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Vom Schnorcheln nach Noten

Gerald Futschers Komposition "Haut" wurde in Bregenz uraufgeführt.

Schon einmal die Haut musizieren gehört – nicht, am vergangenen Mittwoch war genau das im Bregenzer Kornmarkttheater möglich. „Haut” betitelt der Vorarl­berger Komponist Gerald Futscher sein achtsätziges Werk, das vom Ensemble Plus uraufgeführt wurde. Die Versuchsanordnung war folgende: Ein Haut-Kubus, den Julia Hanke entworfen hatte, brachte den Stein ins Rollen und die Musik in Gerald Futschers Gedankenwelt zum Klingen. Das Ergebnis war ein Konzertabend voll an Originalität und innovativer Musikalität. Dass die Musiker – Philipp Wenger (Violine), Andreas Ticozzi (Viola), Marcus Huemer (Kontrabass), Martin Schelling (Klarinette), Thomas Gertner (Posau- ne) – ausgesprochene Könner an ihren Instrumenten sind, muss nicht betont werden. Dass mit der Mezzosopranis­tin Nina Amon eine stimm-lich flexible und versierte Sängerin gefunden wurde, die – wenn es die Komposition verlangt – auch vor an „Hühnergegacker” erinnernden Lautäußerungen nicht zurückschreckt, war auch sofort Gewissheit.

Gewalkte Luftballons

Und Gerald Futscher – der fand keine Ruhe, agierte als Teil des Ensembles, versetzte Sägeblätter in Schwingung, walkte Luftballons, entlockte ihnen zaghafte bis herzhafte Quietscher und lehrte einer Violine das Schwimmen. Doch dazu später. Zunächst zum Impulsgeber der Musik. Die Haut und das Gehirn entwickeln sich aus derselben embryonalen Struktur. Sie sind miteinander „verwandt”. Beiden werden bestimmte Aufgabenbereiche zugesprochen. Genau diese sind es nun, in denen es zu Überschneidungen der Haut und des Gehirns kommt. Für Gerald Futscher sind dies das Halten, Erhalten, der Reizschutz, die Intersensorialität, die sexuelle Erregung, die libidinöse Wiederaufladung, die Individuationsfunktion und das Eintragen von Spuren. Futscher wagt einen weiteren Schritt und landet bei den Verletzungen dieser Funktionen. Diese bilden das Fundament seiner Musik. Wenn der vierte Satz also als „Individuationsfunktion” überschrieben wird, man bei korrektem Ablauf dieser Funktion das Erstehen eines Ganzen, eines Individuums erwarten darf, so stemmt sich Futschers Komposition gegen diese Erwartungshaltung. Im Gegenteil, eine Violine wird ihrer Persönlichkeit beraubt. Durchlöchert, mit Eiern befüllt und einem Gummischnorchel beatmet, vernimmt man von ihr einen letzten „Gurgler” im Aquarium, in das sie Futscher versenkte.

Schattenspiele

Nun zum „Haut”-Kubus: Der platzierte sich prominent auf der Bühne und wurde selbst zum Instrument. Nina Amon mutierte dafür zur „Schattenspielerin”, verbarg sich im Kubus, bearbeitete seine Wände mit Reiß- und Kratzwerkzeugen. Schade, dass nur eine kleine, dafür aber begeisterte Schar diese Uraufführung miterleben konnte.

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