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Volles Engagement für Gehörlose

Dornbirn - Das Landeszentrum für Hörgeschädigte in Dornbirn feiert am 20. Dezember das 30-Jahr-Jubiläum.

Jedes Jahr stellen Ärzte bei rund vier Neugeborenen in Vorarlberg schwere Hörschädigungen fest. Für viele Eltern bricht nach der Diagnose zuerst einmal eine Welt zusammen. Das weiß Johannes Mathis aus eigener Erfahrung. Der Direktor des Landeszentrums für Hörgeschädigte (LZH) wuchs mit zwei gehörlosen Geschwistern auf, die mangels entsprechender Angebote in Vorarlberg weit weg von zu Hause Gehörlosenschulen besuchen mussten.

Grund genug für seine Mutter Ferdinanda, eine beispiellose Initiative für Hörgeschädigte in Vorarlberg zu starten. „Ab 1966 begann sie Geld für eine eigene Einrichtung zu sammeln“, erinnert sich ihr Sohn Johannes. 1977 kam der große Tag: In der Dornbirner Feldgasse wurde das erste Vorarlberger Gehörlosenheim als Kontaktstelle für Betroffene eröffnet. Für ihren selbstlosen Einsatz wurde die Gründerin mit dem Toni-Russ-Preis ausgezeichnet.

Dass Johannes Mathis in ihre Fußstapfen trat, ergab sich fast von selbst, denn er wollte das Lebenswerk seiner Mutter fortsetzen. 1986 übernahm der gelernte Sozialarbeiter und Gehörlosenpädagoge die Leitung des Hauses. Damals zählte man gerade 80 Leute, die regelmäßig im Haus zu Gast waren. Das hat sich inzwischen grundlegend verändert, berichtet Mathis nicht ohne Stolz: „Heute betreut unser 108 Personen starkes Team aus Soziologen, Psychologen, Therapeuten, Lehrern und anderen Fachkräften 1550 Menschen.“

Größtes Anliegen

Sein größtes Anliegen war die Eröffnung einer eigenen Schule für hörgeschädigte Kinder. 1989 war es so weit. Im ersten Jahr drückten gerade einmal drei Kinder in Dornbirn die Schulbank, mittlerweile sind es 70. Und sie erfahren eine optimale Ausbildung: Praktisch alle Absolventinnen

und Absolventen verlassen die Schule mit einen Lehrvertrag in der Tasche oder der Zusage für die Aufnahme in eine höhere Schule.

Mathis kann sich noch gut erinnern, wie bei seinen gehörlosen Geschwistern und auch bei den Eltern die Tränen flossen, wenn es zurück an die Schule in Tirol oder in die Schweiz ging. Das ist heute ganz anders: „Unsere Fahrer holen die Kinder täglich ab und bringen sie am Abend wieder nach Hause, auch wenn sie bis zu 100 Kilometer entfernt wohnen. Somit bleibt das soziale Umfeld erhalten und die Kinder können im Familienverband aufwachsen.“

Therapie mit Pferden

Das nächste große Projekt steht kurz vor der Verwirklichung: Ab Frühjahr bietet das LZH therapeutisches Reiten für Menschen mit Gleichgewichtsstörungen an. „So etwas ist nur mit Spenden und mit der Hilfe unserer Gönner möglich“, bedankt sich Mathis bei allen, die sich immer wieder großzügig gezeigt haben und auch diesmal wieder helfen werden.

Großes Fest

Heute Abend, 18 Uhr, wird im Kulturhaus der 30. Geburtstag des LZH mit einem bunten Programm gefeiert. Eingeladen ist die gesamte Bevölkerung.

ZUR PERSON

Johannes Mathis

  • Geboren: 1961
  • Familie: drei Kinder Ausbildung: Dipl. Sozialarbeiter, Gehörlosenpädagoge
  • Wohnort: Hohenems
  • Hobbys: Schach, Skifahren, neue Bauprojekte planen
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