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Wachgeküsst

Feldkirch - Wie aus dem Dornröschenschlaf erweckt wirkt die Hälfte eines in den 1950er-Jahren errichteten Doppelhauses in Feldkirch. Von Bauherrschaft und Architekt mit viel Liebe zum Detail saniert und eingerichtet, blieb der besondere Charakter des Gebäudes erhalten und es entstand ein Zuhause, in dem man sich auf Anhieb wohlfühlt.
Wachgeküsst in Feldkirch

In der Nachkriegszeit herrschte in Feldkirch wie vielerorts große Wohnungsnot. Auch zahlreiche Lehrer an den verschiedenen Bildungseinrichtungen in der Stadt waren davon betroffen. Auf Initiative von Professoren am Feldkircher Gymnasium errichtete die „Vorarlberger gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft“ (VOGEWOSI) in Tisis etappenweise die sogenannte „Professorensiedlung“. Die ersten fünf Doppelhäuser konnten zu Beginn des Schuljahres 1952/53 von sieben Lehrern und dem Direktor samt Familien bezogen werden. Es folgten kleinere Wohnanlagen und 1957/58 nochmals fünf Doppelhäuser.

Die heute in einem der damals errichteten Doppelhäuser lebende Familie war bereits länger auf Haussuche gewesen, bis sie zufällig auf die Annonce eines Verkaufs in der Professorensiedlung stieß. Mit großem Interesse wurde das Haus gleich am nächsten Tag besichtigt und schnell war klar: „Das will ich!“, erzählt die Bauherrin. Man kannte Architekt Gerold Strehle bereits, sodass er von Anfang an involviert war.

„Das Flair und die Atmosphäre sind in einem Altbau ganz anders als in einem Neubau“, sagt der Bauherr. Als Leitgedanke während der gesamten Planungs- und Bauphase diente daher auch die Frage „Wie können wir möglichst viel von dem erhalten, was da ist?“ Hauptaufgabe für Strehle war es, mit der Sanierung den heutigen thermischen und haustechnischen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die Ästhetik des Gebäudes soweit wie möglich beizubehalten. „Wie schafft man das Ganze so herzubringen, dass es funktioniert und die Balkonplatte immer noch so dünn ist wie vorher?“, nennt Strehle als Beispiel. „Das ist etwas, was mir Spaß macht. Vielleicht auch, weil es herausfordernder ist als ein Neubau.“ Architekt Strehle nahm die Herausforderung gerne an.

Nur wenige Eingriffe in die im Original erhaltene Bausubstanz waren notwendig, um den Altbau an die Wohnbedürfnisse der Familie anzupassen. Früher war die Küche vom Esszimmer abgetrennt. Durch Entfernung der Zwischenwand entsteht ein großzügiger Wohnraum, der sich über zwei Fenstertüren zur neuen Holzterrasse im Garten öffnet. Ebenfalls im Erdgeschoß liegt ein kleines Wohnzimmer zum Lesen und Fernsehen. „Ich finde die Aufteilung genial. Im Erdgeschoß ist der gemeinsame Bereich, dann gibt es ein Erwachsenenstockwerk und ein Kinderstockwerk“, erklärt die Bauherrin. „Und den Katzen gehört alles“, sagt sie mit einem Lachen.

Das Obergeschoß bietet Platz für zwei Arbeitszimmer, das Elternschlafzimmer und ein kleines Bad. Südseitig ist auf ganzer Breite ein Balkon vorgelagert. Im Arbeitszimmer der Bauherrin sind alle vier Wände rosa gestrichen und gemustert. Liebevoll ausgesuchte Möbel schaffen hier wie im gesamten Haus eine besondere Atmosphäre.

Im Dachgeschoß befinden sich die beiden Kinderzimmer und ein Bad. Die Kehlbalken des Dachstuhls wurden teilweise freigelegt, wodurch hohe Räume entstehen. Beim Hinaufsteigen der Treppe ist diese Weite wohl am deutlichsten wahrnehmbar. Im modernen fliesenfreien Bad bilden die freigelegten Balken einen angenehmen Kontrast zum sonst vorherrschenden Weiß der Oberflächen. Eines der Kinderzimmer besitzt ein Hochbett auf dem alten Spitzboden – mit einer gesicherten Leiter gelangt man hinauf in die heimelige Schlafhöhle.

Mit einem hohen Eigenleistungsanteil brachte sich die gesamte Familie in den Umbau ein. Sämtliche Abbrucharbeiten wurden selbst gemacht, ebenso die gesamten Malerarbeiten. In den meisten Zimmern waren die Wände in Pastellfarben mit Mustern gemalt. Die Technik wurde an einzelnen Wänden wieder aufgegriffen: auf kräftigen Farben als Grundton sind mit Strukturwalzen unterschiedliche Muster aufgebracht.

Mit einem hohen Eigenleistungsanteil brachte sich die gesamte Familie in den Umbau ein. Sämtliche Abbrucharbeiten wurden selbst gemacht, ebenso die gesamten Malerarbeiten. In den meisten Zimmern waren die Wände in Pastellfarben mit Mustern gemalt. Die Technik wurde an einzelnen Wänden wieder aufgegriffen: auf kräftigen Farben als Grundton sind mit Strukturwalzen unterschiedliche Muster aufgebracht.

Daten und Fakten

Objekt Bestandsanierung Doppelwohnhaus Baujahr 1958, Feldkirch-Tisis

Architekt Gerold Strehle, Bregenz www.geroldstrehle.at

Ingenieure/Fachplaner Statik: M+G, Feldkirch; Bauphysik und Haustechnikplanung: Gerold Strehle; Wärmebrückenberechnung: Spektrum, Dornbirn

Planung 2/2014–5/2014

Ausführung 5/2014–12/2014

Grundstücksgröße 490 m²

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

Wohnnutzfläche 150 m²

Bauweise Massivbauweise; Kellergeschoß: Betondecke auf Stampfbetonwänden; Mauerwerk ab Erdgeschoß mit Lochziegeln; Kehlbalkendach mit Tondachdeckung; komplette Erneuerung der Haustechnik; Heizsystem: Gasbrennwertgerät mit Verwendung der Bestandsradiatoren; thermische Sanierung der Gebäudehülle mit Wärmedämmverbundsystem aus Mineralwolle und Glattputz; Holz-Alufenster: Zwischen- und Aufsparrendämmung sowie raumseitige, diffusionsoffene Dämmung mit Holzfaserplatten und Kalkputz

Besonderheiten Oberflächenbeschichtungen der Aufenthaltsräume mit historischen Strukturwalzen, Balkonund Vordach thermisch saniert und wärmebrückenfrei; Nachbau der bestehenden Fensterbänke mittels extrudierten EPS-Profilen, lokale Instandsetzung des originalen Fischgrätparketts (Hainbuche) im Wohnbereich und Reinigung der Linoleumfliesen im Gangbereich

Ausführung Wärmedämmung und Verputz, Fenster und Türen, Zimmerer-, Tischler- und Bodenlegerarbeiten: Formart, Lauterach; Dachdecker und Spengler: Schwendinger & Fink, Wolfurt; Heizung/Lüftung/Sanitär: Stolz, Feldkirch; Elektro: E-Vision, Wolfurt

Energiekennwert 65,8 kWh/m² im Jahr (Heizwärmebedarf)

Bauwerkskosten ca. 270.000 Euro brutto (entspricht 1800 Euro/m² Nutzfläche)

 

 

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