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Von „Rosalie“ und „Berta“ zu Hilfsprojekten in Äthiopien

Peter Buchner und sein Adoptivsohn Tameru zeigen die Körbe, die für Hilfsprojekte in Äthiopien verkauft werden.
Peter Buchner und sein Adoptivsohn Tameru zeigen die Körbe, die für Hilfsprojekte in Äthiopien verkauft werden. ©Edith Hämmerle
Menschen aus der Heimat: Peter Buchner (50) erzählt über sein Leben, seine Hobbys und seinen Bezug zu Äthiopien.
Körbe für Hilfsprojekte

Dornbirn. Wer eine kleine Wanderung über Böngern nach Kehlegg oder Eschenau unternimmt, dem fällt eine markante Eule aus Weidenästen auf. Aus einer Dotterweide, die ganz oben im steilabfallenden Hanggarten der Familie Buchner wächst, rankten zwei- bis drei Meter hohe Triebe. Das brachte den Besitzer auf die Idee, daraus eine lebende Skulptur zu flechten. So entstand vor fünf Jahren die Eule, die er Rosalie nennt. Rosalie war es dann auch, die in Peter Buchner die Leidenschaft zum Flechten weckte. Natürlich nur als Winterbeschäftigung, denn im Sommer nehmen andere Hobbys seine Zeit in Anspruch. Die Imkerei beispielsweise. Im Bienenhaus sind 20 Völker der fleißigen Insekten untergebracht. 20 weitere haben den Standort in Hohenems. Bei genauerem Betrachten des Gartens bemerkt man auch Berta, eine weibliche Skulptur aus Weidengeflecht. Ein Mandarinenbaum versprüht mediterranes Flair, während aus der hinteren Ecke das Gackern von Hühnern nicht zu überhören ist. In einem Folienhaus sprießen bereits die ersten Tomaten. Die Setzlinge zieht Peter Buchner selbst.

Familie hilf mit

Der Hanggarten hingegen ist vorwiegend für Kartoffeln vorgesehen. Nicht einfach Kartoffeln, „es sind blau- und rotfleischige Sorten dabei, die besonders geschmackvoll sind“, definiert der Hobbygärtner den Unterschied. Die Frage, wie man das alles neben einem herausfordernden Beruf auf die Reihe bringt, beantwortet er spontan mit einem Lachen: „Die ganze Familie hilft mit.“ Damit meint er seinen Schwiegervater, seine Frau Elisabeth und seine beiden Adoptivkinder. Tameru, der Sohn, ist 15, Selam, die Tochter, ist elf Jahre alt. Sie stammen aus Äthiopien. „Als Babys haben wir sie zu uns geholt und adoptiert“, erzählt der stolze Vater und auch über dieses Land, das ihm und seiner Frau ans Herz gewachsen ist. „Es ist ein geheimnisvolles und vielfältiges Land, das wir bereits neunmal bereist haben. Das kleine Dorf, aus dem unser Sohn stammt, wirkt sehr anziehend auf uns.“ Es sei noch nicht mechanisiert, es gebe weder Strom noch fließendes Wasser. Mit eigener Hände Kraft sorgen die Menschen täglich für ihre Nahrung. Wenn man sieht, wie zufrieden sie in größter Einfachheit leben, wird man selbst zufrieden“, bekennt Buchner und fügt noch an: „Auf unseren Reisen haben wir immer Ausschau nach Angehörigen unserer Kinder gehalten, beim Buben konnten wir welche ausfindig machen, bei der Tochter leider nicht.“

Körbe für Hilfsprojekte

Die Eule Rosalie inspirierte nicht nur zum Flechten, sondern spannte den Bogen zu Hilfsprojekten. Das Flechten hat sich der heute 50-jährige Dornbirner selbst beigebracht, nach Anleitung aus dem Internet. Das alte Handwerk führt ihn auch zurück zu seinen Wurzeln. Schon sein Großvater habe damals Behälter für die Ernte geflochten. So sind im letzten Winter 28 Körbe entstanden. Das Geld vom Erlös fließt wieder nach Äthiopien, unter anderem zu den Mutter-Teresa-Schwestern, wo eine Dorbirnerin, Schwester Servita, stationiert ist. „Bei all dem bleibt keine Zeit mehr über Corona zu jammern und über Politik zu schimpfen“, meint Buchner, obwohl er beruflich tagtäglich mit dem Virus konfrontiert wird. Er ist Fachpfleger für Anästhesie im Krankenhaus Dornbirn. Seit einem Jahr sei es eine doppelte Belastung, wenn man total vermummt im OP-Saal steht. Und wenn man zusehen muss, wie Menschen gegen diese Krankheit kämpfen, dann finde er wenig Verständnis für Pandemieleugner. Trotz allem denke er positiv in Richtung Zukunft: „Dass sich die Lage nach der zweiten Welle, die uns wesentlich härter getroffen hat als die erste, wieder langsam, Schritt für Schritt, verbessern wird.“ EH

Zur Person
Peter Buchner
Alter: 50 Jahre
Wohnort: Dornbirn, Böngern
Familie: verheiratet mit Elisabeth, zwei Adoptivkinder: Tameru und Selam
Beruf: Fachpfleger für Anästhesie am KH Dornbirn
Hobbys: Körbe flechten, Imkerei, Garten, Reisen nach Äthiopien
Lebensmotto: „Carpe diem“ – genieße den Tag – das Leben ist zu kurz für irgendwann.

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