Vorarlbergs ältester Verein

Die Zunftstube mit einem Teil des Vorstands der Großhammerzunft Feldkirch.
Die Zunftstube mit einem Teil des Vorstands der Großhammerzunft Feldkirch. ©Emir T. Uysal
Die Großhammerzunft Feldkirch beeinflusst seit 540 Jahren die Montfortstadt.
Großhammerzunft Feldkirch

FELDKIRCH-INNENSTADT Der Begriff „Zunft“ als Zusammenschluss von Handwerkern ist im deutschen und schweizerischen Bodenseeraum bereits für das 12. Jahrhundert nachweisbar. Erst mit Verspätung breitete sich das Zunftwesen ab dem 15. Jahrhundert in Österreich aus. In Quellen des späten Mittelalters scheint vielfach die Bezeichnung „Bruderschaft“ auf, was die religiöse Prägung dieser Bündnisse verdeutlicht. Beeindruckend ist, dass auch in Feldkirch eine solche Großhammerzunft vor rund 540 Jahren gegründet worden ist – und bis heute diese Traditionen gelebt werden. Die Großhammerzunft versteht sich heute als eine Vereinigung und Interessensvertretung von Feldkircher Handwerkern aller Sparten. Heute zählt der Verein 156 aktive Mitglieder. Während die größeren, städtischen Zünfte über eigene Zunfthäuser oder -stuben verfügten, diente in ländlichen Gegenden üblicherweise ein Gasthaus als Zunftherberge. In ihrer Blütezeit übten die Zünfte starken Einfluss auf das wirtschaftliche Leben aus. „Früher war nur die Großhammerzunft bemächtigt, Meister- und Lehrbriefe auszustellen“, erzählt Ehrenzunftmeister Werner Etlinger. Sie kontrollierten die Qualitäten und Menge der Waren, die Einhaltung von Preisen und Arbeitszeiten.

Die Großhammerzunft hatte auch eine sittlich – kulturelle und religiöse Funktion. Jeder der Zünfte entwickelte ein Handwerkszeremoniell und – Brauchtum. Dazu gehörten recht formelle Lehrlingsaufnahme- und Freisprechung, das ganze Zeremoniell am Zunfttag wie auch die Kleiderordnungen. Die verschiedenen Zunftberufsbilder reichten von Bäckerzünfte, über Schuhmacher-, Seiler- sowie Küfer- und Bierbrauerzunft bis hin zu Kürschner-, Wachszieher- oder Sattlerzünfte.

 

Ein Denkmal für Feldkirch errichtet

Eines der Großprojekte der Zunft war der am 1998 errichtete Kugelbrunnen vor dem Wasserturm. Der Platz vor dem Turm war reichlich verwildert, die Büsche und Bäume verwuchert. „Wir bemühten uns den 1997 umgewidmete ‚Zunftplatz‘ schöner zu gestalten“, erinnert sich Etlinger zurück. Rasch stand dann der erste Entwurf fest. Die drei Säulen stehen für die drei Grundpfeiler der Wirtschaft: Handel, Gewerbe und Industrie. Jede der Säulen hat auf der Vorder- und Rückseite Inschriften. Im oberen Drittel der Säulen ist an der Innenseite ein Becken aus Granitstein mit einem Durchmesser von 80 cm befestigt, in dem eine 980 kg schwere, aus Südamerika stammende Marmorkugel durch Wasserkraft angetrieben wird. Die Kugel soll symbolhaft für die sich bewegende Wirtschaft stehen. Technisch besonders schwierig war die Durchbohrung des 2,8 Meter dicken Mauerwerks des Turmes. Die Kosten von knapp 400.000 Schilling konnten durch Spenden (250.000 Schilling) und Förderungen von Stadt und Land hereingebracht werden.

 

Lokomotive mit Kindern restaurieren

Heute wird der Verein deutlich lockerer geführt. Geprägt von den zahlreichen Exkursionen wird am Zunfttag – Anfang des Jahres – über Ideen, Pläne und Ausflüge gesprochen. Heuer ist die Großhammerzunft mit einem Restaurierungsprojekt im Rahmen von „KleinFeldkirch“ vertreten. Dort kümmern sich die Mitglieder mit den Bewohnern der Kinderstadt um die Wiederherstellung der Lokomotive beim Kapuzinerspielplatz. Ein weiteres Highlight ist das Brunnenfest am Wasserturm, das sich am 22. Juni 2019 das 20. Mal jährt. ETU

 

 

 

Umfrage: Was gefällt Ihnen am Verein?

 

Otmar Gohm, 49 Jahre, Schriftführer Stellvertreter:

Mein Vater und Bruder waren schon Mitglieder im Verein und vor rund fünf Jahren bin ich dann auch aktiv geworden. In unserem Verein ist die Besonderheit, dass wir in handwerkliche Betriebe Einblicke bekommen, die man als Privatperson sonst nie erhascht.

 

Stefan Glatz, 53 Jahre, Zunftmeister:

Mein Lehrmeister war zu seiner Zeit schon bei der Großhammerzunft Feldkirch. Das hat mir imponiert. Vor rund 21 Jahren bin ich dann dazu gestoßen und seit Anfang des Jahres als Zunftmeister aktiv. Die geselligen Zusammenkünfte sind bei uns einmalig.

 

Karl Gamper, 43 Jahre, Schatzmeister:

Ich bin seit drei Jahre bei der Zunft. Als gelernter Speditionskaufmann unterstütze ich den Verein bei finanziellen Belangen. Es ist ein sehr geschichtsträchtiger Verein. Diese Tradition müssen wir aufrechterhalten – dies ist mir ein großes Anliegen.

 

Florian Stadlbauer, 44 Jahre, Kerzen- und Brunnenmeister:

In keinem anderen Verein habe ich so eine Kameradschaft erlebt. Dadurch, dass so viele erfahrene Mitglieder in den eigenen Reihen sind, lernt man nie aus. Der respektvolle Austausch zwischen Jung und Alt wird großgeschrieben.

 

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