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Wenn der digitale Schnuller ruft

Die Kolibri-Klasse am SPZ klärte über den digitalen Schnuller auf und zeigte, welche Auswirkungen der erhöhte Medienkonsum hat.
Die Kolibri-Klasse am SPZ klärte über den digitalen Schnuller auf und zeigte, welche Auswirkungen der erhöhte Medienkonsum hat. ©bvs
Lehrerinnen am SPZ klären ihre Schüler über die Folgen von einer erhöhten Mediennutzung auf.
Wenn der digitale Schnuller ruft

Lustenau Was macht das eigentlich mit einem, wenn man zu viel vor dem Tablet oder dem Handy sitzt? Die Lehrerinnen am Sonderpädagogischen Zentrum in Lustenau (SPZ) haben mit ihren Schülern diese Frage erarbeitet und genau hingehört, was die Kinder und Jugendlichen erzählten. „Es war sehr spannend, was sie uns geantwortet haben und hat für uns vieles bestätigt“, sagte Lehrerin Simone Merten von der Kolibri-Klasse. Mit Klassenlehrerin Susanne Nardin hat sie gemeinsam mit den fünf Schülern der Kolibri-Klasse eine eigene Ausstellung zum digitalen Schnuller gemacht und dabei die Kinder lebensgroß in Pappmaschee nachgebaut. Diese kann nun in der Aula des SPZ betrachtet werden.

Kinder zu früh vor Tablet und Smartphone

„Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass Kinder und Babys, die mit dem Tablet oder dem Smartphone „ruhiggestellt“ werden, soziale Entwicklungsstörungen aufweisen können“, so Merten. Hat ein Kind geweint, wurde es früher mit dem Schnuller beruhigt. „Heute kommt immer mehr das Handy als digitaler Schnuller zum Einsatz“, so Merten. Die Kinder zeigen mit der Zeit ähnliche Symptome wie Autisten. Sie haben wenig Blickkontakt und kaum soziale Motivation, mit dem Gegenüber in Kontakt zu treten. Auch die Schüler vom SPZ erzählten im Zuge des Workshops an ihrer Schule, dass ihnen bei längerem Medienkonsum die Augen brennen, der Rücken schmerzt, sie lustlos sind, Kopfschmerzen erhalten und keine Lust haben rauszugehen. In Form von Rollenspielen wurde den Kindern bewusst, dass ein zu viel an digitalen Medien, sie in ihrer Freizeitgestaltung sehr einschränkt.

Alternativen erarbeitet

Den Lehrerinnen war es wichtig, Alternativen zum Tablet und dem Smartphone aufzuzeigen. „Wir leben in einer wunderbaren Gegend. Hier gibt es viele Möglichkeiten, die Freizeit sinnvoll mit den Kindern zu nutzen“, sagte Merten. Den Schülerinnen und Schülern fiel dazu ad hoc vieles ein, wie zum Beispiel: Ball spielen, sich mit Freunden treffen, auf ein Konzert oder ins Kino gehen, mit dem Hund spazieren gehen, Fahrradfahren, werken oder mit Freunden reden. „Wir wollten nicht anprangern, denn Tablet und Smartphone sind cool. Es geht darum, dass der Konsum nicht überstrapaziert wird“, so Merten. Denn Sprache und Entwicklung findet im gemeinsamen Erleben der Welt statt, nicht in der virtuellen. „Wir sind total vernetzt miteinander und doch nicht verbunden“, brachte es Simone Merten auf den Punkt. Die Ausstellung der Kolibris ist in der Schule zu sehen. Ab Herbst möchten sie diese an öffentlich zugänglichen Plätzen für die breite Bevölkerung zugänglich machen. Bvs

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