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Wachgeküsst

"Es gilt von unten nach oben: Das Haus sollte sich öffnen." (Wimmer-Armellini, Architektin)
"Es gilt von unten nach oben: Das Haus sollte sich öffnen." (Wimmer-Armellini, Architektin) ©Darko Todorovic
Bregenz - Ein bisschen wie bei „Dornröschen“ – eine Veränderung war nötig, um die besondere Qualität zum Vorschein zu bringen.

Wenn auch nicht bis unters Dach eingewachsen wie im Märchen – hinter einer verwilderten Hecke schien das Pfarrhaus verschwinden zu wollen und der Zahn der Zeit nagte an Putz und Dach. Eine Sanierung war dringend geboten. Und da zeigten sich dann die Qualitäten eines Gebäudetyps, der sich über lange Zeit entwickelt, als Amts- oder Pfarrhaus zu seiner Form gefunden und es bei der Erneuerung der Architektur vor hundert Jahren zum Leitbild gebracht hatte. Diese Zeit glaubte sich erstmals dem Wildwuchs geschmäcklerischer Vorstadtsiedlungen erwehren zu müssen. Mit seinen typischen Proportionen, seinem symmetrischen Aufriss, den großzügigen Raumzuschnitten, klarer Erschließung und angemessener Lichtführung empfahl sich das Pfarrhaus als Modell, das Allgemeingültigkeit beanspruchen durfte, ohne uniform zu werden.

Das 1916 vom damaligen Bregenzer Stadtbaurat gezeichnete Pfarrhaus Herz- Jesu bestätigt dies. Klassisch der Würfel mit kräftig abgesetztem Walmdach, gibt es sich mit feingliedrigem ornamentiertem Jugendstil-Kleid als Kind seiner Zeit zu erkennen, erlaubt sich bei betonter Mittelzone mit Eingang, Erker und hervorragender Gaube ein Spiel mit barocken Schmuckformen. Die stilistische Sicherheit und die grundsolide Bausubstanz in Rechnung gestellt – die verborgene Qualität des Gebäudes brachte der Umbau an den Tag.

Einst ausschließlich Wohnhaus des Pfarrers, muss es heute weit mehr leisten: Neben der Pfarrwohnung im ersten Stock wurde eine weitere Wohnung, eine dritte im Dach geschaffen. Das Erdgeschoß dient mit Büros und Gemeinderaum ganz den Belangen der Gemeinde. „Wichtig sind Kommunikation und Koordination, beiden haben wir ein schönes und zweckmäßiges Daheim geschaffen“, so Pfarrer Arnold Feuerle. Die symmetrische Anlage mit mittigem Vestibül und Treppenhaus erlaubte eine saubere Trennung von Wohnbereich und öffentlicher Zone. Die Raumhöhe verleiht den öffentlichen Räumen angemessene Würde, die umlaufend großzügigen Fenster helle Freundlichkeit. Nur dank nobler Neutralität übersteht ein Haus einen solchen Eingriff.

Die neue Inneneinrichtung bestätigt mit wenigen Mitteln diese noble Haltung: Böden in Lärche, wo nötig erneuert, neue Einbaumöbel in Kirsche, Trennwände und Treppenhausabschluss (dem Brandschutz geschuldet) in Eiche. Ansonsten weiß geputzte Wände und Decken. Raffiniert die Trennwand zwischen dem Büro des Pfarrers und dem Gemeinschaftsraum: eine nach oben im Verlauf durchsichtig werdende Glaswand, darauf in weißer Schrift die Legende vom Herz-Jesu. Geistige Anregung, umso weniger bestimmt, je näher die Gegenwart rückt. Was man der Ausstattung insgesamt attestieren möchte: Alle Spuren, die ein teilweise weit gereistes Publikum hinterlässt, steckt sie weg.

Die Umgestaltung der Beletage beschränkt sich auf wenige Eingriffe. Bei der Sanierung des Bads hat man der Versuchung zu modernisieren widerstanden, stattdessen eine erst vor drei Jahrzehnten erfolgte Modernisierung aufgefrischt, seinerzeit durchgeführt von Karl Sillaber, Architekt beim namhaften Büro C4 und Architekt der Kirchenrenovierung zu Beginn der 90er-Jahre. So wird die Vielschichtigkeit der Moderne anschaulich. Denselben Respekt erfuhren die jüngeren Architekten vom Älteren bei selbstverständlichen Konsultationen.

Der Ausbau des Dachraums ist dann das Kabinettstück der Architekten Ute Wimmer- Armellini und Peter Wimmer. Notwendiges Licht erhält er durch vier neue Gauben, die mit ihrer Bogenform scheinbar schon immer zum Haus gehört haben, so gekonnt führen sie das Spiel mit dem Barock fort. Fenster im bestehenden Giebel wurden zurückhaltend vergrößert. Der so erschlossene Raum gliedert sich in zwei Schlafräume mit Bad und einen raumhaltigen Wohn-, Ess- und Küchenraum mit einer im Spitz liegenden Galerie, von der man über die Dächer der Stadt auf den See sieht.

Hier zeigt sich, was in dem Haus steckt. Als sei die Art des Jugendstils, über alles ein Netz feiner Ornamente zu werfen, ins Dreidimensionale übersetzt worden, ist ein Gebilde lebhafter Räumlichkeit entstanden – mit Vor- und Rücksprüngen, der Raum bildenden Treppe mit untergeschobenem Stauraum, zu Bücherregalen erweiterten Brüstungen, sphärisch gekrümmten Linien der Durchdringung von Gauben und Dachfläche, unerwarteten Nischen, Durchblicken. Licht – direkt, indirekt, hell, schattig gestaltet den Raum: blaue Schatten, ins Gelb strahlende Lichtpunkte, grau gebrochen die Faltungen der Wände. Helle Oberflächen befördern dieses Spiel – glatt und rau der weiße Putz, Fichte weiß lasiert, geölte Lärche mit Weißpigment, lackierte Küchenmöbel in hellem Beige. Dagegen gesetzt: wenige Akzente in Kirsche, Anthrazit von Schiefer, …

„Eigentlich“, so Architektin Wimmer-Armellini, „ist es ganz einfach und gilt von unten bis oben: Das Haus sollte sich öffnen.“ War’s nicht bei Dornröschen ebenso?

Daten & Fakten

Objekt: Pfarrhaus Herz-Jesu, Bregenz – Umbau eines Hauses mit einer Wohnung in Mehrzweckhaus der Gemeinde.

Flächen:

  • 120 m² Büro- und Versammlungsräume im EG
  • 72 m² bzw. 37 m² Wohnungen im OG
  • 87 m² Wohnung im DG

Grundstück: ca. 600 m²

Planung:

Einweihung 1916 nach Plänen des Stadtbaumeisters Keckeisen;
1914 Modernisierung im Erdgeschoß und Obergeschoß, Karl Sillaber;
1986 grundlegende Sanierung und Erweiterung
Architekten: Ute Wimmer-Armellini und Peter Wimmer, 2010

Statik: DI Andreas Gaisberger, Dornbirn

Heizung, Lüftung, Sanitär: Koller & Partner

Bauweise: Mauerwerks- und Putzsanierung, Fenstersanierung, neue Dachgauben,Trennwände, Innenausbau in Holz (Eiche, Kirsche), Böden (Lärche)

Kosten: ca. 500.000 Euro

Ausführende:

  • Baumeister: Rhomberg Bau, Bregenz;
  • Putz: Gerold Ulrich, Satteins;
  • Zimmerer: Holzbau Stefan Meusburger, Lauterach;
  • Dachdeckung: Josef Schwendinger, Dornbirn;
  • Gauben: Zech Holzfenster, Götzis;
  • Fenstersanierung: Künz Tischlerei Glaserei, Hard;
  • Fensterläden: Blank, Lustenau;
  • Innentüren: Werner Übelher, Bizau;
  • Böden: Ludovikus, Lustenau;
  • Einbaumöbel: Lenz-Nenning, Dornbirn,
  • Garten: Brunner, Höchst;
  • Natursteinarbeiten: Burkhard Fessler, Hard;
  • Malerarbeiten: Wilfried Netzer, Wolfurt;
  • Haustechnik: Bechter, Bregenz;
  • Elektro: Herrmann Hagen

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