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Vor zehn Jahren begann der Irak-Krieg - Haben die USA daraus gelernt?

Abenteuer, an das sich kein Amerikaner mehr gerne erinnert.
Abenteuer, an das sich kein Amerikaner mehr gerne erinnert. ©EPA
Siegesfeiern wird es nicht geben. Auch keine markigen Worte über Freiheit und Demokratie, die die USA in die Welt tragen. Vor allem das Wort "Massenvernichtungswaffen" werden amerikanische Politiker in diesen Tagen tunlichst meiden. Am liebsten würden Millionen Amerikaner den Irak-Krieg aus ihrem kollektiven Gedächtnis streichen - selten hatten sich die Führer der weltweit stärksten Militärmacht derart verkalkuliert.
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Geplatzte Träume im Irak

Am kommenden Mittwoch (20. März) vor zehn Jahren begann der Waffengang gegen den Irak. Noch heute fragt sich Amerika, wie alles so fürchterlich schiefgehen konnte. Haben die Generäle und die Politiker ihre Lektion gelernt?

“Schwerster strategischer Fehler”

Kritiker sprechen heute vom “schwersten strategischen Fehler” der Militärs seit Jahrzehnten. Mittlerweile gelten der damalige Präsident George W. Bush, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sowie die erzkonservativen Berater im Weißen Haus (“Neocons”) als Schuldige des Debakels. Noch heute betont Präsident Barack Obama – der damals als Senator als einer der wenigen Parlamentarier “Nein” sagte -, der unselige Krieg habe dem Ansehen der USA in der Welt schwer geschadet.

“Die erste und wichtigste Lehre des Irak-Krieges ist, dass wir nicht gewonnen haben….”, schrieb die angesehene Zeitschrift “Foreign Policy” kurz und bündig. Die Hauptargumente: Die Massenvernichtungswaffen, die der Diktator Saddam Hussein angeblich gehortet hatte, gab es nicht. Das hinter vorgehaltener Hand postulierte Ziel eines Regimewechsels wurde bestenfalls halbwegs erreicht – Experten bezeichnen die heutigen Verhältnisse in Bagdad eher als “Quasi-Demokratie”.

Iran durch US-Invasion gestärkt

Zu allem Überfluss: “Die Zerstörung des Iraks stärkte die Stellung des Irans am Persischen Golf – was die USA wohl kaum gewollt hatten”, wie der Experte Stephen Walt meint. “Das Ergebnis des Irak-Krieges war eindeutig schlechter, als es Bush sich versprochen hatte”, urteilt Stephen Biddle, Sicherheits- und Militärexperte beim Think-Tank Council on Foreign Relations. “Bush wollte eine stabile Demokratie schaffen, ein Leuchtfeuer der Freiheit, das auf die benachbarten Regionen ausstrahlt. Das hat er nicht erreicht.”

Dabei hatte alles so gut angefangen: In gerade mal 21 Tagen hatten die US-Truppen seinerzeit Bagdad erobert. Widerstand der Iraker, wo überhaupt vorhanden, wurde geradezu weggefegt. Bush und seine Mannen waren in Hochstimmung. Bushs geschmacklich fragwürdiger PR-Auftritt auf dem Flugzeugträger “Abraham Lincoln” mitsamt seinem vollmundigen Ausspruch: “Mission Accomplished” (Mission erfüllt), sprach Bände – und wurde zum Fanal.

Denn das eigentliche Dilemma begann erst nach der erfolgreichen Invasion: Statt Aufbau der Demokratie versank das Land in Terror und Gewalt, statt nationaler Versöhnung herrschte Krieg zwischen Sunniten und Schiiten – und immer wieder wurden die USA zur Zielscheibe. Wieder einmal erwies sich: Eine feindliche Armee zu schlagen, ist das eine. Ein Land besetzen, bedeutet etwas ganz anderes.

Worst-Case nicht eingetreten

Allerdings: Es hätte noch viel schlimmer kommen können, wie der Sicherheits- und Militärexperte Biddle mit Blick auf den zeitweisen Beinahe-Bürgerkrieg im Irak meint. “Der Ausgang war besser als das Worst-Case-Szenario – ein Völkermordkrieg, der über die Grenzen der Region hinausgeht.”

Für die US-Militärs brachte das Irak-Debakel wichtige Erkenntnisse für die moderne Kriegsführung. In Vietnam war es der Guerillakrieg, der die USA in die Knie zwang. Im Irak war es der Terror Aufständischer. Nicht Saddams Truppen entpuppten sich als schwerster Gegner, sondern Bombenleger und Selbstmordattentäter.

Die Antwort lautete “Counterinsurgency”, die Bekämpfung Aufständischer. Kern der Strategie: Es reicht nicht, die feindliche Armee zu besiegen, die Bevölkerung muss einbezogen werden.

Ex-General David Petraeus umschreibt die Strategie wie folgt: Um das Land wirkungsvoll zu befrieden, müsse die Bevölkerung vor Übergriffen und Gewalt geschützt, Infrastruktur aufgebaut und Anstoß zum wirtschaftlichen Wiederaufbau gegeben werden. “Wir haben gelernt, dass das entscheidende Terrain in Operationen wie denen im Irak und Afghanistan das menschliche Terrain ist.”

(APA)

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