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Vorarlberger Kurde in türkischer Haft – Familie erhebt schwere Vorwürfe

Die Familie erhebt Vorwürfe gegen das Außenministerium von Minister Alexander Schallenberg (Bild).
Die Familie erhebt Vorwürfe gegen das Außenministerium von Minister Alexander Schallenberg (Bild). ©APA
Ein kurdischstämmiger österreichischer Staatsbürger sitzt seit Monaten in der Türkei im Gefängnis. Jetzt erhebt seine Familie schwere Vorwürfe gegen die österreichischen Behörden.
Austro-Kurde in türkischer Haft

Demnach sitzt der Vorarlberger seit 22. Oktober 2019 in der Türkei im Gefängnis. Am 14. Jänner wurde er zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Das österreichische Außenministerium bestätigt, dass der Fall bekannt ist.

Vorgeworfen werden dem 52-Jährigen die Unterstützung und die Mitgliedschaft in einer "terroristischen" Organisation, gemeint ist die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). In die Türkei war der Mann gereist, um seinen Vater nach einer Herz-OP zu unterstützen.

Vereinstätigkeit und Demo

Ein neu gegründetes Solidaritätskomitee hat die Anklageschrift ins Deutsche übersetzt. Gerhard Mack, einer der Sprecher, zeigt sich gegenüber ORF-Radiosender FM4 über die "dubiosen Vorwürfe" empört: "Dem 52-Jährigen werden in der Anklageschrift im Wesentlichen seine Betätigung für einen angemeldeten Verein sowie seine Teilnahme an angemeldeten Demonstrationen in Österreich zur Last gelegt." - In Österreich legale Aktivitäten. Der türkische Staat wolle der kurdischen Familie Angst einjagen, sie unter Druck setzen, ist der Bruder des Inhaftierten überzeugt.

Der Verein, um den es in der Anklage geht, das ist der Vorarlberger Ableger der FEYKOM, des Dachverbands der kurdischen Vereine in Österreich. Der Beschuldigte hatte dort den Posten des Vereinskassiers. Den Angaben zufolge gibt es offenbar noch Fotos von ihm, die ihn auf angemeldeten Demonstrationen zeigen, etwa in Solidarität mit dem syrisch-kurdischen Rojava.

Vorwurf der Familie

Der Bruder des Betroffenen wirft den österreichischen Behörden vor, dass "er als österreichischer Staatsbürger keinerlei Unterstützung erhalten" habe. Der Sprecher des Außenministeriums, Peter Guschelbauer, sagt dazu laut FM4: "Wir stehen mit der Familie des Betroffenen in Kontakt. Der Betroffene selbst hat sich bisher nicht an die österreichischen Behörden gewandt. Unsere Botschaften unterstützen alle österreichischen Staatsbürger, die diese Unterstützung wünschen."

Im Interview mit dem ORF Vorarlberg schilderte die Familie ihre Sicht der Dinge. Man macht sich vor allem Sorgen um die Gesundheit des 52-jährigen Familienvaters, der nach einer Magenoperation auf seine Ernährung achten muss, und außerdem unter Schlafapnoe leidet. Die türkischen Behörden würden das aber ignorieren.

Hinweis der Redaktion: Da die Familie um ihre Sicherheit in Vorarlberg fürchtet, hat sich die VOL.AT-Redaktion entschlossen das Video des ORF nicht mehr zu zeigen.

(red/APA)

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