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Wahlkampf bis zur Erschöpfung

Es war ein Kampf bis zur letzten Minute, ein furioser Endspurt, der beide Hauptmatadoren erschöpft, aber auch zufrieden mit sich selbst zurückließ.

Sogar noch am Wahltag eilten der Republikaner George W. Bush und der Demokrat John Kerry in besonders heiß umkämpfte Staaten, um dort um die letzten, möglicherweise wahlentscheidenden Stimmen zu werben. Unterdessen bildeten sich bereits in vielen Bundesstaaten lange Warteschlangen vor den Wahllokalen – ein Zeichen für eine offenbar besonders erfolgreiche Wählermobilisierung.

Kerry rührte in Wisconsin die Trommeln, und sollte das nicht geholfen haben, so vielleicht die gelbe Jacke, die er trug: Sie sei sein Glücksbringer, hat er früher einmal verraten. Und da doppelt ja besser hält, löffelte der Senator eine Muschelsuppe, wie er das nach eigenen Angaben bei jeder – bisher stets erfolgreichen – Wahl seiner eigenen politischen Karriere getan hat.

Bush seinerseits ging gleich am frühen Morgen in Krawatte und Anzug in Crawford (Texas) wählen und legte dann noch einem Wahlkampfstopp in Ohio ein, bevor er im Weißen Haus auf das Eintreffen der ersten Wahlergebnisse wartete. „Ich bin ganz ruhig“, hatte er nach Abgabe seiner Stimme in einem Feuerwehrhaus nahe seiner heimischen Ranch erklärt, aber das nahm ihm natürlich niemand ab. Würde Bush Wahlkampf-Kilometergeld erhalten, wäre er allein am Montag reich geworden: Am Vorabend der Wahl war er noch durch sechs Bundesstaaten gedüst und sank erst nach 19 Stunden auf den Beinen in die Kissen. Und auch Bushs so bitter-ernster Vizekandidat Dick Cheney ließ sich nicht lumpen: Man sah ihn schließlich einmal lächeln, als ihm im Wahlkampffinale auf Hawaii ein Blumenkranz um den Hals gelegt wurde.

Welcher Kandidat am Ende etwas zu lachen haben wird und wann, darüber wagte auch am Wahltag kaum jemand eine Prognose. Dafür sorgte neben letzten Umfrage-Ergebnissen das Heer von Anwälten, die am Dienstag wie Heuschrecken in den Schlüsselstaaten einfielen. Insgesamt 30.000, so die jüngsten Schätzungen, wurden allein von den Demokraten und Republikanern entsandt, dazu schickte das Justizministerium 1000 Beobachter. „Wir haben sie nicht eingeladen. Sie sind von allein gekommen, und wir werden sie höflich behandeln, so lange sie das mit uns auch so halten“, brachte der Spitzenbeamte eines Wahlbezirks in New Mexico seine Abneigung zum Ausdruck.

Vor allem vielen Menschen in Ohio schwante Böses: Hier hatte es noch in der Nacht zum Dienstag ein gerichtliches Tauziehen über die Frage gegeben, ob die Wahlberechtigung von Bürgern direkt in den Wahllokalen von Anwälten angefochten werden darf. Die Juristen gewannen – zur großen Verärgerung der Wahlhelfer, deren Nerven durch den ungewöhnlich großen Wählerandrang gleich am Morgen ohnehin strapaziert waren. „Gnade uns Gott, wenn das Ergebnis knapp wird“, seufzte eine freiwillige Mitarbeiterin in Nevada. „Dann geht der Hickhack erst richtig los. Wir alle beten, dass es Dienstagnacht vorbei ist – egal, wer gewinnt.“

Aufatmen herrschte zumindest zunächst in Florida, dem Schauplatz des Wahlchaos im Jahr 2000. Nennenswerte Pannen wurden hier jedenfalls bis zur Mittagszeit nicht gemeldet, und geduldig nahmen die vor den Wahllokalen Schlange stehenden Menschen wie schon an den Vortagen stundenlange Wartezeiten in Kauf. „Es ist einfach Wahnsinn“, kommentierte ein Augenzeuge den enormen Wählerandrang in Florida. Noch am Montag hatte ein Unbekannter versucht, Wähler aus Minderheitengruppen in Florida von der Stimmabgabe abzuhalten. Es sei entschieden worden, dass Republikaner am Dienstag und Demokraten Mittwoch wählen gehen sollten, hieß es in anonymen Telefonanrufen. Beide Parteien starteten dann noch schnell eine Aufklärungskampagne.

Profitieren traditionell die Demokraten von einer hohen Wahlbeteiligung, so konnten sich in der Bundeshauptstadt Washington beide Seiten als Gewinner fühlen. Ein Restaurant bot allen Bürgern mit dem Aufkleber „Ich habe gewählt“ auf der Jacke kostenlose Tortillas an und einen „Präsidenten-Sangria“ in Rot, Weiß oder Blau – den US-Nationalfarben.

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