Waffenruhe gescheitert: Israel intensiviert Angriffe nach Entführung

Gaza: Entführung von Israeli droht Konflikt weiter anzuheizen.
Gaza: Entführung von Israeli droht Konflikt weiter anzuheizen. ©EPA
Nach dem Scheitern einer Waffenruhe haben die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe im Gazastreifen intensiviert. Die Militäreinsätze konzentrierten sich in der Nacht auf Samstag auf die südliche Stadt Rafah. Dort suchten Soldaten weiter nach einem ihrer Kameraden, der nach israelischen Angaben von einem Kommando der radikal-islamischen Hamas entführt wurde. Die Hamas bestreitet das.
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Sündenbock Kerry: Schrille Kritik

Militante Palästinenser schossen am frühen Samstagmorgen ebenfalls Raketen auf Israel. In der Metropole Tel Aviv heulten um 05.00 (MESZ) die Warnsirenen. Nach Angaben des israelischen Militärs schoss die Raketenabwehr zwei Raketen über Tel Aviv und eine über der südlichen Stadt Beersheva ab.

Saudischer König: Kollektive Massaker

Unterdessen verurteilte der saudische König Abdullah das Schweigen der internationalen Gemeinschaft zu den “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” im Gaza-Konflikt. Das Blut der Palästinenser werde in kollektiven Massakern vergossen, die niemanden ausnähmen, sagte Abdallah am Freitag in einer Fernsehansprache. Für das Schweigen der internationalen Gemeinschaft gebe es keine Rechtfertigung. Sie sei sich nicht im Klaren darüber, dass es eine neuen Generation hervorbringe, die den Frieden ablehne und stattdessen an Gewalt und den Zusammenprall der Kulturen glaube.

Israeli in Gaza verschleppt

Trotz der neuen Auseinandersetzungen kündigte die Palästinensische Autonomiebehörde an, am Samstag eine Delegation zu Verhandlungen über eine Beruhigung der Lage in die ägyptische Hauptstadt Kairo zu entsenden. Der 23-jährige Leutnant Hadar Goldin fiel nach Angaben des israelischen Militärs einem Hamas-Kommando in die Hände, als seine Einheit an der Zerstörung eines Tunnels in den Gazastreifen arbeitete. Der Armee zufolge ereignete sich die Entführung Freitagfrüh eineinhalb Stunden nach Beginn einer dreitägigen humanitären Waffenruhe, die die Vereinten Nationen und die USA zuvor zwischen Israel und radikalen Palästinensern vermittelt hatten. Als Reaktion darauf erklärte Israel die Feuerpause für gescheitert.

Über 100 Tote seit Entführung

Der neue Vorfall droht den aktuellen Konflikt weiter anzuheizen. Bis Mitternacht starben nach Angaben des Sprechers des palästinensischen Gesundheitsministeriums, Ashraf al-Kidra, mindestens 104 Palästinenser. Allein in der Nacht auf Samstag seien bei mehreren israelischen Luftangriffen in Rafah 29 Menschen gestorben, darunter 15 Mitglieder einer Familie. Zwei israelische Soldaten starben bei Gefechten mit Hamas-Kämpfern.

Netanyahu kündigt harte Reaktion an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte am Freitag eine harte Reaktion angekündigt. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich nach dem Scheitern der Waffenruhe “schockiert und zutiefst enttäuscht über die Entwicklung”. Er befürchtete “ernste Folgen für die Menschen in Gaza, in Israel und darüber hinaus”. Die USA forderten die bedingungslose Freilassung des Soldaten.

PNA ringt weiter um Feuerpause

Die Palästinensische Autonomiebehörde gibt ihr Ringen um eine Feuerpause indes nicht auf. Chefunterhändler Saeb Erekat sagte CNN am späten Freitagabend, Vertreter würden am Samstag zu Verhandlungen nach Kairo reisen. Er rief US-Außenminister John Kerry auf, die Israelis zu überzeugen, auch eine Delegation zu entsenden. Eine Deeskalation in dem Konflikt sei zwingend nötig. In Kairo solle auch der Fall des verschwundenen Soldaten zur Sprache kommen.

UN: Lage der Zivilbevölkerung in Gaza katastrophal

Die Lage der Zivilbevölkerung im dicht besiedelten Gazastreifen ist laut UN-Palästinenserhilfswerk (UNRWA) katastrophal. Die Zahl der seit dem 8. Juli getöteten Menschen im Gazastreifen ist nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bis Samstagfrüh auf 1.610 gestiegen. Auf israelischer Seite wurden im Gaza-Krieg mindestens 63 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Militante aus dem Gazastreifen feuerten am Freitag mindestens acht Geschoße auf Israel ab. Drei wurden von der Raketenabwehr abgefangen, die anderen landeten auf freiem Feld. (APA/red)

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