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Vom Alltag eines Fälschers

©VOL/Bernd Hofmeister
Es gehe ihm schlecht, sagt sein Anwalt Dr. Klaus Grubhofer gestern. Doch sein Mandant sei geständig, voll geständig. „Etwas anderes kommt für ihn nicht in Frage“, fügt Grubhofer hinzu. „Was er gestanden hat, sollen die Richter beurteilen.“ Jürgen H., 47, steckte spätestens seit dem 20.

November 2009 in großen Schwierigkeiten. Das geht aus dem Abschlussbericht der Kriminalpolizei zum „Fall Mutschler“ hervor. Drei Tage nach seiner Festnahme und gleichzeitig durchgeführter Hausdurchsuchung meldete sich seine Lebensgefährtin beim Landeskriminalamt. Mit dabei hatte sie eine grüne Reisetasche. Darin befanden sich nahezu sämtliche anzeigenrelevanten Fälschungsbehelfe, Fälschungsvorlagen und Fälschungsentwürfe sowie zahlreiche Originaldokumente und Urkunden aus Gerichtsakten und dem Archiv des Bezirksgerichtes Dornbirn – laut Bericht insgesamt 758 beweisrelevante Schriftstücke.

Ende der Blockade

Der Anklageschrift zufolge gestaltete sich die Einvernahme anfänglich dennoch sehr mühsam und zeitaufwändig. „Jürgen H. hatte anfangs große Probleme damit, seine Kollegen, aber vor allem seine Familienmitglieder bei den Einvernahmen zu benennen, weil er sie nicht belasten wollte“, heißt es im Bericht wortwörtlich. Erst als seine Geschwister und sein Freund und Mitbeschuldigter Peter H. von sich aus Geständnisse ablegten, sei diese Blockade von Jürgen H. weggefallen. Seine Angaben korrespondieren weitgehend mit den sichergestellten Beweismitteln und werden durch die Angaben seiner Geschwister bzw. des Mitbeschuldigten Peter H. bestätigt. Jürgen H. und der mittlerweile verstorbene Rechtsanwalt Gernot Sch. bewiesen auch in kniffligen Situationen Handlungsgeschick. Als einem gefälschten Übergabevertrag an Jürgen H.s Onkel durch einen Sachverständigen die Entlarvung drohte, zerrissen die beiden gefälschte Schriftstücke und entsorgten sie laut Anklageschrift in den winterlich-nassen Straßenrand. Erfinderisch zeigte sich Jürgen H. auch einmal mit seinem Freund Peter H., als sie nach Brasilien flogen. Dort besorgten sie sich Gummistempel, frankierte und abgestempelte Briefkuverts. Darin steckte Jürgen H. laut Anklageschrift ein gefälschtes Testament. Hauptbegünstigte von diesem war eine gewisse Frau M., Philippinin und Freundin von Peter H. Auch die Diözese sollte zwecks Glaubwürdigkeit profitieren. Deshalb warfen sie das Poststück in den Briefkasten der Diözese Feldkirch. Damit wollten sie den Eindruck vermitteln, als ob eine Bekannte des verstorbenen Erblassers seinem Wunsch nachgekommen sei, die Diözese von dessen letzten Willen in Kenntnis zu setzen. Der mit schlechten Deutschkenntnissen ausgestatteten Frau wurde von Jürgen H. und Peter H. schließlich ein goßes Stück der Erbschaft abgeluchst.

Er „fand“ vieles

Die Anklageschrift gibt auch kuriose Details preis. So zum Beispiel die Schilderung einer Autofahrt des Beschuldigtenmit seinem Bruder Udo. Am Silvestertag 2006 fuhr das Brüderpaar nach Lustenau und steckte dort das Kuvert mit dem gefälschten Testament der Stefanie Hagen in den Briefkasten von Notar Egger. In der Anklageschrift wird ebenfalls erwähnt, dass Jürgen H. von Clemens M. mehrmals als Verlassenschaftskurator eingesetzt wurde. Dieser stellt Vermögenswerte in Häusern von Verstorbenen ohne direkte Nachkommenschaft sicher. Öfters missbrauchte Jürgen H. seine Aufgabe dahingehend, dass er gefälschte Testamente dort deponierte, um sie während seiner Tätigkeit „zu finden“. Jürgen H. ist in umfassendem Ausmaß geständig und belastet seine Ex-Kollegen am Bezirksgericht Dornbirn sowie die suspendierte Landesgerichtsvizepräsidentin Kornelia Ratz schwer.

(VN)

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