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Vorarlberger spielt im Film "Corsage" mit: Das sagt er zur Causa Teichtmeister

Schauspieler und Corsage-Darsteller Johannes Rhomberg über die Causa Teichtmeister.
Schauspieler und Corsage-Darsteller Johannes Rhomberg über die Causa Teichtmeister. ©Film AG/Corsage, handout/Rhomberg
Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Johannes Rhomberg spielt in dem Film Baron Carl von Hasenauer. Im VOL.AT-Interview spricht der gebürtige Lustenauer über Abgründe, die sich aufgetan haben und die Zusammenarbeit mit Florian Teichtmeister.
So hat er Teichtmeister erlebt

Für den 42-jährigen, aus Lustenau stammenden, Schauspieler Johannes Rhomberg taten sich Abgründe auf, als die Anschuldigungen gegen Schauspieler Florian Teichtmeister bekannt wurden. Der Vorarlberger stand mit Teichtmeister gemeinsam am Set des für den Oscar nominierten Films Corsage von Marie Kreutzer vor der Kamera.

Interview mit Vorarlberger Corsage-Darsteller Johannes Rhomberg

58.000 Dateien mit Darstellungen sexuellen Missbrauchs an Kindern fand man auf Datenträgern von Teichtmeister, was den bekannten Darsteller aus Produktionen wie "Soko Kitzbühel" oder "Die Toten von Salzburg" auch zu einem Geständnis zwang. Über die Debatte, die aktuell die gesamte Kulturlandschaft Österreichs erschüttert, sprach VOL.AT mit dem inzwischen in Wien lebenden Schauspieler Johannes Rhomberg, der selbst Familienvater ist.

Johannes Rhomberg (Mitte) spielt Baron Carl von Hasenauer und begrüßt hier in seiner Rolle Kaiserin Elisabeth in dem in die Schlagzeilen geratenen Film "Corsage". ©Screenshot/YouTube

VOL.AT: Die Causa Teichtmeister erschüttert die Kulturszene. Wie haben Sie reagiert, als Sie von den Vorwürfen gegen ihren Kollegen, mit dem Sie am Set von Corsage tätig waren, zum ersten Mal gehört haben?

Johannes Rhomberg: Zunächst einmal konnte ich es kaum glauben. Das Bild, das ich von ihm hatte, und diesen seelischen Abgrund, der da offenbar in ihm klafft, konnte ich schwer zusammenbringen.

Nach Veröffentlichung des Films geriet Hauptdarsteller Florian Teichtmeister ins Visier der Behörden. Beim Schauspieler fand man Unmengen an Material mit Darstellungen sexuellen Missbrauchs an Kindern. ©Film AG/Corsage

VOL.AT: Wie geht es Ihnen selbst als Familienvater, als Sie von den Vorwürfen gehört haben?

Johannes Rhomberg:Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist meiner Meinung nach die schlimmste und am allerwenigsten nachvollziehbare Form von Gewalt, die es gibt. Sie zerstört das Leben der schutzbedürftigsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Darum ist auch der Konsum davon, dessen Teichtmeister sich schuldig gemacht, durch nichts zu entschuldigen. Denn natürlich handelt es sich um eine seelische Krankheit, wenn ich aus dem Leid anderer Lust beziehe, andererseits ist es aber auch keine Geisteskrankheit. Dementsprechend hat er gewusst, was er da tut, und das macht es so unverzeihlich.

VOL.AT: Was halten Sie von den Aussagen von Regisseur Sebastian Brauneis, der 2018 mit dem Beschuldigten zusammengearbeitet hatte, dass "jedem in der Branche klar gewesen sei, worum es gehe"?

Johannes Rhomberg: Dazu muss man sagen, dass sich auch Sebastian Brauneis zu dem Zeitpunkt nur anonymisiert distanziert hat. Es war bekannt, dass die Anschuldigungen sich auf Teichtmeister beziehen, aber es galt bis zu seinem Geständnis die Unschuldsvermutung, und das ist auch gut so. Ich frage umgekehrt: Was wäre gewesen, wenn sich das Ganze tatsächlich als Racheaktion seiner Lebensgefährtin herausgestellt hätte? Man hätte eine Karriere auf Verdacht zerstört. Denn etwas bleibt von so einem Vorwurf immer hängen, auch wenn sich das Ganze als falsch herausstellt.

Der aus Lustenau stammende Schauspieler Johannes Rhomberg lebt inzwischen in Wien. In Corsage spielt er Baron Carl von Hasenauer. ©handout/Rhomberg

VOL.AT: Wie haben Sie den Beschuldigten am Set von Corsage wahrgenommen? Wie war die Zusammenarbeit?

Johannes Rhomberg:Ich habe Teichtmeister als angenehmen und sympathischen Kollegen kennengelernt. Die Zusammenarbeit war entspannt und völlig komplikationslos. 

VOL.AT: Wie beurteilen Sie die Gerüchte, dass es am Set des Films einen zweiten mutmaßlichen Täter gegeben habe?

Johannes Rhomberg: Ich habe diese Gerüchte erst vor ein paar Tagen gehört. So weit ich informiert bin, wird einem Kollegen sexuelle Belästigung vorgeworfen, aber nicht am Set von Corsage, sondern in ganz anderen Kontexten. Bei allem Unverständnis für dieses Verhalten: Die Dimension dieser Vorwürfe sind mit den Taten von Teichtmeister nicht zu vergleichen. Und wie bereits gesagt: Ich halte nichts von Vorverurteilungen und digitalen Scherbengerichten, und das trifft auch auf diesen Sachverhalt zu. Aber natürlich muss die Sache restlos geklärt und der Kollege bei erwiesener Schuld zur Rechenschaft gezogen werden.

(VOL.AT)

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