AA

"Vorarlberger Betriebe müssen trotz voller Auftragsbücher schließen"

Vorarlberger Holzbauer massiv unter Druck: LR Tittler, Innungsmeister Brunner und WKV-Präsident Hans Peter Metzler nehmen sich des heiklen Themas an.
Vorarlberger Holzbauer massiv unter Druck: LR Tittler, Innungsmeister Brunner und WKV-Präsident Hans Peter Metzler nehmen sich des heiklen Themas an. ©Stiplovsek, Paulitsch, Fasching
Heimische Holzbauer angesichts Materialknappheit unter Druck: Innungsmeister Herbert Brunner schlägt Alarm und fordert Ausfuhrzölle für heimisches Holz, um regionale Arbeitsplätze zu retten.
Massiver Preisanstieg bei Rohstoffen

Das im VOL.AT-Interview von Hubert Rhomberg angesprochene Problem der explodierenden Materialkosten in der Baubranche setzt die heimischen Holzbauer massiv unter Druck. Angesichts der bis zu 50-prozentigen Preissteigerungen, insbesondere im Schnittholzbereich, können die Vorarlberger Betriebe im internationalen Wettbewerb kaum mehr mithalten. Zu hoch sind die Preise, die ausländische Unternehmen bezahlen, um ans heimische Schnittholz zu kommen. „Die Lage ist angespannt, auch bei den Lieferanten herrscht Ungewissheit, wie sich die Preise aktuell weiterentwickeln. Deshalb ist es trotz hoher Nachfrage für viele Betriebe nicht mehr möglich, schlüssig kalkulierbare Angebote zu erstellen. Ich weiß von vielen Vorarlberger Firmen, die trotz voller Auftragsbücher aktuell zusperren müssen“, informiert Herbert Brunner (Innungsmeister Holzbau) im VOL.AT-Telefonat.

USA importiert massiv
Schnittholz aus Europa

Einer der größten Abnehmer für europäisches Schnittholz sind aktuell die USA. Während Corona die Welt fest umklammert, grassiert in den Wäldern Nordamerikas, speziell in Kanada, eine andere Plage: Der Bergkiefernkäfer zerstört die dortigen Holzvorkommen in apokalyptischen Ausmaßen. Allein in British Columbia fielen dem Ungeziefer 16 Millionen Hektar Wald zum Opfer.

Nach Bergkiefernkäfer-Befall wurde dieses Waldstück in British Columbia von einem Waldbrand heimgesucht. Aus Gründen wie diesem sucht die USA weltweit nach Schnittholz. Und setzt die heimischen Holzbauer damit unter Druck.
Nach Bergkiefernkäfer-Befall wurde dieses Waldstück in British Columbia von einem Waldbrand heimgesucht. Aus Gründen wie diesem sucht die USA weltweit nach Schnittholz. Und setzt die heimischen Holzbauer damit unter Druck. ©Reuters

Gepaart mit aufgrund von Klimaveränderungen immer mehr auftretenden Waldbränden eine echte Hiobsbotschaft für die nordamerikanischen Forstbetriebe. Dadurch sehen sich die USA gezwungen, auf andere Märkte zurückzugreifen. Und haben damit die europäischen Waldbestände ins Visier genommen. „Uncle Sam“ importierte bis zum Ende des zweiten Quartals im Vorjahr rund 16 Mio. m³ Schnittholz - gut vierzehnmal so viel wie er im selben Zeitraum exportierte.

Forderung nach Exportzöllen

Innungsmeister Herbert Brunner sieht die heimischen Betriebe in der Zwickmühle und fordert eine Einführung von Ausfuhrzöllen für heimische Hölzer, um die regionale Wertschöpfungskette am Leben zu erhalten und lokale Arbeitsplätze zu garantieren. „Vorarlberg hat außer Wasser und Holz kaum nennenswert verfügbare Rohstoffe. Deswegen müssen wir gerade hier aufpassen, dass wir uns hier nicht den eigenen Standort kaputtmachen und zum Selbstbedienungsladen für finanzkräftige, ausländische Importeure werden.“ Um die heimische Nachfrage zu decken, seien deswegen Ausfuhrzölle durchaus ein probates Mittel. „Die heimischen Forstbetriebe stehen nicht in der Kritik, der Rohstoffpreis hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Vor 30 Jahren lagen wir bei 3000 Schilling für einen Kubikmeter, inzwischen liegen wir bei 300 Euro. Der Preis steigt erst im Holzhandel, und nicht bei kleinen, regionalen Partnern, sondern bei den Großexporteuren. Hier gilt es anzusetzen“, konstatiert der Geschäftsführer der in Feldkircher LOT Holzbau GmbH & Co KG. In Anbetracht der positiven CO2-Bilanz, die dem Rohstoff Holz zweifellos innewohnt, sollten „kurze Wege“ im Sinne des Nachhaltigkeitsgedanken eigentlich obligatorisch sein. Könnte man meinen.

Land und WKV widmen
sich bereits dem Thema

Auf VOL.AT-Anfrage versicherte Wirtschafts-Landesrat Marco Tittler, dass man sich des brisanten Themas bewusst sei und sich bereits in Gesprächen mit dem Bund und der Zunft befinde. Bei einem Arbeitstreffen mit Vertretern der Jungen Holzbaukunst, WKV-Präsident Hans Peter Metzler und Landesrat Tittler wurde insbesondere auch das Thema der Rohstoffpreise und die Entwicklungen am Rohstoffmarkt diskutiert. Der Wirtschafts-Landesrat weiter: "Aktuell ist die Situation auch auf den Weltmärkten sehr angespannt und führt mitunter zu Verzögerungen und möglichen Absagen von Aufträgen. Es gilt daher verstärkt darüber nachzudenken, wie die Wertschöpfungsketten, insbesondere auch in Vorarlberg, aufrechterhalten und gestärkt werden können. Kammerintern wird Präsident Metzler dies ebenfalls zum Thema machen und sich mit den Kolleginnen und Kollegen in den Bundesländern und auf Ebene der Wirtschaftskammer Österreich dazu austauschen und mögliche Strategien diskutieren. Wichtig ist, hier im Austausch zu bleiben und das Thema aktiv zu bearbeiten, konkrete Projekte zur Sicherung der Wertschöpfung sollen angegangen werden. Dazu wurde bereits ein Austausch zwischen dem Land Vorarlberg und der Wirtschaftskammer Vorarlberg vereinbart."

(VOL.AT)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Wirtschaft Vorarlberg
  • "Vorarlberger Betriebe müssen trotz voller Auftragsbücher schließen"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen