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Weihnachtliche Menschen

Dass die Altenstädter ihrem Dominikanerinnenkloster eine Krippe gebaut haben, war Ehrensache.
Dass die Altenstädter ihrem Dominikanerinnenkloster eine Krippe gebaut haben, war Ehrensache. ©VN/Matt
(VN) Feldkirch - Beginn des Lukasevangeliums wird mit dem Schnitzmesser tausendfach neu erzählt.

In der Remise des Dominikanerinnenklosters wartet die Damülser Krippe in Kisten verpackt auf ihren Abtransport. Bald werden darin die Figuren des frühbarocken Schnitzers Erasmus Kern ihr Zuhause finden. Eine zweite Krippe ist für die Gemeinde Weesen am Walensee bestimmt. Marmorne Säulen lassen erahnen, welche Pracht die Künstler des Krippenverbandes in Szene gesetzt haben. Auch Josef Hagen staunt wie ein Kind. Das hat er sich bewahrt. 2012 wird er 20 Jahre als Obmann des Vorarlberger Krippenverbandes im Amt sein. Und noch immer erfüllen ihn die in Szene gesetzte Herbergssuche, die Anbetung der Könige oder die Idee einer Fastenkrippe mit Begeisterung.

Über Grenzen hinweg

In den Wirtschaftsgebäuden des Klosters hat der Krippenverband Werkstatt und Büro eingerichtet. Immerhin bündelt man die Interessen von 21 Ortsvereinen und zwei Auslandsvereinen. Liechtenstein und Diepoldsau zählen zum Vorarlberger Verband. Darauf ist Hagen besonders stolz. Nicht einmal die Tiroler können mit sowas aufwarten. Sonst schaut man begehrlich ins „Heilige Land Tirol“, wo auch die Vorarlberger Krippenschule ihr Vorbild hat. Seine erste eigene Krippe hat Josef Hagen als Bub mit dem Großvater gebaut. Ein „Krippele“ war das, relativiert er, nicht vergleichbar mit den Erzeugnissen von heute. Damals war alles anders. „Wir haben am Küchentisch gebastelt.“ Wo ginge das heute noch? Man lege zur Probe einfach mal wortlos Hammer und Nagel auf das frisch polierte Designermöbel und achte auf die Reaktion: aber hallo! Trotzdem klagt die Zunft der Krippenbauer nicht über Nachwuchssorgen: 1510 Vorarlberger verliehen heuer dem Weihnachtsgeschehen Gestalt, wohl 1600 Mal oder öfter. Heimatlich und orientalisch und zunehmend mit kostbaren Figuren. Dass der Bedarf nie gestillt wird, gehört zu den großen Geheimnissen rund um den Stall von Bethlehem. Selbst als Hochzeitsgeschenke stehen Krippen hoch im Kurs. „Auch junge Leute, die einfach nur zusammenleben, wollen auf eine Krippe nicht verzichten.“ Das gibt Hagen Hoffnung.

Einen Bauch geschnitzt

Zuletzt hat er selber die Flucht nach Ägypten thematisiert. Einen Augenblick hielt er fest, wie Maria erschöpft am Wegrand sitzt und Josef ihr frisch gepflückte Datteln reicht. Die 35 cm hohen Figuren gab Hagen im Grödnertal in Auftrag. Dabei kommen die Schnitzer den Ideen der Krippenbauer nicht immer gleich entgegen. Die Darstellung der Herbergssuche gebrach über Jahre hinweg am Umstand, dass es keine geschnitzte schwangere Maria gab. Irgendwann hat dann ein Grödner mit dem Schnitzmesser die Zeit zurückgedreht und das Neugeborene in den Armen der Gottesmutter in einen Bauch verwandelt. „Jetzt läuft die Figur längst vom Band.“ Da in diesem Teil von Feldkirch besonders schöne und wertvolle Krippen in Privathäusern stehen, organisiert der Verband gemeinsam mit den Touristikern ab Heiligdreikönig richtige Besichtigungstouren.

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