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Weingartners Werk im Kino

Weingartner würde gerne in Vorarlberg drehen.
Weingartner würde gerne in Vorarlberg drehen. ©Wanko
Bludenz - Der Vorarlberger Regisseur Hans Weingartner (42) hat seinen neuen Film in Graz und Bludenz vorgestellt.
Trailer von "Die Summe meiner einzelnen Teile"

VN-Interview: “Die Summe meiner einzelnen Teile” startet nun auch in den österreichischen Kinos. Als Nächstes gibt es von Hans Weingartner wahrscheinlich einen Liebesfilm.

Herr Weingartner, welche Fragen möchten Sie nicht mehr gestellt bekommen?

Weingartner: Die Frage, worum es denn meiner Ansicht nach im Film „Die Summe meiner einzelnen Teile“ geht, warum ich den Film gemacht habe. Das ist doch schlimm, wenn ich das beantworten könnte. Trotzdem muss ich es immer wieder versuchen.

Den Filmtitel „Die fetten Jahre sind vorbei“ habe ich letztens als Slogan eines Fitnessstudios entdeckt. Wie finden Sie das?

Weingartner: Das ist eine Frechheit, pervers. Aber ich kann nichts dagegen tun, weil es ja auch ein Bibel-Zitat ist.

In Ihren Filmen leiden die Personen häufig an neurologischen Erkrankungen oder psychischen Defekten. Gibt es eigentlich den normalen Menschen?

Weingartner: Normal sein hat ja etwas mit Häufigkeitsverteilungen von psychischen Merkmalen zu tun. Aber in Wirklichkeit glaube ich, dass 90 Prozent der Menschen verrückt sind, die tun nur normal. In meinem Film stehen Imagination und Realität gleichberechtigt nebeneinander. Für den einen gibt es Imagination, für den anderen nicht. Ich glaube aber, dass das Imaginäre existiert, man kann es halt einfach nicht angreifen.

Beim Film „Das weiße Rauschen“ war das Schneiden für Sie belastend. Wie ging es Ihnen damit beim neuen Film „Die Summe meiner einzelnen Teile“?

Weingartner: War auch nicht leicht, da der Schnitt ja ein halbes Jahr dauerte. Als Nächstes will ich wieder eher etwas Fröhliches machen, das muss ja nicht flach sein.

Welches Projekt kommt als nächstes?

Weingartner: Ich arbeite gerade an einer Drehbuch-Idee, es ist ein Roadmovie und auch ein Liebesfilm. Es wäre aber auch einmal toll, wenn ich ein Drehbuch zugeschickt bekomme, das mir gefällt. So müsste ich nicht Regie und Buch machen.

Könnten Sie sich vorstellen, in Vorarlberg zu drehen?

Weingartner: Ja, wahnsinnig gerne! Einen Film in Vorarlberg zu drehen, stelle ich mir wahnsinnig gut vor. Ich habe ja auch ein wenig Heimweh.

Kein Märchen, aber stark: „Die Summe meiner einzelnen Teile“

Hans Weingartners neuer Film „Die Summe meiner einzelnen Teile“ lief am Wochenende beim Filmfestival Diagonale in Graz und im Kino Bludenz. Mathematiker Martin Blunt (Peter Schneider) fällt aus dem System, weil er mit dem beruflichen Druck nicht zurechtkommt. Nach einem Aufenthalt in der Heilanstalt verlässt ihn die Freundin, er verliert den Job und wird delogiert. Dann lernt er den Jungen Viktor (Timur Massold) kennen. Sie ziehen sich in den Wald zurück, stützen einander. Doch alles, was nicht der Norm entspricht, muss bestraft werden. „Die Summe meiner einzelnen Teile“ ist ein stimmiger, aber auch ein flotter Film. Wie bei Weingartner üblich, lässt er mit Handkameras filmen, bleibt seinen Protagonisten auf den Fersen. Der Wald ist der letzte Verbündete der beiden Außenseiter. Diese Ruhe gibt dem Film sehr viel Kraft. Hinzu kommt Weingartners Spiel mit dem Zuseher: Sehr gerne hätte dieser ein modernes Märchen, wo die Guten die Kurve kriegen, aber nein, Weingartner lässt zumindest den Hauptdarsteller gegen die Wand fahren. Wer „gewinnt“, bleibt dennoch offen. Die Antworten bleiben dem Zuseher vorbehalten. Sehenswert!

Trailer von “Die Summe meiner einzelnen Teile”

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