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Vom Ortsvorsteher zum Krisenmanager

Peter Stieger steht im Gespräch mit den VN und VOL.AT nicht nur als Ortsvorsteher, sondern auch als Familienvater und Lehrer Rede und Antwort.
Peter Stieger steht im Gespräch mit den VN und VOL.AT nicht nur als Ortsvorsteher, sondern auch als Familienvater und Lehrer Rede und Antwort. ©Emir T. Uysal
Peter Stieger blickt kritisch auf das vergangene Jahr zurück.

 

GISINGEN Lockdown, Lockerung, Lockdown, Lockerung – auch für Parzellen wie Gisingen waren die letzen Monate des Öfteren nicht einfach zu handhaben. Ortsvorsteher Peter Stieger (48) lässt im Interview mit den VN das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren, verrät persönliche Wünsche und gibt Ausblicke.

Welche Auswirkungen hatte Corona in einer Parzelle wie Gisingen?

Stieger: Es war für niemanden ein einfaches Jahr. Viele Gasthauskulturen oder ganze Vereinsleben kamen zum Erliegen. Zwischenmenschliche Begegnungen wurden minimiert. Und durch die notwendig gewordene Maske konnte man ein wichtiges Kommunikationsmittel – die Mimik – nicht mehr erkennen. Es war vieles sehr problematisch, weil sich viele mit dieser „neuen Situation“ überfordert gefühlt haben. Ich persönlich finde, dass wir die Maßnahmen, die es gibt und gab, allesamt qualitativ umsetzen haben können. Ein Augenmerk ist auf die großartigen Testaktionen in der Volksschule Oberau zu richten.

Wie stark ist die heimische Gastronomie betroffen?

Stieger: In Gisingen gibt es ja nicht mehr viele Gasthäuser. Umso schlimmer ist es dann, wenn sie komplett ihre Türen schließen müssen. Die „Krone“ Gisingen bot einen Take-away-Service an und die Pizzeria Belmondo lieferte in den erlaubten Zeiten das Essen kontaktfrei.

Kämpften die Gisinger Geschäfts-leute mit Existenzkrisen?

Stieger: In Gisingen zum Glück nicht. In der Vorstadt beispielsweise musste das Gasthaus „La Taverna“ schließen. Leider bekomme ich als Ortsvorsteher auch nur von Lokalen und Firmen etwas mit, wo auch die Stadt als Vermieter der Liegenschaft eingetragen ist.

Wie stark sind Bauprojekte bzw. Investitionen der Stadt betroffen?

Stieger: Es mussten budgetmäßig zahlreiche Sparmaßnahmen getroffen werden. Viele Projekte, die bis zum Jahresende 2020 oder für heuer eingeplant waren, müssen jetzt verschoben werden. Ein Beispiel ist das Waldbad Gisingen. Wir haben eine große Verantwortung, welche Projekte in Krisenzeiten realisiert werden müssen und welche warten müssen.

Was bedeutet Social-Distancing für Vereine?

Stieger: Zahlreiche Vereine haben seit März 2020 einen starken Mitgliederschwund zu verzeichnen. Ich persönlich finde es auch einen problematischen „Trend“. Gerade bei jugendlichen Teamsportarten: Kinder und Jugendliche sind von dieser Krise noch härter betroffen. Und eine für sie fundamentale Zeit können sie vielleicht nie mehr nachholen.

Ihre Tipps gegen Einsamkeit?

Stieger: Viel telefonieren! Auch wenn ein physisches Treffen nicht möglich ist – unbedingt Alternativen suchen. Außerdem nutzen nun viele die Zeit, um die Natur zu genießen. Und draußen trifft man dann auch viele Leute an. Mit ausreichend Abstand fühlt man sich dann auch etwas weniger einsam. Sportliche Aktivitäten, die erlaubt sind, können natürlich auch gegen die Einsamkeit helfen: Skitouren beispielsweise oder etwa auch Mountainbiken …

Was war die größte Einschränkung für Sie?

Stieger: Also, besonders ab geht mir meine Kollegen, Freunde und Bekannten in der Feldkircher Innenstadt auf einen Kaffee zu treffen, mit ihnen zu plaudern und unbeschwert zu lachen.

Als Familienvater von drei Kindern: Wie ist deren Umgang mit der Pandemie?

Stieger: Es ist sehr schwer für sie. Mein Sohn (16) hat mir letztens gesagt: „Das Erlebnis in meiner Jugend wird durch das Coronavirus gebremst.“ Und so ist es leider auch. Durch die absolute Reduktion ist vieles, was ich noch als Jugendlicher machen konnte, unmöglich. Meine Tochter (20) macht ihr Studium großteils im Homeschooling und auch meine Jüngste (13) ist damit konfrontiert und vermisst es Freunde zu treffen. Als Lehrer muss ich festhalten, dass die Schule nicht nur als Vermittler von Wissen wichtig ist, sondern auch der soziale Aspekt mit Sportwochen, Wanderungen und Ausflügen.

Ist aus Ihrer Sicht mit der Impfung ein Ende in Sicht?

Stieger: Die gesamte ältere Bevölkerung ist bereits geimpft. Aktuell ist das Personal aller Bildungsins-titutionen (Kindergärten, Schulen) dran. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass, wenn sich genug Menschen bereit erklären, sich impfen und testen zu lassen, einige Angebote auch ohne Maske möglich sein werden. Der erste Schritt wurde kürzlich mit der Öffnung der Gastronomie und den gelockerten Bedingungen für Sport gemacht.

Was ist das Allererste, das Sie nach dem Lockdown machen?

Stieger: Das Erste wird wohl sein, dass ich mich gemütlich in einen Gastgarten setze und dabei möglichst viele Leute treffe. Ich freu mich richtig drauf (mit einem Lächeln) – die positive Stimmung, entspannt und glücklich. ETU

 

 

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