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Vorarlbergs Medaillen-Macher

Sebastian Manhart im Talk mit WANN & WO.
Sebastian Manhart im Talk mit WANN & WO. ©Sams
Olympia und die Skisaison 2022 sind mit heute vorbei – und Vorarlberg konnte sportlich glänzen wie nie. WANN & WO sprach mit Olympiazentrum-GF Sebastian Manhart über hohe Messlatten, Völkerverständigung und Eigenverantwortung.

Von Anja Förtsch/WANN & WO

WANN & WO: Olympia 2022 liegt hinter uns. Und das mit sensationellen Erfolgen für Vorarlberg: vier Gold-, drei Silber und eine Bronzemedaille. Wie blickst du auf die Spiele zurück?

Sebastian Manhart: Es war unglaublich, welche Erfolge es gab. Vorarlberg hat lange auf Olympiasieger und viele Medaillen warten müssen. Meine große Hoffnung ist, dass unsere Vorarlberger AthletInnen nun selbstbewusster sind. Man muss aber auch sagen: Es wird verdammt schwer, das zu wiederholen.

WANN & WO: Die Messlatte liegt hoch?

Sebastian Manhart: Sie liegt sogar sehr hoch. Es hat vieles funktioniert und zusammengepasst. Das jetzt aber als Standard zu sehen und zu sagen: Beim nächsten Mal muss mindestens das Gleiche drin sein, wenn nicht noch mehr, ist schwer. Nicht unmöglich, aber eben schwer.

WANN & WO: Wie hat sich in deinen Augen die Pandemie auf die Spiele ausgewirkt?

Sebastian Manhart: Bei Olympia geht es ja nicht nur um die Wettkämpfe, sondern ganz bewusst um das Zusammenbringen von Nationen, das Kennenlernen und Brückenbauen. Das ist durch die natürlich notwendigen Maßnahmen leider komplett ausgefallen. Andererseits gab es so weniger Ablenkungen und die Athlet-Innen konnten sich voll und ganz auf ihre Leistung konzentrieren. Für den reinen Sport war die Pandemie gut. Gesellschaftlich sieht das anders aus. Es gibt eben, wie bei allem, zwei Seiten.

©Sams

WANN & WO: Du trainierst die SportlerInnen natürlich nicht selbst. Inwiefern bist du als Geschäftsführer des Olympiazentrums Vorarlberg dennoch mitverantwortlich für den Erfolg?

Sebastian Manhart: Ich sehe meine Aufgabe darin, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Sowohl für die AthletInnen als auch für die MitarbeiterInnen. Umso besser die Bedingungen, desto besser können alle arbeiten und desto größer der Erfolg. Dabei setzen wir auf Eigenverantwortung statt auf Druck. Wir machen den SportlerInnen klar: Ihr trainiert nicht fürs Olympiazentrum, sondern für euch. Wir sehen uns als Partner, die ihnen helfen, ihre Ziele zu erreichen.

WANN & WO: Du kommst selbst aus dem Profi-Sport, wurdest mit Bregenz Handball viermal Österreichischer Meister, holtest dreimal den Österreichischen Pokal und warst im National-Kader. Wie war dein Weg von der Halle ins Olympiazentrum?

Sebastian Manhart: Ich bin schon zu Profizeiten ins Studium und den Beruf eingestiegen. Sport, Arbeit und Studium ließen sich irgendwann nicht mehr vereinbaren. Also habe ich mit 30 Jahren mit dem aktiven Sport aufgehört und für den Verein gearbeitet. Nach dem Studium bin ich ganz aus dem Sport raus, war fünf Jahre bei der Wirtschaftskammer im Bereich Ausbildung, bevor ich 2013 die Geschäftsführung des Olympiazentrums übernommen habe. Diese Perspektive von außen ist mir hier sehr nützlich.

WANN & WO: Privat bist du aber nicht ganz aus dem Sport raus, du hast etwa einen eigenen Blog zum Skitourengehen.

Sebastian Manhart: Ja, dieser Sport begeistert mich sehr. Ich habe auch noch lange mit meinen ehemaligen Teamkollegen freizeitmäßig Handball gespielt, noch heute gehen wir Rennradfahren. Dass diese Verbindung so weiter besteht, ist wunderbar.

WANN & WO: Ist es das, was in deinen Augen Sport – egal ob bei Olympia oder privat mit Freunden – so wertvoll macht?

Sebastian Manhart: Ich bin überzeugt, dass Sport gesellschaftlich unglaublich viel tun kann. Stichwort Zusammenhalt: Vereine sind eine geniale Möglichkeit, Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen kennenzulernen. Bei uns im Team war es egal, welchen Hintergrund dein Kollege hat, da wurde kein Unterschied gemacht. Im Gegenteil: Man interessierte sich füreinander und lernte so auch ein Stück weit andere Kulturen kennen.

WANN & WO: Im Sport und auch bei Olympia gibt es immer wieder auch Doping- oder Drill-Schlagzeilen, wie etwa heuer im Fall von Kamila Wasiljewa. Wie könnt ihr sicherstellen, dass bei euch so etwas nicht passiert?

Sebastian Manhart: Wir sind überzeugt: Besser wird nicht, wer mehr macht, sondern wer es cleverer macht. Wir setzen auf Pausen, Belastungssteuerung und Prävention. Den hier so oft gesagten Satz „goht scho“ finde ich furchtbar. Weil er meint: Eigentlich geht es nicht, aber ich mach trotzdem weiter. Das führt nur zu Problemen. Deshalb gibt es diese Mentalität bei uns nicht. So muss niemand zu irgendwelchen Mitteln zum Überschreiten der eigenen Grenzen greifen.

WANN & WO: Zuletzt noch ein Ausblick in die Zukunft: Wo dürfen wir uns auf Erfolge und vielleicht sogar Medaillen freuen?

Sebastian Manhart: Im Wintersport stehen wir super da. Etwa mit Patrick oder Lukas Feuerstein oder auch mit Magdalena Egger. Bei den Sommersportarten gibt es im Klettern einen richtig starken U18- und U20-Kader die bereits auf Weltspitzeniveau unterwegs sind.

Kurz gefragt

  • Bei welcher Sportart deiner AthletInnen staunst du am meisten, weil du es selbst nicht könntest? Alles im Bereich Kunstturnen, da würde ich mich als massiv untalentiert bezeichnen. (lacht)
  • Bei welcher Sportart schaust du privat am liebsten zu? Handball, logisch. (lacht)
  • Vervollständige den Satz: Ein Leben ohne Sport ... ist absolut unvorstellbar.­­­
©Sams

Zur Person: Sebastian Manhart

  • Geboren am: 4. Juli 1975 in Salzburg (46 Jahre)
  • Wohnort und Familienstand: Bregenz, in einer Partnerschaft
  • Karriere: 1992 bis 2005 Profi-Sportler bei Bregenz Handball, 2006 bis 2008 Teammanager und Büroleiter des Vereins, 2008 bis 2013 Marketing Supervisor in der Handball Champions League, 2009 bis 2013 GF der Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie der Wirtschaftskammer, seit 2013 GF des Olympiazentrums Vorarlberg

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(WANN & WO)

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