An meinen lieben Freund“ nonchalant aus seinem Leben und erörterte die Entstehung seiner Streichquartette. Seine Rechte fand er dann doch zu kraftlos, um selbst die erste Violine zu übernehmen. Denn er war – mochte man dies auch leicht vergessen, so kunstvoll spielte Christoph Hackenberg seinen Part – nur eine Klappmaulpuppe. Bereits beim Theaterkonzert im September 2017 hatte Hackenberg vom Wiener Schubert Theater, welches Figurentheater für Erwachsene umsetzt, den Komponisten mit dieser Puppe ins Leben zurückgeholt.

Musikalische Zwiesprache

Wie bei der vorigen Produktion flößte das epos:quartett dem Auftritt seine musikalische Seele ein. Zu Verena Sommer (Violine), Francois Poly (Violoncello) und Klaus Christa (Viola) konnte der blasse, glanzäugige Haydn mit der charmanten Wiener Art Christine Busch gewinnen, die an seiner statt die erste Violine spielte. Im Text aus Originalzitaten schöpfend erhellte der noble Komponist die Entstehung der drei an diesem Abend vorgetragenen Streichquartette, zwei von ihm geschaffen, eines von Wolfgang Amadeus Mozart. In ihnen erklang die Freundschaft zwischen den beiden Musikern. Das epos:quartett huldigte dem blühenden Optimismus und der feierlichen Sehnsucht von Haydns Quartetten. Es trug Mozarts kompositorische Antwort auf das Schaffen seines väterlichen Freundes vor, in welcher durch die zarte Größe manch banger Moment blitzte. Schließlich drückte das weitere, nach Mozarts Tod von Haydn verfasste Quartett dessen tiefe Trauer aus. Gleichwohl spendete es den großen Trost, den Haydn in seine Musik gelegt hat.

Zum zwanzigjährigen Bestehen der Reihe „Musik in der Pforte“ stellt die Begegnung und der Dialog des Ich und Du im Sinne des Philosophen Martin Buber das Jahresthema. Demgemäß erschien es Christa, dem Mitgründer und künstlerischen Leiter der Konzertreihe, naheliegend, die Freundschaft der beiden Komponisten und ihr musikalisches Zwiegespräch zum Anlass für ein Konzert zu nehmen. Es gebe keine Freundschaft auf der Welt, meinte Christa, bei der einer den anderen so verstand wie diese beiden Meister der Wiener Klassik. VKO

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