Wanda, mein Wunder - Kritik und Trailer zum Film

"Wanda, mein Wunder" feierte seine Europapremiere im Herbst 2020 als Eröffnungsfilm des Zurich Film Festivals. Im Mittelpunkt dieser zwischen ernsten und skurrilen Momente changierenden Dramödie steht die von Agnieszka Grochowska gespielte Polin Wanda, die sich in der Schweiz als Haushaltshilfe und Pflegekraft verdingt.

Grenzüberschreitendes Pflegedrama mit wunderbarer Hauptdarstellerin: Regisseurin und Koautorin Bettina Oberli ("Die Herbstzeitlosen") und Drehbuchautorin Cooky Ziesche ("Wolke neun") erzählen in "Wanda, mein Wunder" von einer großbürgerlichen Familie am Rande des Zusammenbruchs. Birgit Minichmayr brilliert dabei neben André Jung und Jacob Matschenz. Ab Freitag im Kino.

Wanda, mein Wunder - Kurzinhalt zum Film

9.500 Schweizer Franken (9.152,22 Euro) für drei Monate harter, vor allem körperlicher Arbeit, und das rund um die Uhr: Das ist nicht viel, zumal in der reichen und begüterten Schweiz. Für die Polin Wanda aber ist es das notwendige Zubrot, das sie dringend braucht, um die Kinder daheim durchzubringen. Immer wieder zieht es Wanda daher zurück in die Schweiz, zurück zu Josef, dem betagten Schlaganfallpatienten. Gekonnt hält Oberli die Balance zwischen ernsten und humorigen Momenten.

Ein großes, herrschaftliches Haus. Ein alter, geistig noch recht fitter Mann, der Hausherr, der jedoch rund um die Uhr auf Pflege und Betreuung angewiesen ist: Wanda, die Polin, hilft ihm nicht nur beim An- und Ausziehen, sie ist quasi immer für ihn da. Geht nebenher auch noch der Dame des Hauses (von resoluter, teils atemraubender Arroganz: Marthe Keller) zur Hand. Auch Sohn Gregor lebt noch hier. Alle mögen die freundliche, so bescheiden anmutende Frau aus Polen. Ja, es gibt sogar einen kleinen Streit zwischen Vater und Sohn: "Wanda ist für mich da!". Und doch ist Wanda irgendwie allein in dieser wohlhabenden, direkt am Zürichsee residierenden Familie, deren Miteinander nicht immer von Empathie und Herzenswärme geprägt ist.

Wanda, mein Wunder - Die Kritik

Für Wandas Einsamkeit findet Kamerafrau Judith Kaufmann ("Der Junge muss an die frische Luft") starke Bilder: Einmal sehen wir Wanda, wie sie von ihrem dunklen Kellerzimmer aus den Rauch ihrer Zigarette durchs offene Fenster nach oben bläst: Ein starkes, an das Hierarchiegefälle zwischen reichen Schweizern und ärmerer Polin gemahnendes Bild. Kurz muss man an den koreanischen Oscargewinner "Parasite" denken. Schließlich nimmt auch Wanda die eine oder andere überraschende, wenn nicht surreale Wendung: Nicht nur, dass Wanda plötzlich schwanger ist, auch eine polnische Kuh und das Thema Adoption stehen plötzlich im - mit den Tönen des deutsch-schweizerischen Musikduos Grandbrothers kongenial gefluteten - Raum. Ein Blick auf das wunderbare Filmplakat, inklusive Kuh, mag Lust machen auf diese teils bitterböse Familienstory.

Man weiß es längst: Birgit Minichmayr, sie gibt die Tochter, macht sich hervorragend in filmischen Beziehungs- oder Familienaufstellungen. Man denke an "Alle Anderen" von Maren Ade, man denke an ihren Auftritt in "Kirschblüten und Dämonen" (Doris Dörrie). Auch in "Töchter" (2021) ist die gebürtige Linzerin dabei. Überraschend aber ist ihr Spiel in "Wanda" genauso wenig wie das routiniert-gekonnte Agieren ihrer Mitdarsteller. Die eigentliche Überraschung ist Agnieszka Grochowska. Das Schauspiel der Polin ist so dezent wie wirklichkeitsnah. Grochowska erdet den 110-Minüter, der zuweilen seine Bodenhaftung einzubüßen droht.

So gibt es immer wieder Momente, die man dem Film nicht unmittelbar abnimmt, die etwas neben der eigentlichen Spur zu liegen scheinen, die man eher in einer reinen Groteske vermutet. Wenn sich Bruder und Schwester streiten etwa, und das allzu manieriert, zu aufgesagt daher kommt. Sukzessive dämmert einem, das grade diese Masche zum Film gehört, zu "Wanda" passt. Einem Film, der sich eben nicht in die längst meilenlange Reihe schwermütiger deutschsprachiger Betroffenheitsdramen einreihen möchte. Aller Ironie, aller Überzeichnung, aller Exaltiertheit zum Trotz: Wer genau zuschaut, genau zuhört, für den ist der menschenfreundliche Kern dieser Geschichte stets und unzweideutig erkennbar. Ein Kern, der seine beeindruckende Gestalt findet im unprätentiösen Spiel der polnischen Hauptdarstellerin.

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(APA/Red)

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