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Vorarlberg: "Was nicht passieren darf, ist, dass man abstumpft"

Seit zwei Jahren Direktor des Kunsthaus Bregenz: Der gebürtige Steirer Thomas D. Trummer.
Seit zwei Jahren Direktor des Kunsthaus Bregenz: Der gebürtige Steirer Thomas D. Trummer. ©MiK
Thomas D. Trummer (49) ist mit Leib und Seele Direktor des KUB. WANN & WO traf ihn in Bregenz.

WANN & WO: Herr Trummer, das KUB feiert dieses Jahr seinen 20. Geburtstag – ein Grund zum Feiern, oder?

Thomas D. Trummer: Das Kunsthaus Bregenz ist eine Erfolgs-geschichte, und die muss man natürlich feiern.

WANN & WO: Sie sind seit fast zwei Jahren Direktor des KUB – was ist für Sie das Besondere am Haus?

Thomas D. Trummer: Das Kunsthaus steigert die Wahrnehmung, niemand verlässt es unverändert. Es wird immer nur jeweils einem Künstler zur Verfügung gestellt. Natürlich gibt es Einzelausstellungen in anderen Museen, aber die haben auch noch eine Sammlung dabei, einen Education Space, einen Shop und so weiter. Wir haben nicht einmal unsere Büros im selben Haus, die sind gegenüber.

WANN & WO: Wie waren die vergangenen beiden Jahre für Sie?

Thomas D. Trummer: Sie waren im besten Sinne herausfordernd. Man weiß ja, dass die Ausstellungen im KUB in die Kunstgeschichte eingehen. Speziell die Eröffnungen bekommen immer sehr viel Aufmerksamkeit. In solch großen Momenten ist man natürlich nervös. Aber ich mache das wirklich sehr gerne.

WANN & WO: Sie sind ja gebürtiger Steirer, wie gefällt es Ihnen hier in Vorarlberg?

Thomas D. Trummer: Manche sprachliche Färbung ist mir noch fremd, aber ich verstehe vieles, immer mehr. Ich genieße die abwechslungsreiche Natur. Grillen an der Ach, Paddeln im See, Berglauf am Pfänder, den Bregenzerwald und seine architektonischen Juwele. Leider bleibt viel zu wenig Zeit.

WANN & WO: Wie war Ihre Kindheit und Jugend? Sind sie da schon mit Kunst in Berührung gekommen?

Thomas D. Trummer: Jaja, ich bin so ein bisschen ein Kind des Steirischen Herbstes (Avantgarde-Festival in der Steiermark, Anm. d. Red.). Ich habe Musik gemacht und da konnte man, selbst am Land wohnend, ganz tolle Sachen miterleben und mitmachen. Das hat mich sehr geprägt. Ich vermisse das auch ein bisschen, der Steirische Herbst war wirklich crazy. Ich erinnere mich, dass ich beispielsweise einmal ein futuristisches Konzert in einem Stahlwerk gespielt habe. Das war sperrig und brisant. Ich glaube, solche Dinge wären hier auch möglich, aber damals war es noch gegenstrebiger. Mehr gegen die üblichen Konventionen, mehr Avantgarde.

WANN & WO: Sie haben neben Kunstgeschichte auch Musik und Philosophie studiert. Sind Sie in diesen Bereichen noch aktiv?

Thomas D. Trummer: Nein. Wobei Philosophie und Kunst einander schon sehr nahe sind – da geht es um die großen Fragen der Welt. Wer sind wir? Wie verstehen wir uns? Was ist das Gute und das Schöne? Kunst vermittelt sich nur eben über sinnliche Erlebnisse.

WANN & WO: Hatten Sie selbst nie den Drang, Künstler zu werden?

Thomas D. Trummer: Nein. Das will ich absolut nicht sein (lacht). Das ist aber auch gut so, denn so lässt sich mit den Künstlern ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

WANN & WO: Es sind nicht alle Künstler einfach. Wie gehen Sie mit schwierigen Persönlichkeiten um?

Thomas D. Trummer: Also, wenn Künstler einfach sind, dann sind sie keine (lacht). Gute Kunst muss von sich überzeugt sein, da braucht es eine gewisse Entschiedenheit. Damit muss man auch umgehen können.

WANN & WO: Kunst kann auch rebellieren – steckt auch in Ihnen ein Rebell?

Thomas D. Trummer: Rebellisch, weiß ich nicht. Aber was meiner Meinung nach jeder von sich fordern sollte: Mal etwas anderes zu denken, etwas Neues anzufassen, sich zu öffnen und neugierig zu sein für etwas, das man nicht kennt. Ich glaube, das sind die Vorarlberger ohnedies.

WANN & WO: Stichwort Alter: Sie werden heuer 50.

Thomas D. Trummer: Das nehme ich ganz locker, es ist eigentlich unbedeutend.

WANN & WO: Älter werden ist also kein Problem für Sie?

Thomas D. Trummer: Was halt nicht passieren darf, ist, dass man abstumpft. Man muss sich immer wieder motivieren, Neues zu erleben. Das ist das Tolle an meinem Job, ich sehe und erlebe sehr viel, vor allem auch sehr Positives.

WANN & WO: Gab es auch Niederlagen?

Thomas D. Trummer: Die gibt es immer wieder, auch beruflich. Eine Ausstellung kann genauso scheitern wie alles andere. Aber es ist ja nicht so, dass man aus Niederlagen nicht lernt. Ich glaube, dass man aus solchen Dingen gestärkt herauskommt.

WANN & WO: Mein Chef sagte, dass viele aus der Kunstbranche Fußball-Fans sind. Sie auch?

Thomas D. Trummer: Absolut.

WANN & WO: Ihre Mannschaft?

Thomas D. Trummer: Wie Sie wissen, habe ich zuletzt in Mainz gelebt. Da ist es tatsächlich so, dass ich noch jedes Spiel der Mannschaft verfolge. In Österreich ist es eher Rapid, weil man Großvater dort gespielt und mich mehr oder weniger schon als Säugling grün-weiß eingekleidet hat.

WANN & WO: Was machen Sie noch gern in Ihrer Freizeit?

Thomas D. Trummer: Wir fahren gern in den Bregenzerwald, einfach nur, um spazieren zu gehen. Ich lese auch sehr gerne, gehe laufen und schaue Fußball. Manchmal liebe ich es, einfach nur nachzudenken. Meist im Gehen übrigens.

WANN & WO: Sie haben eine kleine kleine Tochter. Wächst sie auch mit Kunst auf?

Thomas D. Trummer: Nun, sie ist erst zwei Jahre alt. Aber sie ist auf vielen Eröffnungen dabei und oft im Kunsthaus und fühlt sich dort sehr wohl. Ich glaube, das hat mit der Weite und der Akustik der Räume zu tun, weil es so hallt.

WANN & WO: Sie arbeiten viel, reisen auch oft. Geht das mit der Familie gut unter einen Hut?

Thomas D. Trummer: Das ist stets ein Balanceakt.

WANN & WO: Ihre Ziele für 2017?

Thomas D. Trummer: Menschen begeistern, unvergessliche, einmalige Erfahrungen ermöglichen.

WANN & WO: Klingt, als würden Sie Vorarlberg noch eine Weile erhalten bleiben.

Thomas D. Trummer: Das hoffe ich sehr!

Wordrap

Bregenz: Ein sehr lebenswerter Winkel.

Kunst: Die reichhaltigste Weise, die Welt zu erschließen.

KUB: Eine Erfolgsgeschichte, auf die man stolz sein kann.

Familie: Auszeit und Einfinden.

Beruf: Mit außerordentlichen Menschen zusammenarbeiten.

Zur Person

Name: Thomas D. Trummer

Geboren: 2. August 1967 in Bruck an der Mur

Studium: Kunstgeschichte, Philosophie und Musik

Familie: Verheiratet, drei Töchter

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